Erkältung und verschleimte Atemwege: Was bei Schnupfen, Husten und Schleim sinnvoll ist

Erkältung und verschleimte Atemwege: Was bei Schnupfen, Husten und Schleim sinnvoll ist

Erkältungen gehören zu den häufigsten Infekten überhaupt. Typisch sind Schnupfen, Husten, Druck im Kopf und das Gefühl, dass sich zäher Schleim in Nase, Nebenhöhlen oder Bronchien festsetzt. Vieles bessert sich von selbst innerhalb von ein bis zwei Wochen. Trotzdem ist nicht jede Maßnahme gleich sinnvoll: Manche Mittel lindern Beschwerden nachweislich, andere werden oft empfohlen, sind aber wissenschaftlich nur schwach belegt. Dieser Artikel erklärt, was hinter Schleim und Husten steckt, welche Selbsthilfemaßnahmen sinnvoll sein können, wann Medikamente helfen und bei welchen Warnzeichen ärztlicher Rat wichtig ist.

Was bei einer Erkältung im Körper passiert

Eine Erkältung ist meist eine Infektion der oberen Atemwege durch Viren, zum Beispiel Rhinoviren. Antibiotika helfen dagegen nicht, weil sie nur gegen Bakterien wirken. Die Beschwerden entstehen zum Teil durch die Viren selbst, vor allem aber durch die Abwehrreaktion des Körpers: Die Schleimhäute schwellen an, bilden mehr Sekret und werden empfindlicher.[1][2]

Schleim ist dabei nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Er befeuchtet die Atemwege und bindet Krankheitserreger sowie Staub. Kleine Flimmerhärchen auf der Schleimhaut transportieren das Sekret normalerweise in Richtung Rachen. Bei einem Infekt funktioniert diese Reinigung schlechter. Gleichzeitig wird der Schleim oft dickflüssiger. Dann fühlt sich alles „verschleimt“ an.[2][3]

Was die Farbe des Schleims bedeutet

Klarer oder weißlicher Schleim ist bei Erkältungen häufig. Gelber oder grüner Schleim bedeutet nicht automatisch, dass Bakterien die Ursache sind oder dass Antibiotika nötig sind. Die Farbe kann sich auch durch Abwehrzellen verändern, die im Sekret enthalten sind. Allein an der Schleimfarbe lässt sich daher nicht sicher erkennen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt.[4]

Schnupfen, Husten, Schleim: was typischerweise wann kommt

Zu Beginn stehen oft Halskratzen, Niesen und laufende Nase im Vordergrund. Später wird das Nasensekret zäher, die Nase fühlt sich verstopft an und Husten kommt hinzu. Ein Erkältungshusten kann noch länger anhalten, obwohl der eigentliche Infekt schon abklingt. Das liegt daran, dass die Schleimhäute noch gereizt sind und Hustenrezeptoren empfindlicher reagieren.[1][5]

Beschwerde Häufige Ursache Was oft hilft
Verstopfte Nase Geschwollene Schleimhaut, mehr Sekret Kochsalzlösung, kurzzeitig abschwellendes Nasenspray
Zäher Schleim Dickflüssigeres Sekret, langsamere Reinigung Ausreichend trinken, feuchte Luft, Nasenspülung
Reizhusten Gereizte Atemwege Honig, warme Getränke, Rauch meiden
Produktiver Husten Schleim in den Bronchien Flüssigkeit, Bewegung nach Verträglichkeit, Geduld

Was bei verschleimten Atemwegen sinnvoll ist

Genug trinken

Ausreichend zu trinken ist sinnvoll, vor allem bei Fieber oder wenn man durch den Mund atmet und Schleimhäute austrocknen. Sehr harte Belege dafür, dass viel Trinken Schleim messbar „verflüssigt“, sind begrenzt. Trotzdem ist eine gute Flüssigkeitszufuhr praktisch wichtig, weil trockene Schleimhäute Beschwerden verstärken können. Mehr als der Körper verlangt, ist aber nicht nötig.[5][6]

Kochsalzlösung und Nasenspülung

Nasensprays oder Spülungen mit Kochsalzlösung können Sekret lösen und die Nasenschleimhaut befeuchten. Bei akuten Infekten empfinden viele Menschen dadurch weniger Verstopfung und weniger Druck. Die Wirkung ist eher unterstützend als stark, aber das Verfahren ist bei korrekter Anwendung meist gut verträglich.[7]

Wichtig ist die Hygiene: Für Nasenduschen sollte nur keimarmes Wasser verwendet werden, also abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser oder steril abgepacktes Wasser. So lässt sich vermeiden, dass Keime in die Nase gelangen.[7]

Feuchte Luft und Inhalation

Viele Menschen empfinden warme, feuchte Luft als angenehm. Wissenschaftlich ist der Nutzen von Dampfinhalation bei Erkältung aber nur begrenzt gesichert. Sie kann subjektiv erleichtern, löst das Problem jedoch nicht zuverlässig. Bei heißem Wasserdampf besteht zudem Verbrühungsgefahr, besonders bei Kindern. Sicherer sind isotonische Kochsalzlösungen für geeignete Inhalationsgeräte.[5][8]

Honig bei Husten

Für Honig gibt es vergleichsweise gute Hinweise bei akuten Infekten der oberen Atemwege. Systematische Auswertungen zeigen, dass Honig Hustenhäufigkeit und Hustenschwere etwas verringern kann, vor allem abends. Er ist damit eine sinnvolle Option bei Reizhusten, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Für Kinder unter 12 Monaten ist Honig nicht geeignet, weil er selten Sporen enthalten kann, die bei Säuglingen schweren Botulismus auslösen können.[9]

Ruhe, Schlaf und Rauchverzicht

Schlafmangel belastet das Immunsystem, und Tabakrauch reizt die Schleimhäute zusätzlich. Rauchen und Passivrauchen verschlechtern die natürliche Selbstreinigung der Atemwege. Wer erkältet ist, profitiert deshalb von Ruhe, ausreichend Schlaf und möglichst rauchfreier Umgebung.[2][3]

Welche Medikamente helfen können

Abschwellende Nasensprays

Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin können die Nasenatmung rasch verbessern. Sie verkleinern die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut, dadurch schwillt das Gewebe ab. Das hilft oft spürbar, vor allem nachts. Wichtig ist die kurze Anwendung: in der Regel nicht länger als wenige Tage, meist maximal 5 bis 7 Tage. Sonst droht ein Gewöhnungseffekt mit anhaltend verstopfter Nase nach dem Absetzen.[10]

Schmerzmittel bei Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen

Paracetamol oder Ibuprofen können Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen lindern. Sie bekämpfen nicht die Ursache des Infekts, verbessern aber oft das Befinden. Menschen mit Magenproblemen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Asthma oder bestimmten Medikamenten sollten vor der Einnahme die Packungsbeilage beachten oder ärztlichen Rat einholen.[5][11]

Hustenlöser und Schleimlöser

Mittel wie Acetylcystein, Ambroxol oder Guaifenesin sollen Schleim dünnflüssiger machen oder das Abhusten erleichtern. Die wissenschaftliche Lage bei gewöhnlicher Erkältung ist jedoch nicht besonders stark. Einige Menschen berichten über Besserung, aber hochwertige Studien zeigen keinen klaren, großen Nutzen für alle Betroffenen. Solche Mittel können versucht werden, sind aber kein Muss.[5][12]

Hustenstiller

Hustenstiller können bei quälendem trockenem Husten vorübergehend sinnvoll sein, besonders nachts. Sie sind eher für Reizhusten gedacht, nicht für starken produktiven Husten mit viel Schleim. Denn Husten ist auch ein Schutzmechanismus, der Sekret aus den Atemwegen befördert. Welche Mittel geeignet sind, hängt vom Alter und von Begleiterkrankungen ab.[5][11]

Was oft empfohlen wird, aber nur begrenzt belegt ist

Vitamin C

Vitamin C verhindert Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung nach heutigem Stand nicht zuverlässig. Regelmäßige Einnahme kann die Dauer einer Erkältung im Durchschnitt leicht verkürzen, meist um einen kleinen Betrag. Wenn man erst mit Beginn der Symptome startet, ist ein klarer Nutzen nicht gut belegt.[13]

Zink

Für Zink gibt es Hinweise, dass es die Dauer von Erkältungssymptomen verkürzen könnte, wenn es sehr früh nach Symptombeginn eingenommen wird. Die Studien sind aber uneinheitlich. Außerdem können Übelkeit, unangenehmer Geschmack und andere Nebenwirkungen auftreten. Nasal angewendete Zinkpräparate werden wegen Berichten über Riechstörungen kritisch gesehen.[14]

Pflanzliche Mittel

Zu Efeu, Thymian, Pelargonium oder Kombinationen aus pflanzlichen Stoffen gibt es einzelne Studien, teils mit positiven Ergebnissen. Die Qualität und Vergleichbarkeit der Studien ist aber oft begrenzt. Deshalb lässt sich für viele Präparate kein einheitlich gesicherter Nutzen ableiten. Pflanzlich bedeutet außerdem nicht automatisch nebenwirkungsfrei.[5][15]

Was nicht sinnvoll ist

Antibiotika helfen bei einer gewöhnlichen viralen Erkältung nicht. Sie verkürzen weder den Schnupfen noch lösen sie verschleimte Atemwege bei einem Virusinfekt. Unnötige Antibiotika können Nebenwirkungen auslösen und fördern Resistenzen. Resistenzen bedeuten, dass Bakterien später unempfindlich gegen Antibiotika werden.[1][16]

Auch sehr viele gleichzeitig verwendete Erkältungsmittel sind selten sinnvoll. Kombinationspräparate können Wirkstoffe doppelt enthalten, zum Beispiel gegen Schmerzen und Fieber. Das erhöht das Risiko für Überdosierungen oder Wechselwirkungen, ohne den Nutzen klar zu steigern.[11]

Wann ärztlicher Rat wichtig ist

Die meisten Erkältungen gehen ohne Komplikationen vorbei. Ärztlich abgeklärt werden sollten jedoch Luftnot, Brustschmerzen, hohes oder lang anhaltendes Fieber, blutiger Auswurf, starke einseitige Gesichtsschmerzen, deutliche Verschlechterung nach anfänglicher Besserung oder Beschwerden, die ungewöhnlich lange anhalten. Das gilt besonders für Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit Asthma, COPD, Herzschwäche oder geschwächtem Immunsystem.[1][5][17]

Praktische Einordnung: was gut belegt ist und was eher optional bleibt

  1. Gut belegt zur Linderung von Beschwerden sind Ruhe, ausreichende Flüssigkeit nach Bedarf, kurzzeitig abschwellende Nasensprays bei starker Verstopfung, Schmerzmittel bei Bedarf und Honig bei Husten.[5][9][10][11]
  2. Als unterstützend sinnvoll gelten Kochsalzlösung für Nase oder Nasendusche und das Meiden von Rauch. Der Nutzen ist meist eher moderat, aber die Maßnahmen sind bei richtiger Anwendung oft vernünftig.[3][7]
  3. Nur begrenzt oder uneinheitlich belegt sind viele Schleimlöser, Vitamin C nach Symptombeginn, Zink und verschiedene pflanzliche Präparate. Sie können im Einzelfall hilfreich wirken, sind aber keine gesicherte Standardlösung.[12][13][14][15]

Fazit

Bei Erkältung und verschleimten Atemwegen ist Schleim Teil der natürlichen Abwehr und nicht automatisch ein Zeichen für eine bakterielle Infektion. Sinnvoll sind vor allem einfache Maßnahmen: ausreichend trinken nach Bedarf, die Schleimhäute feucht halten, kurzzeitig abschwellende Nasensprays bei starker Verstopfung und Honig bei Husten. Viele andere Mittel werden häufig genutzt, ihr Nutzen ist aber oft nur begrenzt belegt. Wichtig ist, Warnzeichen wie Luftnot, hohes Fieber oder anhaltende starke Beschwerden ernst zu nehmen.

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. S3-Leitlinie Husten, Langfassung. AWMF-Register-Nr. 053-013.

[2] Eccles R. Understanding the symptoms of the common cold and influenza. Lancet Infect Dis. 2005;5(11):718-725. DOI: 10.1016/S1473-3099(05)70270-X.

[3] Rubin BK. Physiology of airway mucus clearance. Respir Care. 2002;47(7):761-768. PubMed: 12088546.

[4] Heikkinen T, Järvinen A. The common cold. Lancet. 2003;361(9351):51-59. DOI: 10.1016/S0140-6736(03)12162-9.

[5] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Erkältung: Überblick und Behandlungsmöglichkeiten. Gesundheitsinformation.de.

[6] Guppy MPB, Mickan SM, Del Mar CB, Thorning S, Rack A. Advising patients to increase fluid intake for treating acute respiratory infections. Cochrane Database Syst Rev. 2011;(2):CD004419. DOI: 10.1002/14651858.CD004419.pub3.

[7] Kassel JC, King D, Spurling GKP. Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(3):CD006821. DOI: 10.1002/14651858.CD006821.pub2.

[8] Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A. Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2017;8(8):CD001728. DOI: 10.1002/14651858.CD001728.pub5.

[9] Abuelgasim H, Albury C, Lee J. Effectiveness of honey for symptomatic relief in upper respiratory tract infections: a systematic review and meta-analysis. BMJ Evid Based Med. 2021;26(2):57-64. DOI: 10.1136/bmjebm-2020-111336.

[10] Deckx L, De Sutter AIM, Guo L, Mir N, van Driel ML. Nasal decongestants in monotherapy for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2016;10(10):CD009612. DOI: 10.1002/14651858.CD009612.pub2.

[11] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Informationen zur sicheren Anwendung von Schmerz- und Erkältungsmitteln.

[12] Smith SM, Schroeder K, Fahey T. Over-the-counter medications for acute cough in children and adults in community settings. Cochrane Database Syst Rev. 2014;(11):CD001831. DOI: 10.1002/14651858.CD001831.pub5.

[13] Hemilä H, Chalker E. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(1):CD000980. DOI: 10.1002/14651858.CD000980.pub4.

[14] Science M, Johnstone J, Roth DE, Guyatt G, Loeb M. Zinc for the treatment of the common cold: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. CMAJ. 2012;184(10):E551-E561. DOI: 10.1503/cmaj.111990.

[15] Timmer A, Günther J, Motschall E, Rücker G, Antes G, Kern WV. Pelargonium sidoides extract for treating acute respiratory tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(10):CD006323. DOI: 10.1002/14651858.CD006323.pub3.

[16] Kenealy T, Arroll B. Antibiotics for the common cold and acute purulent rhinitis. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(6):CD000247. DOI: 10.1002/14651858.CD000247.pub3.

[17] Robert Koch-Institut. Informationen zu akuten Atemwegsinfektionen und Warnzeichen für schwere Verläufe.


Medizinischer Hinweis

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