Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Du wachst morgens auf und bist schon müde, bevor der Tag begonnen hat. Dinge, die dir früher leichtfielen, kosten plötzlich enorm viel Kraft und selbst ein freies Wochenende füllt deinen Akku kaum noch auf. Du funktionierst weiter, weil sich alle auf dich verlassen, und irgendwo in dir wächst die leise Frage, wie lange das noch gut geht.
Burnout ist längst mehr als ein Modewort. Es beschreibt einen Zustand tiefer Erschöpfung, der sich oft über Monate oder Jahre aufbaut und besonders häufig Menschen trifft, die engagiert, zuverlässig und hilfsbereit sind. Ich habe diesen Weg selbst erlebt und weiß, wie verwirrend es ist, wenn Körper und Kopf gleichzeitig streiken. Die gute Nachricht lautet, dass Erschöpfung verstehbar ist. Wer versteht, wie sie entsteht, findet auch den Weg zurück zur eigenen Kraft.
In diesem Artikel erfährst du, was hinter dem Begriff Burnout steckt und woran Fachleute ihn erkennen. Du lernst, welche äußeren Belastungen und inneren Antreiber zusammenwirken, wenn Menschen ausbrennen. Danach schauen wir uns an, was Dauerstress in deinem Körper und in deinem Gehirn bewirkt und welche frühen Warnzeichen du ernst nehmen solltest. Zum Schluss erfährst du, welche Wege laut Forschung helfen, deine Kraft Schritt für Schritt zurückzuholen.
Was hinter dem Wort Burnout steckt
Ein Begriff aus den Helferberufen
Der Begriff Burnout stammt aus den 1970er-Jahren. Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger arbeitete damals ehrenamtlich in einer freien Klinik in New York und beobachtete bei engagierten Helferinnen und Helfern, und auch bei sich selbst, einen schleichenden Verlust von Energie und Begeisterung. Er beschrieb Erschöpfung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafprobleme und eine wachsende innere Distanz zu einer Arbeit, die einst mit so viel Herz begonnen hatte. Für diesen Zustand wählte er das Bild des Ausbrennens. Es passt bis heute, denn von außen wirkt vieles noch intakt, während innen die Kraft fehlt. [1]
Heute betrifft Erschöpfung Menschen in allen Berufen und Lebenslagen. In der großen Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts gaben 1,5% der Erwachsenen in Deutschland an, dass ein Arzt oder Psychotherapeut bei ihnen in den letzten zwölf Monaten ein Burnout-Syndrom festgestellt hatte. Diese Zahl erfasst nur die Menschen, bei denen eine Fachperson die Erschöpfung ausdrücklich benannt hat. Hinter jeder dieser Feststellungen steht ein Mensch, der lange funktioniert hat. Du bist mit deiner Müdigkeit also in großer Gesellschaft.[2]
Drei Gesichter der Erschöpfung
Die Psychologin Christina Maslach hat Burnout über Jahrzehnte erforscht und beschreibt es als Reaktion auf anhaltende Belastungen im Arbeitsleben. Sie unterscheidet drei Dimensionen, die sich gegenseitig verstärken. Im Zentrum steht eine tiefe Erschöpfung, die sich körperlich und emotional zeigt. Dazu kommen eine zunehmende innere Distanz, oft als Zynismus gegenüber Arbeit und Menschen erlebt, und das Gefühl, kaum noch etwas zu bewirken. Diese Mischung erklärt, warum Burnout weit über die Müdigkeit nach einer anstrengenden Woche hinausgeht.[3]
Wilmar Schaufeli und sein Forschungsteam entwickelten dieses Verständnis von Burnout 2020 mit einem neuen Fragebogen, dem Burnout Assessment Tool, weiter. Sie beschreiben vier Kernsymptome, nämlich Erschöpfung, mentale Distanz, eine Beeinträchtigung von Konzentration und Gedächtnis sowie eine eingeschränkte Kontrolle über die eigenen Gefühle. Begleitend treten häufig seelische Belastung und körperliche Beschwerden auf, z.B. Kopfschmerzen, Verspannungen oder Magenprobleme. Damit rückt in den Blick, dass Kopf und Gefühlswelt deutlich mitbetroffen sind. Wer plötzlich vergesslich wird oder schneller traurig und wütend reagiert, erlebt also typische Zeichen.[4]
Burnout, Depression und gewöhnliche Müdigkeit
In der in Deutschland gültigen Klassifikation von Krankheiten ist Burnout keine eigenständige Diagnose. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde beschreibt es als Risikozustand, aus dem sich Erkrankungen wie eine Depression, ein Alkoholmissbrauch oder Bluthochdruck entwickeln können. Umgekehrt kann eine anhaltende Erschöpfung auch ein frühes Zeichen anderer Erkrankungen sein. Deshalb empfiehlt die Fachgesellschaft eine gründliche ärztliche Untersuchung. So erhältst du Klarheit darüber, was deine Erschöpfung wirklich braucht.[5]
Besonders eng ist die Verbindung zwischen Burnout und Depression. Eine Übersichtsarbeit von Renzo Bianchi und Kollegen zeigt, dass sich beide Zustände in ihren Symptomen stark überschneiden, z.B. bei Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Schlafproblemen. Wie klar sich beide voneinander trennen lassen, wird in der Forschung weiterhin diskutiert. Für dich zählt v.a., deine Beschwerden ernst zu nehmen und dir rechtzeitig Unterstützung zu holen. Eine Fachperson hilft dir herauszufinden, welche Behandlung zu dir passt.[6]
Möchtest du besser verstehen, wie Burnout entsteht und was du gegen anhaltende Erschöpfung tun kannst? In Das Burnout-Syndrom von Matthias Burisch* erfährst du, welche Ursachen und Warnsignale hinter einem Burnout stecken können. Ich empfehle dir dieses fundierte Fachbuch, weil der renommierte Burnout-Forscher wissenschaftliche Erkenntnisse mit anschaulichen Fallbeispielen und praktischen Hilfen zur Selbsthilfe verbindet. So kannst du eigene Belastungsmuster leichter erkennen, deine Situation besser einordnen und herausfinden, welche Veränderungen dir helfen können, wieder mehr Kraft und Lebensqualität zu gewinnen.
→ Das Burnout-Syndrom – Matthias Burisch bei Amazon ansehen*
Wie Erschöpfung entsteht
Wenn Anforderungen die Kraftquellen übersteigen
Das Modell der Arbeitsanforderungen und Ressourcen von Arnold Bakker und Evangelia Demerouti erklärt anschaulich, wie Erschöpfung entsteht. Jede Tätigkeit stellt Anforderungen, z.B. Zeitdruck, emotionale Belastung oder ständige Unterbrechungen. Gleichzeitig gibt es Ressourcen wie Handlungsspielraum, Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen oder anerkennendes Feedback. Hohe Anforderungen ohne ausreichende Ressourcen zehren auf Dauer an der Gesundheit und führen in die Erschöpfung. Ressourcen wirken dagegen wie ein Puffer und schenken Motivation und Engagement.[7]
Der Psychologe Stevan Hobfoll beschreibt Stress als Folge davon, dass wertvolle Ressourcen bedroht sind oder verloren gehen. Dazu zählen z.B. Zeit, Energie, Gesundheit, Beziehungen oder das Gefühl von Sicherheit. Besonders belastend ist es, wenn wir viel investieren und am Ende kaum etwas zurückkommt. Wer bereits wenig Ressourcen hat, ist dabei besonders verletzlich, weil ihm Reserven zum Ausgleich fehlen. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Kraftquellen bewusst zu schützen, lange bevor sie erschöpft sind.[8]
Viel geben und wenig zurückbekommen
Der Medizinsoziologe Johannes Siegrist hat ein Modell entwickelt, das vielen Burnout-Betroffenen aus der Seele spricht. Gesundheitlich riskant wird es demnach, wenn hohe Verausgabung auf geringe Belohnung trifft. Belohnung meint dabei Geld, Wertschätzung sowie berufliche Sicherheit und Aufstiegschancen. Wer zusätzlich innerlich stark verausgabungsbereit ist, also kaum abschalten kann und immer mehr geben möchte, trägt ein noch höheres Risiko. Dieses Ungleichgewicht zu erkennen, ist ein wichtiger erster Schritt zurück zu dir.[9]
Wie verbreitet starker Dauerstress ist, zeigen Daten des Robert Koch-Instituts. Von den befragten Erwachsenen bis 64 Jahre berichteten 13,9% der Frauen und 8,2% der Männer von einer starken chronischen Stressbelastung. Bei Menschen mit niedrigem sozialem Status lag der Anteil bei 17,3%, bei wenig sozialer Unterstützung sogar bei 26,2%. Wer stark belastet war, hatte deutlich häufiger depressive Symptome, ein Burnout-Syndrom und Schlafstörungen. Unterstützung durch andere Menschen gehört damit zu den wertvollsten Schutzfaktoren, die du hast.[10]
Die inneren Antreiber
Neben äußeren Belastungen beeinflusst auch deine innere Haltung, wie schnell du erschöpfst. Andrew Hill und Thomas Curran werteten 43 Studien mit fast 10.000 Teilnehmenden zum Zusammenhang zwischen Perfektionismus und Burnout aus. Besonders die Angst vor Fehlern, ständige Selbstkritik und das Gefühl, nie gut genug zu sein, waren mit einem höheren Burnout-Risiko verbunden. Hohe Ansprüche allein zeigten dagegen kaum einen Zusammenhang. Entscheidend ist dein innerer Antrieb. Handelst du aus Überzeugung und Freude, fällt es dir leichter, deine Grenzen zu achten. Versuchst du hingegen, dir durch Leistung, Anerkennung und Wertschätzung zu verdienen, übergehst du leichter deine Bedürfnisse und riskierst dauerhafte Überforderung.[11]
Schon Herbert Freudenberger fiel auf, wer besonders gefährdet ist. Er beobachtete, dass gerade engagierte und hingebungsvolle Menschen ausbrannten, die sich mit viel Idealismus für andere einsetzten. Sie spürten den Druck von außen und zugleich den Wunsch in sich selbst, immer mehr zu geben. Wer so viel Herz in seine Aufgaben legt, braucht deshalb umso mehr Achtsamkeit für die eigenen Grenzen. Deine Hingabe ist eine Stärke und sie verdient einen liebevollen Rahmen.[1]
Möchtest du besser mit Stress umgehen und auch in herausfordernden Situationen gelassener bleiben? In Gelassen und sicher im Stress von Gert Kaluza* erfährst du, wie Stress entsteht und welche Gedanken und Gewohnheiten ihn verstärken können. Ich empfehle dir diesen bewährten Ratgeber, weil er wissenschaftlich fundiertes Wissen mit praktischen Übungen und Selbsttests verbindet. So lernst du, deine persönlichen Stressauslöser besser zu erkennen, belastende Denkmuster zu verändern und Schritt für Schritt mehr Ruhe und Gelassenheit in deinen Alltag zu bringen.
→ Gelassen und sicher im Stress – Gert Kaluza bei Amazon ansehen*
Was Dauerstress in Körper und Gehirn bewirkt
Das Stresssystem im Dauerbetrieb
Dein Körper ist für kurze Stressphasen hervorragend gerüstet. Der Neurowissenschaftler Bruce McEwen beschreibt, wie Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin dich in fordernden Momenten schützen, indem sie Energie bereitstellen und dich wach machen. Problematisch wird es, wenn das System dauerhaft aktiviert bleibt oder nach einer Belastung nicht mehr richtig abschaltet. Dann entsteht eine allostatische Last, eine Art Verschleiß, der Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Immunsystem und Gehirn belastet. Erholung ist deshalb für deinen Körper ebenso lebenswichtig wie Leistung.[12]
Wie sich Dauerstress im Hormonhaushalt zeigt, untersuchten Mirjam Söderström und Kollegen in Schweden. Menschen mit hohen Burnout-Werten hatten an Arbeitstagen nach dem Aufwachen höhere Cortisolwerte als am Wochenende. Wer nachts häufiger kurz aufwachte, zeigte an Arbeitstagen zudem einen früheren Höhepunkt und stärkere Schwankungen des Cortisols im Tagesverlauf. Der Körper bleibt also auch nachts in Alarmbereitschaft, sobald der Arbeitstag ruft. Ruhige Nächte und echte Pausen helfen deinem Stresssystem, wieder in seinen natürlichen Rhythmus zu finden.[13]
Spuren in Herz, Schlaf und Körper
Eine Übersichtsarbeit von Denise Salvagioni und Kollegen untersuchte anhand von Langzeitstudien die gesundheitlichen Folgen von Burnout. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit Burnout im weiteren Verlauf häufiger erhöhte Cholesterinwerte, Typ-2- Diabetes, koronare Herzkrankheiten, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen sowie Magen-Darm- und Atemwegsbeschwerden entwickelten. Die Studie zeigt damit gesundheitliche Risiken im Zusammenhang mit Burnout. Auch Schlaflosigkeit und depressive Symptome traten bei Betroffenen später häufiger auf. Die Ergebnisse waren in den einzelnen Studien teils unterschiedlich, das Gesamtbild ist jedoch deutlich. Erschöpfung ist also ein Signal, das deinen ganzen Körper betrifft.[14]
Besonders gut untersucht ist die Verbindung zum Herzen. Eine Metaanalyse von Awena John und Kollegen aus dem Jahr 2024 fasste Daten von fast 27.000 Menschen zusammen. Burnout ging dort mit einem um ca. 21% erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Die Forschenden betonen, dass die Zahl der Studien noch begrenzt ist und weitere Langzeitdaten gebraucht werden. Gut für dein Herz ist alles, was dir echte Erholung schenkt.[15]
Auch dein Schlaf verändert sich, oft lange bevor du dich krank fühlst. In einer schwedischen Studie wachten junge Menschen mit hohen Burnout-Indikator-Werten nachts häufiger kurz auf als Gleichaltrige mit niedrigen Werten. Ihre Schläfrigkeit ließ zudem am Wochenende kaum nach. Wer trotz freier Tage erschöpft bleibt, erhält damit einen wichtigen Hinweis seines Körpers. Ein ruhiger Abend, feste Schlafenszeiten und ein sanftes Aufwachen sind wertvolle Bausteine für deine Regeneration.[16]
Was im Gehirn geschieht
Forschende des Karolinska-Instituts in Stockholm untersuchten 40 Menschen mit arbeitsbedingtem chronischem Stress und 70 Vergleichspersonen. Als die Teilnehmenden ihre Reaktion auf belastende Bilder bewusst herunterregulieren sollten, gelang das der gestressten Gruppe deutlich schlechter. Im Gehirn war der Mandelkern, ein Zentrum für Angst und Alarm, enger mit Bereichen für emotionale Belastung verbunden. Die Verbindung zum mittleren präfrontalen Kortex, der an der Steuerung von Gefühlen beteiligt ist, war dagegen schwächer. Wenn du dich im Burnout schneller aufregst oder ängstlicher bist, steckt dahinter also eine nachvollziehbare Veränderung.[17]
Auch Denken und Erinnern leiden unter Dauerstress. Im Burnout-Assessment-Tool gehört die Beeinträchtigung von Konzentration und Gedächtnis zu den Kernsymptomen. Betroffene berichten z.B., dass sie sich bei der Arbeit schlecht konzentrieren können, Dinge vergessen und Fehler machen, weil sie mit den Gedanken woanders sind. Diese Schwierigkeiten zeigen ein überlastetes System. Mit Ruhe, Schlaf und Entlastung schenkst du deinem Kopf genau die Bedingungen, die er zum Auftanken braucht.[4]
Möchtest du bei Burnout und anhaltender Erschöpfung wieder mehr innere Ruhe finden? In Zur Ruhe finden von Thich Nhat Hanh* zeigt dir der vietnamesische Zen-Meister, wie du mit einfachen Meditationen und Achtsamkeitsübungen aus dem ständigen Gedankenkarussell aussteigen kannst. Ich empfehle dir dieses Buch, weil es dir einen praktischen Zugang zur Entschleunigung bietet, ohne zusätzlichen Leistungsdruck aufzubauen. So lernst du, bewusst innezuhalten, Stress loszulassen und deinem Körper und Geist mehr Raum für Erholung zu geben.
→ Zur Ruhe finden – Thich Nhat Hanh bei Amazon ansehen*
Die Warnzeichen früh erkennen
Die leisen Signale am Anfang
Burnout entwickelt sich meist schleichend. Matthias Burisch beschreibt in seinem Standardwerk typische Symptomgruppen, die oft mit einem auffallend hohen Engagement beginnen. Betroffene arbeiten mehr, verzichten auf Pausen und stellen eigene Bedürfnisse zurück, während sich erste Erschöpfung zeigt. Später folgen ein Rückzug aus dem Engagement, emotionale Reaktionen wie Gereiztheit oder Schuldgefühle und schließlich ein Abbau von Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Je früher du diese Signale bemerkst, desto leichter findest du zurück in deine Balance.[18]
Christina Maslach und Michael Leiter zeigen, dass Burnout dort wahrscheinlicher wird, wo Mensch und Arbeitsumfeld nicht mehr zusammenpassen. Sie nennen sechs Bereiche, nämlich Arbeitsmenge, Kontrolle, Belohnung, Gemeinschaft, Fairness und Werte. Je stärker die Unstimmigkeit in diesen Bereichen, desto größer das Risiko. Ein wiederkehrendes Gefühl von Ungerechtigkeit oder der Eindruck, gegen die eigenen Werte zu arbeiten, ist deshalb ein ernstzunehmendes Warnsignal. Diese sechs Bereiche geben dir eine klare Landkarte, um deine eigene Situation zu betrachten.[3]
Wenn Erholung nicht mehr wirkt
Ein besonders deutliches Warnzeichen ist Müdigkeit, die sich durch freie Tage kaum noch bessert. In der schwedischen Schlafstudie aus „Spuren in Herz, Schlaf und Körper“ ließ die Schläfrigkeit von Menschen mit hohen Burnout-Indikator-Werten auch über das Wochenende kaum nach. Wer am Montag genauso erschöpft ist wie am Freitag, sollte dieses Signal ernst nehmen. Es zeigt, dass die gewohnten Erholungswege gerade nicht mehr ausreichen. Hier lohnt es sich, Pausen und Schlaf ganz bewusst neu zu gestalten. [16]
Die Arbeitspsychologin Sabine Sonnentag erforscht seit vielen Jahren, wie Menschen sich von der Arbeit erholen. Eine zentrale Rolle spielt das gedankliche Abschalten in der Freizeit, also die Fähigkeit, Aufgaben und Probleme der Arbeit innerlich ruhen zu lassen. Wer gut abschaltet, ist weniger erschöpft und zufriedener mit seinem Leben. Gerade bei hoher Belastung fällt das Abschalten jedoch schwerer und so verstärken sich Stress und Erschöpfung gegenseitig. Wenn deine Gedanken auch abends und im Urlaub um die Arbeit kreisen, braucht dein System dringend Entlastung.[19]
Möchtest du im stressigen Alltag bewusster auf dein Wohlbefinden achten und dir regelmäßig Zeit für dich nehmen? Mit dem BIROYAL 5-Minuten-Tagebuch* schaffst du dir morgens und abends einen kurzen Moment der Selbstreflexion. Ich empfehle dir dieses Tagebuch, weil du mit wenigen gezielten Fragen deine Gedanken, Gefühle und kleinen Erfolge festhalten kannst. Gerade zur Vorbeugung von Burnout kann es hilfreich sein, eigene Bedürfnisse und erste Anzeichen von Überlastung frühzeitig wahrzunehmen. So entwickelst du mehr Achtsamkeit für dich und deinen Alltag.
→ BIROYAL 5-Minuten-Tagebuch bei Amazon ansehen*
Wie du deine Kraft zurückholst
Den ersten Schritt gehen
Der Weg zurück beginnt damit, dich und deine Erschöpfung ernst zu nehmen. Die DGPPN rät, bei anhaltender Erschöpfung zunächst ärztlich abklären zu lassen, ob eine körperliche oder psychische Erkrankung dahintersteckt. Liegt z.B. eine Depression vor, stehen bewährte Therapien zur Verfügung. Diese Abklärung ist ein Akt der Selbstfürsorge und schenkt dir Sicherheit. Mit einer klaren Einschätzung wählst du gezielt die Unterstützung, die zu dir passt.[5]
Der Psychologe Gert Kaluza unterscheidet drei Wege, mit Stress umzugehen. Beim instrumentellen Weg veränderst du die Belastungen selbst, z.B. durch klare Absprachen, Grenzen oder eine andere Planung. Beim mentalen Weg prüfst du deine Einstellungen und inneren Antreiber und entwickelst förderliche Gedanken. Der regenerative Weg umfasst alles, was dich entspannt und auftanken lässt, von Bewegung über Hobbys bis zu Entspannungsübungen. Am kraftvollsten wirken die drei Wege, wenn sie zusammenspielen.[20]
Erholung neu lernen
Sabine Sonnentag und Charlotte Fritz haben vier Erfahrungen beschrieben, die Erholung ausmachen. Dazu gehören das gedankliche Abschalten von der Arbeit und die Entspannung, z.B. bei einem Spaziergang oder einem ruhigen Bad. Ebenso wertvoll sind Erlebnisse, bei denen du etwas Neues lernst oder dich einer Herausforderung stellst, die dir Freude macht. Die vierte Erfahrung ist Kontrolle, also selbst zu entscheiden, wie du deine freie Zeit gestaltest. Wenn du deine Pausen bewusst mit diesen vier Erfahrungen füllst, wird Erholung zu einer Fähigkeit, die du Schritt für Schritt stärkst.[21]
Auch Bewegung ist ein kraftvoller Begleiter. In einer Schweizer Pilotstudie trainierten zwölf Männer mit hohen Burnout-Indikator-Werten zwölf Wochen lang zwei- bis dreimal pro Woche ca. eine Stunde im Ausdauerbereich. Danach waren ihre emotionale Erschöpfung, ihre innere Distanz, ihr Stressempfinden und ihre depressiven Symptome deutlich gesunken. Sanfte, regelmäßige Bewegung, die dir guttut, ist ein wunderbarer Weg, um Spannung abzubauen.[22]
Was dir bei Burnout helfen kann
Eine Metaanalyse von Laurențiu Maricuțoiu und Kollegen untersuchte anhand kontrollierter Studien, wie wirksam verschiedene Maßnahmen gegen Burnout sind. Insgesamt zeigten sich kleine, aber messbare Verbesserungen, besonders bei emotionaler Erschöpfung. Entspannungsverfahren erzielten hier die größten Effekte, während kognitiv-verhaltenstherapeutische Programme ebenfalls positive, aber geringere Wirkungen zeigten. Die Verbesserungen hielten länger als sechs Monate an. Regelmäßige Entspannung kann dir somit helfen, deine Erschöpfung nachhaltig zu verringern. [23]
Gleichzeitig zeigt das Modell von Bakker und Demerouti, dass Erholung auch vom Umfeld abhängt. Ressourcen wie Handlungsspielraum, soziale Unterstützung und Anerkennung puffern Belastungen ab und stärken die Motivation. Gespräche mit Vorgesetzten über Arbeitsmenge und Prioritäten oder ein offener Austausch im Team schaffen solche Ressourcen. Deine Genesung ist damit eine gemeinsame Aufgabe von dir und deinem Umfeld. Du darfst dir dabei Unterstützung holen und sie annehmen.[7]
Möchtest du mit natürlichen Düften mehr Ruhe und Entspannung in deinen Alltag bringen? In Der Aromatherapie Duftkompass von Helena Winterberg* erfährst du, wie du ätherische Öle gezielt für dein Wohlbefinden nutzen kannst. Ich empfehle dir dieses Buch, weil es dir einen praktischen Einstieg in die Aromatherapie bietet und dir hilft, passende Düfte für deine Bedürfnisse zu finden. Gerade bei Stress und Erschöpfung können kleine Duftrituale dabei helfen, abzuschalten und bewusste Momente der Entspannung zu genießen.
→ Der Aromatherapie Duftkompass – Helena Winterberg bei Amazon ansehen*
Fazit
Burnout ist ein Zustand tiefer Erschöpfung, der sich schleichend aufbaut, wenn Anforderungen über lange Zeit die eigenen Kraftquellen übersteigen. Hohe Verausgabung bei wenig Anerkennung, fehlende Unterstützung und die sorgenvolle Seite des Perfektionismus verstärken diesen Prozess. Dauerstress hinterlässt Spuren im Hormonhaushalt, im Schlaf, im Herz-Kreislauf-System und im Gehirn, wo Konzentration und die Steuerung von Gefühlen leiden. Frühe Warnzeichen wie Müdigkeit, die am Wochenende kaum nachlässt, oder Gedanken, die abends weiter um die Arbeit kreisen, verdienen deshalb deine Aufmerksamkeit.
Gleichzeitig werden viele Wege zurück zur Kraft aufgezeigt. Eine ärztliche Abklärung schafft Klarheit und die drei Wege der Stressbewältigung helfen dir, Belastungen zu verändern, deine Haltung zu prüfen und gezielt aufzutanken. Abschalten, Entspannung, freudvolle Herausforderungen, Bewegung und die Unterstützung anderer Menschen stärken deine Erholung Schritt für Schritt. Deine Erschöpfung ist ein Ruf deiner Seele durch deinen Körper, und wenn du ihr und ihm zuhörst, beginnt genau hier dein Weg zurück zu dir.
Quellen
[1] Freudenberger HJ. Staff burn-out. Journal of Social Issues 1974, 30(1), 159–165.
[2] Bundesministerium für Gesundheit, Robert Koch-Institut. Gemeinsame Pressemitteilung zu den ersten Ergebnissen der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS). Berlin, 14.06.2012.
[3] Maslach C, Leiter MP. Understanding the burnout experience – recent research and its implications for psychiatry. World Psychiatry 2016, 15(2), 103–111.
[4] Schaufeli WB, De Witte H, Desart S. Burnout Assessment Tool (BAT) – development, validity, and reliability. International Journal of Environmental Research and Public Health 2020, 17(24), 9495.
[5] Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Positionspapier zum Thema Burnout. Berlin 2012.
[6] Bianchi R, Schonfeld IS, Laurent E. Burnout–depression overlap – a review. Clinical Psychology Review 2015, 36, 28–41.
[7] Bakker AB, Demerouti E. Job demands–resources theory – taking stock and looking forward. Journal of Occupational Health Psychology 2017, 22(3), 273–285.
[8] Hobfoll SE. Conservation of resources – a new attempt at conceptualizing stress. American Psychologist 1989, 44(3), 513–524.
[9] Siegrist J. Adverse health effects of high-effort/low-reward conditions. Journal of Occupational Health Psychology 1996, 1(1), 27–41.
[10] Hapke U, Maske UE, Scheidt-Nave C, Bode L, Schlack R, Busch MA. Chronischer Stress bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt 2013, 56(5/6), 749–754.
[11] Hill AP, Curran T. Multidimensional perfectionism and burnout – a meta-analysis. Personality and Social Psychology Review 2016, 20(3), 269–288.
[12] McEwen BS. Protective and damaging effects of stress mediators. New England Journal of Medicine 1998, 338(3), 171–179.
[13] Söderström M, Ekstedt M, Åkerstedt T. Weekday and weekend patterns of diurnal cortisol, activation and fatigue among people scoring high for burnout. Scandinavian Journal of Work, Environment & Health 2006, Suppl 2, 35–40.
[14] Salvagioni DAJ, Melanda FN, Mesas AE, González AD, Gabani FL, Andrade SM. Physical, psychological and occupational consequences of job burnout – a systematic review of prospective studies. PLoS ONE 2017, 12(10), e0185781.
[15] John A, Bouillon-Minois JB, Bagheri R, Pélissier C, Charbotel B, Llorca PM, Zak M, Ugbolue UC, Baker JS, Dutheil F. The influence of burnout on cardiovascular disease – a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Psychiatry 2024, 15, 1326745.
[16] Söderström M, Ekstedt M, Åkerstedt T, Nilsson J, Axelsson J. Sleep and sleepiness in young individuals with high burnout scores. Sleep 2004, 27(7), 1369–1377.
[17] Golkar A, Johansson E, Kasahara M, Osika W, Perski A, Savic I. The influence of work related chronic stress on the regulation of emotion and on functional connectivity in the brain. PLoS ONE 2014, 9(9), e104550.
[18] Burisch M. Das Burnout-Syndrom – Theorie der inneren Erschöpfung. 3. Aufl., Springer, Heidelberg 2006.
[19] Sonnentag S. Psychological detachment from work during leisure time – the benefits of mentally disengaging from work. Current Directions in Psychological Science 2012, 21(2), 114–118.
[20] Kaluza G. Stressbewältigung – Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. 3. Aufl., Springer, Berlin 2015.
[21] Sonnentag S, Fritz C. The Recovery Experience Questionnaire – development and validation of a measure for assessing recuperation and unwinding from work. Journal of Occupational Health Psychology 2007, 12(3), 204–221.
[22] Gerber M, Brand S, Elliot C u. a. Aerobic exercise training and burnout – a pilot study with male participants suffering from burnout. BMC Research Notes 2013, 6, 78.
[23] Maricuțoiu LP, Sava FA, Butta O. The effectiveness of controlled interventions on employees’ burnout – a meta-analysis. Journal of Occupational and Organizational Psychology 2016, 89(1), 1–27.
Medizinischer Hinweis
Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.
Bei gesundheitlichen Beschwerden, bestehenden Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten, Schwangerschaft oder Unsicherheiten hinsichtlich der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.
Transparenzhinweis
* Affiliate-Links: Wenn du über einen mit * gekennzeichneten Link ein Produkt kaufst, erhält MindBodyWell möglicherweise eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.



Schreibe einen Kommentar