Haltung verbessern: Was bei Nacken, Smartphone, Übungen, Schuhen und Schlaf wirklich zählt

Haltung verbessern: Was bei Nacken, Smartphone, Übungen, Schuhen und Schlaf wirklich zählt

Am Ende eines langen Tages spürst du deinen Nacken, deine Schultern ziehen sich nach oben und dein Rücken wünscht sich nichts sehnlicher als Bewegung. Vielleicht ertappst du dich dabei, wie du beim Blick aufs Handy immer tiefer sinkst, oder du wachst morgens mit einem steifen Nacken auf. Viele Menschen kennen diese Momente, denn unser Alltag spielt sich zu großen Teilen im Sitzen und mit Blick auf Bildschirme ab. Dein Körper sendet dir damit eine freundliche Botschaft. Er sehnt sich nach Abwechslung, Kraft und Erholung.

Die gute Nachricht ist, dass die Forschung zur Haltung in den letzten Jahren viele überraschende und ermutigende Erkenntnisse gewonnen hat. Eine gute Haltung ist weit mehr als ein gerader Rücken, sie ist ein lebendiges Zusammenspiel aus Bewegung, Kraft, Gewohnheiten und Erholung. Schon wenige Minuten gezielter Übungen am Tag, kleine Veränderungen beim Umgang mit dem Smartphone und die passende Unterlage für die Nacht entfalten eine spürbare Wirkung. Sogar deine Stimmung profitiert davon, wenn du dich aufrichtest. Du hast also viele Stellschrauben, die du optimal in deinen Alltag einbauen kannst.

In diesem Artikel erfährst du, was eine gute Haltung wirklich ausmacht und wie sie mit deiner Stimmung zusammenhängt. Du lernst, was beim Blick aufs Smartphone in deinem Nacken geschieht und wie du deinen Arbeitsplatz und deine Pausen klug gestaltest. Anschließend lernst du einfache Übungen kennen, mit denen du Nacken, Schultern und Rücken schon in wenigen Minuten stärken kannst. Du erfährst außerdem, welche Rolle deine Schuhe und deine Füße als Fundament spielen. Zum Abschluss erfährst du, wie Matratze und Kissen deinen Schlaf unterstützen können und erhältst einen einfachen Plan für deinen Alltag.

Was eine gesunde Körperhaltung wirklich ausmacht

Warum Haltungswechsel wichtiger sind als die perfekte Haltung

Ein Team irischer und australischer Physiotherapeuten um David Slater hat die gängige Empfehlung „Sitz gerade“ im Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy neu betrachtet. Die Fachleute kommen zu dem Schluss, dass es nicht die eine perfekte Haltung gibt, die für alle Menschen gleichermaßen richtig ist. Menschen sind in vielen verschiedenen Haltungen beschwerdefrei und jeder Körper hat seine eigene, angenehme Form. Viel wichtiger ist, die Haltung regelmäßig zu wechseln, sich zu bewegen und Positionen zu finden, die sich entspannt anfühlen. Deine beste Haltung ist damit immer die nächste, in die du dich frei hineinbewegst.[1]

Forschende der Curtin University in Australien um Karen Richards haben die Sitzhaltung von über 1.100 Jugendlichen im Alter von 17 Jahren fotografiert und vier typische Haltungsgruppen gebildet. Nacken- und Kopfschmerzen kamen in allen vier Gruppen ähnlich häufig vor. Deutliche Zusammenhänge zeigten sich dagegen mit dem Lebensstil und dem Wohlbefinden, denn die aufrecht sitzenden Jugendlichen bewegten sich häufiger und die eher in sich zusammengesunkenen zeigten häufiger depressive Verstimmungen. Haltung ist also eng mit Bewegung und Stimmung verbunden. Genau darin liegt eine schöne Chance, denn mit mehr Bewegung und Lebensfreude verändert sich auch deine Haltung ganz natürlich.[2]

Wie eine aufrechte Haltung deine Stimmung verbessern kann

Die Psychologin Elizabeth Broadbent und ihr Team an der University of Auckland in Neuseeland haben 74 Erwachsene entweder aufrecht oder zusammengesunken sitzen lassen. Damit die Teilnehmenden ihre Haltung beibehielten, wurde sie mit Physiotherapie Tape unterstützt. Anschließend hielten alle eine kurze Rede unter Stress. Die aufrecht sitzenden Teilnehmenden berichteten von mehr Selbstwertgefühl, besserer Stimmung und weniger Angst und sie sprachen mit mehr positiven Worten. Eine aufrechte Haltung ist damit ein einfacher Weg, um dich in fordernden Momenten zu stärken.[3]

In einer zweiten Studie untersuchte dasselbe Forschungsteam 61 Menschen mit leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen. Alle Teilnehmenden saßen zu Beginn stärker zusammengesunken als der Durchschnitt der Bevölkerung. Wer gebeten wurde, sich aufzurichten, fühlte sich danach energiegeladener und weniger müde und sprach mehr Worte in einer Stressaufgabe. Außerdem richteten diese Menschen ihre Aufmerksamkeit weniger stark auf sich selbst. Ein bewusstes Aufrichten mit offenen Schultern ist also ein kleines Geschenk an deine Seele, das du dir jederzeit machen kannst.[4]

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Nacken und Smartphone im digitalen Alltag

Was der Blick nach unten für deinen Nacken bedeutet

Der New Yorker Wirbelsäulenchirurg Kenneth Hansraj hat in einem Computermodell berechnet, welche Kräfte auf die Halswirbelsäule wirken, wenn der Kopf nach vorn geneigt ist. In aufrechter Position trägt dein Nacken das Gewicht deines Kopfes von ca. 5 Kg. Bei einer Neigung von 15 Grad steigt die Last auf ca. 12 Kg, bei 60 Grad auf ca. 27 Kg. Dein Nacken ist ein erstaunlich kräftiges System, das solche Lasten für eine Weile gut trägt. Umso wohltuender ist es für ihn, wenn du deinen Kopf zwischendurch immer wieder aufrichtest und so für Abwechslung sorgst.[5]

Forschende des Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea haben gemessen, wie stark Menschen den Kopf beim Umgang mit dem Smartphone neigen. Die Teilnehmenden hielten ihren Kopf dabei typischerweise um ca. 33 bis 45 Grad nach vorn geneigt. Beim Schreiben von Nachrichten neigten sie den Kopf stärker als beim Surfen oder Videoschauen und im Sitzen stärker als im Stehen. Hebe dein Smartphone deshalb beim Schreiben ein Stück näher an deine Augenhöhe, z.B. indem du die Ellenbogen auf einem Tisch abstützt. Für längere Videos und Telefonate ist eine Halterung auf Augenhöhe eine angenehme Entlastung für deinen Nacken.[6]

Kluge Gewohnheiten für Arbeitsplatz und Pausen

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat in ihrem Leitfaden für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze klare Empfehlungen zu Pausen formuliert. Mehrere kürzere Erholungspausen haben danach einen höheren Erholungseffekt als wenige längere Pausen mit gleicher Gesamtdauer. Besonders günstig ist es, wenn du in diesen Pausen Bewegungsübungen machst. Außerdem betont der Leitfaden, dass sich Möbel und Bildschirm leicht und schnell an deinen Körper anpassen lassen sollten. Ein kurzes Aufstehen, Schulterkreisen und ein paar Schritte zwischendurch verwandeln deinen Arbeitstag so in einen lebendigen Wechsel aus Konzentration und Bewegung.[7]

Ein Cochrane-Review unter der Leitung von Nipun Shrestha hat untersucht, wie sich die Sitzzeit am Arbeitsplatz verringern lässt. Mit höhenverstellbaren Schreibtischen saßen die Beschäftigten ca. 84 bis 116 Minuten weniger pro Arbeitstag als mit herkömmlichen Tischen. Außerdem wurden lange Sitzphasen von 30 Minuten und mehr seltener. Ein Wechsel zwischen Sitzen und Stehen bringt damit ganz natürlich mehr Bewegung in deine Haltung. Auch ohne eigenen Stehtisch kannst du Telefonate im Stehen führen oder Unterlagen an einem hohen Regal lesen.[8]

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Übungen, die Nacken, Schultern und Rücken stärken

Kraft für Nacken und Schultern

Der dänische Bewegungsforscher Lars Andersen und sein Team haben 94 Frauen mit chronischen Verspannungen und Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich begleitet. Eine Gruppe trainierte zehn Wochen lang dreimal pro Woche für 20 Minuten gezielt die Muskeln von Nacken und Schultern mit Kurzhanteln, z.B. mit Schulterheben, Rudern und seitlichem Armheben. Eine zweite Gruppe trainierte gleich lange auf dem Fahrradergometer. In der Krafttrainingsgruppe gingen die Schmerzen mit wachsender Kraft deutlich und anhaltend zurück, während das Radfahren nur kurzfristig Erleichterung brachte. Gezielte Kraftübungen für Nacken und Schultern sind damit ein besonders wirksamer Weg zu einem entspannten Nacken.[9]

In einer weiteren Studie wollte das Team herausfinden, wie wenig Training bereits genügt. 198 Berufstätige mit häufigen Nacken- und Schulterschmerzen trainierten zehn Wochen lang an fünf Tagen pro Woche mit einem elastischen Trainingsband, entweder zwei oder zwölf Minuten am Tag. Ihre Übung war ein seitliches Armheben gegen den Widerstand des Bandes. Schon zwei Minuten täglich verringerten die Schmerzen und die Druckempfindlichkeit der Muskeln deutlich und zwar fast genauso stark wie zwölf Minuten. Zwei Minuten mit einem Trainingsband passen in jeden Alltag, z.B. in die Kaffeepause oder direkt nach dem Zähneputzen.[10]

Bewegung als natürlicher Schutz für deinen Rücken

Ein australisches Forschungsteam um Daniel Steffens hat in einer großen Metaanalyse untersucht, was Rückenschmerzen am besten vorbeugt. Am wirksamsten war die Kombination aus regelmäßigen Übungen und Wissen über den eigenen Rücken, die das Risiko für eine neue Rückenschmerzepisode innerhalb eines Jahres um ca. 45% senkte. Übungen allein senkten das Risiko kurzfristig um ca. 35%. Welche Bewegungsform du wählst, darf sich dabei ganz nach deiner Freude richten. Regelmäßige Bewegung ist damit die beste Investition in einen starken, beschwerdefreien Rücken.[11]

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, herausgegeben von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, setzt auf Bewegung statt Schonung. Menschen mit Rückenschmerzen wird empfohlen, körperlich aktiv zu bleiben und ihren Alltag so normal wie möglich fortzuführen. Die Leitlinie empfiehlt deshalb Bewegung anstelle von Bettruhe, denn Aktivität unterstützt die Erholung des Rückens. Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen oder sanftes Krafttraining eignen sich wunderbar, um den Rücken in Schwung zu halten. Dein Rücken liebt Bewegung und jede aktive Minute stärkt ihn.[12]

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Schuhe und Füße als Fundament deiner Haltung

Was hohe Absätze in deinem Körper bewirken

Die britischen Forschenden Maxwell und Jane Barnish haben in einer systematischen Übersichtsarbeit im BMJ Open 18 Studien zu hohen Absätzen ausgewertet. Hohe Absätze waren dabei mit Fehlstellungen der Großzehe, dem sogenannten Hallux valgus, mit Beschwerden im Bewegungsapparat und mit Verletzungen beim Gehen verbunden. Deine Füße tragen dich durch dein ganzes Leben und freuen sich deshalb über Schuhe, die ihnen Raum und Stabilität schenken. Hohe Absätze kannst du für besondere Anlässe genießen und im Alltag mit flachen, bequemen Schuhen abwechseln. So bekommen deine Füße, Knie und dein Rücken immer wieder Zeit zum Durchatmen.[13]

Wie stark sich der Körper an Schuhe anpasst, zeigt eine Studie der Manchester Metropolitan University um Robert Csapo. Die Forschenden verglichen Frauen, die seit mind. 2 Jahren regelmäßig Absätze von mind. 5 cm trugen, mit Frauen, die flache Schuhe bevorzugten. Bei den Absatzträgerinnen waren die Muskelfasern der Wade um ca. 13% kürzer und die Achillessehne war dicker und steifer. Das erklärt, warum sich das Gehen in flachen Schuhen für manche Frauen zunächst ungewohnt anfühlt. Sanfte Dehnübungen für die Waden, z.B. an einer Treppenstufe, schenken deinen Muskeln und Sehnen ihre Beweglichkeit zurück.[14]

Starke Füße durch flexible Schuhe

Die Bewegungsforscherin Sarah Ridge von der Brigham Young University in den USA hat untersucht, wie sich flexible, minimalistische Schuhe auf die Fußmuskeln auswirken. 57 Läuferinnen und Läufer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe trug im Alltag schrittweise immer länger Minimalschuhe, eine machte gezielte Fußübungen und die dritte behielt ihre Gewohnheiten bei. Nach acht Wochen waren die Fußmuskeln in den beiden ersten Gruppen deutlich größer und kräftiger und das Gehen in Minimalschuhen wirkte genauso gut wie das Fußtraining. Flexible Schuhe sind damit ein einfacher Weg, deine Füße im Alltag ganz nebenbei zu stärken.[15]

Aus der Übersichtsarbeit von Maxwell und Jane Barnish lässt sich eine einfache Orientierung für deine Schuhauswahl ableiten. Gut tun deinen Füßen Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen, einem flachen oder nur leicht erhöhten Absatz und einem sicheren Halt am Fuß. Wenn du zu Minimalschuhen wechseln möchtest, beginne mit kurzen Strecken und steigere die Tragedauer über mehrere Wochen. Barfußgehen auf Rasen oder Sand ist außerdem eine wunderbare Massage für deine Fußsohlen. Mit jedem Schritt stärkst du so das Fundament, auf dem deine ganze Haltung ruht.[13]

Möchtest du deinen Füßen mehr Bewegungsfreiheit schenken und ihre Muskulatur stärken? Barfußschuhe bieten eine flexible, dünne Sohle, viel Zehenfreiheit und keinen erhöhten Absatz. Für Männer empfehle ich die HOBIBEAR Unisex Retro Barfußschuhe mit breiter Zehenbox*, für Frauen die SKFLABOOF Barfuß-Wasserschuhe* und für Kinder die AONETIGER Kinder-Barfußschuhe mit breiter Zehenbox*. Alle drei Modelle ermöglichen ein natürlicheres Laufgefühl und geben den Zehen mehr Platz. Gewöhne deine Füße langsam daran und steigere die Tragezeit schrittweise, damit sich Muskeln und Sehnen an die neue Belastung anpassen können.

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Erholsamer Schlaf für Rücken und Nacken

Die passende Unterlage für deine Nacht

Der spanische Arzt Francisco Kovacs hat in einer großen, doppelt verblindeten Studie im Fachjournal The Lancet 313 Erwachsene mit chronischen Rückenschmerzen begleitet. Die Teilnehmenden schliefen 90 Tage lang entweder auf einer festen oder auf einer mittelfesten Matratze, ohne zu wissen, welche sie bekommen hatten. Auf der mittelfesten Matratze besserten sich die Schmerzen im Bett und die Einschränkungen im Alltag deutlich häufiger. Besonders beim Aufstehen am Morgen spürten die Teilnehmenden im Studienverlauf weniger Schmerzen. Eine mittelfeste Matratze, die deinen Körper stützt und zugleich nachgibt, ist damit eine wohltuende Wahl für deinen Rücken.[16]

Auch dein Kopfkissen spielt eine wichtige Rolle. Ein australisches Forschungsteam um Susan Gordon ließ 106 Seitenschläferinnen und Seitenschläfer jeweils eine Woche lang auf verschiedenen Kissen schlafen, darunter Kissen aus Latex, Schaumstoff, Polyester und Federn. Das Latexkissen schnitt am besten ab und führte zu weniger Nackenschmerzen beim Aufwachen, besserer Schlafqualität und mehr Komfort. Konturkissen aus Schaumstoff zeigten keinen zusätzlichen Vorteil gegenüber normal
geformten Kissen. Ein Kissen, das deinen Kopf in einer Linie mit deiner Wirbelsäule hält, schenkt deinem Nacken eine entspannte Nacht.[17]

Schlaf als stille Kraftquelle für deinen Körper

Die Schlaf- und Schmerzforscher Patrick Finan, Burel Goodin und Michael Smith haben die Forschung zum Zusammenhang zwischen Schlaf und Schmerz zusammengefasst. Große Langzeitstudien zeigen, dass ein erholsamer Schlaf das Risiko für neue und wiederkehrende Schmerzen deutlich senkt. Dabei beeinflusst der Schlaf den Schmerz stärker als umgekehrt. Guter Schlaf stärkt die körpereigenen Systeme, die Schmerzen dämpfen. Deine Nachtruhe ist damit eine der kraftvollsten Maßnahmen für einen entspannten Nacken und Rücken.[18]

Forschende der Oklahoma State University um Bert Jacobson haben 59 gesunde Erwachsene zunächst vier Wochen auf ihrem eigenen, mind. 5 Jahre alten Bett schlafen lassen. Danach schliefen sie vier Wochen auf einem neuen, mittelfesten Bettsystem. Mit dem neuen Bett gingen Rückenbeschwerden und Steifigkeit am Morgen deutlich zurück, die Schlafqualität verbesserte sich und die Teilnehmenden fühlten sich weniger gestresst. Eine neue, mittelfeste Unterlage trägt also spürbar zu deiner Erholung bei. Wenn deine Matratze schon viele Jahre alt ist und du morgens verspannt aufwachst, lohnt sich ein prüfender Blick.[19]

Dein Plan für eine leichte, aufrechte Haltung

In der 1. und 2. Wochen baust du dir eine kleine Kraftroutine für Nacken und Schultern auf. Nimm ein Trainingsband und mache täglich zwei Minuten seitliches Armheben, so wie in der dänischen Studie von Lars Andersen. Steigere den Widerstand, sobald dir die Übung leichtfällt. Ergänze die Übung an zwei bis drei Tagen pro Woche mit Schulterheben und Rudern. In der Studie zeigte sich nach zehn Wochen bereits eine deutliche Entlastung für Nacken und Schultern.[10]

In der 3. und 4. Woche bringst du mehr Abwechslung in dein Sitzen. Wechsle bei der Arbeit regelmäßig zwischen Sitzen und Stehen, z.B. bei Telefonaten oder beim Lesen, so wie es der Cochrane-Review zu höhenverstellbaren Tischen nahelegt. Hebe dein Smartphone beim Schreiben näher an deine Augenhöhe und lege nach jeder längeren Bildschirmphase eine kurze Bewegungspause ein. Abends schenkst du dir ein paar Minuten für Wadendehnung und einen Spaziergang in bequemen, flexiblen Schuhen. So wird Bewegung zu einem selbstverständlichen Teil deines Tages.[8]

Ab der 5. Woche verbindest du alle Bausteine und achtest zusätzlich auf deine
Stimmung. Richte dich in fordernden Momenten bewusst auf, öffne deine Schultern und
atme tief durch, denn die Studie aus Auckland zeigt, wie sehr eine aufrechte Haltung dein Selbstwertgefühl und deine Stimmung stärkt. Prüfe außerdem Matratze und Kopfkissen
und gönne dir feste Schlafenszeiten. Nach zwei bis drei Monaten sind diese kleinen
Rituale ein ganz natürlicher Teil deines Lebens. Deine Haltung wird so zu einem Ausdruck
von Kraft, Beweglichkeit und Lebensfreude. [3]

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Fazit

Eine gute Haltung ist ein lebendiges Zusammenspiel aus Abwechslung, Kraft und Erholung und deine beste Haltung ist immer die nächste. Ein bewusstes Aufrichten hebt deine Stimmung und stärkt dein Selbstwertgefühl in fordernden Momenten. Beim Smartphone entlastest du deinen Nacken, wenn du das Gerät näher an deine Augenhöhe bringst und zwischendurch den Blick hebst, und kurze, häufige Bewegungspausen sowie der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen beleben deinen Arbeitstag. Schon zwei Minuten tägliches Krafttraining mit einem Trainingsband entlasten Nacken und Schultern und regelmäßige Bewegung schützt deinen Rücken. Flexible, flache Schuhe stärken deine Füße und eine mittelfeste Matratze, ein stützendes Kissen und erholsamer Schlaf schenken deinem Körper nächtliche Regeneration.

Du beginnst am besten mit einem einzigen Baustein, der sich für dich leicht anfühlt, z.B. mit den zwei Minuten am Trainingsband oder einer Stehpause bei jedem Telefonat. Woche für Woche fügst du einen weiteren kleinen Schritt hinzu, bis sich alles zu einer natürlichen Routine verbindet. Dein Körper reagiert erstaunlich schnell auf Bewegung und Kraft, wie die Studien mit Trainingsband und Minimalschuhen zeigen. Richte dich zwischendurch bewusst auf und genieße das Gefühl von Weite in deiner Brust. So wird deine Haltung zu einem Ausdruck deiner inneren Stärke und Lebensfreude.

Quellen

[1] Slater D, Korakakis V, O’Sullivan P, Nolan D, O’Sullivan K. „Sit up straight“ – time to reevaluate. Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy 2019, 49(8), 562–564.

[2] Richards KV, Beales DJ, Smith AJ, O’Sullivan PB, Straker LM. Neck posture clusters and their association with biopsychosocial factors and neck pain in Australian adolescents. Physical Therapy 2016, 96(10), 1576–1587.

[3] Nair S, Sagar M, Sollers J, Consedine N, Broadbent E. Do slumped and upright postures affect stress responses? A randomized trial. Health Psychology 2015, 34(6), 632–641.

[4] Wilkes C, Kydd R, Sagar M, Broadbent E. Upright posture improves affect and fatigue in people with depressive symptoms. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry 2017, 54, 143–149.

[5] Hansraj KK. Assessment of stresses in the cervical spine caused by posture and position of the head. Surgical Technology International 2014, 25, 277–279.

[6] Lee S, Kang H, Shin G. Head flexion angle while using a smartphone. Ergonomics 2015, 58(2), 220–226.

[7] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). DGUV Information 215-410 Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, Leitfaden für die Gestaltung. Berlin, Ausgabe September 2015.

[8] Shrestha N, Verbeek JH et al. Workplace interventions for reducing sitting at work. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, CD010912.pub4.

[9] Andersen LL et al. Effect of two contrasting types of physical exercise on chronic neck muscle pain. Arthritis and Rheumatism 2008, 59(1), 84–91.

[10] Andersen LL, Saervoll CA, Mortensen OS, Poulsen OM, Hannerz H, Zebis MK. Effectiveness of small daily amounts of progressive resistance training for frequent neck/shoulder pain – randomised controlled trial. Pain 2011, 152(2), 440–446.

[11] Steffens D, Maher CG, Pereira LSM et al. Prevention of low back pain – a systematic review and meta-analysis. JAMA Internal Medicine 2016, 176(2), 199–208.

[12] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz Langfassung. 2. Auflage, 2017.

[13] Barnish MS, Barnish J. High-heeled shoes and musculoskeletal injuries – a narrative systematic review. BMJ Open 2016, 6(1), e010053.

[14] Csapo R, Maganaris CN, Seynnes OR, Narici MV. On muscle, tendon and high heels. Journal of Experimental Biology 2010, 213(15), 2582–2588.

[15] Ridge ST, Olsen MT, Bruening DA et al. Walking in minimalist shoes is effective for strengthening foot muscles. Medicine and Science in Sports and Exercise 2019, 51(1), 104–113.

[16] Kovacs FM, Abraira V, Peña A et al. Effect of firmness of mattress on chronic non specific low-back pain – randomised, double-blind, controlled, multicentre trial. The Lancet 2003, 362(9396), 1599–1604.

[17] Gordon SJ, Grimmer-Somers K, Trott P. Pillow use – the behaviour of cervical pain, sleep quality and pillow comfort in side sleepers. Manual Therapy 2009, 14(6), 671–678.

[18] Finan PH, Goodin BR, Smith MT. The association of sleep and pain – an update and a path forward. Journal of Pain 2013, 14(12), 1539–1552.

[19] Jacobson BH, Boolani A, Smith DB. Changes in back pain, sleep quality, and perceived stress after introduction of new bedding systems. Journal of Chiropractic Medicine 2009, 8(1), 1–8.


Medizinischer Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

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