Vielleicht kennst du das. Deine Gedanken springen von einem Thema zum nächsten, Stillsitzen fällt dir schwer und mitten in einer Aufgabe zieht dich etwas anderes in seinen Bann. Gleichzeitig steckt in dir eine enorme Energie, viel Kreativität und die Fähigkeit, dich in Dinge, die dich begeistern, stundenlang zu vertiefen. Viele Menschen mit diesen Eigenschaften hören früher oder später den Begriff ADHS. Für manche ist die Diagnose eine Erleichterung, für andere fühlt sie sich an wie ein Stempel, der ihr Anderssein zur Störung erklärt.
Unser Alltag ist dabei von klein auf auf Takt, Leistung und Anpassung ausgerichtet. Schon kleine Kinder verbringen viele Stunden in Betreuungseinrichtungen, später folgen Schulbank, Prüfungen, Studium und ein Beruf mit vollen Terminkalendern. Wer in diesem System nicht stillsitzen, nicht im Gleichschritt lernen und nicht auf Knopfdruck funktionieren kann, fällt schnell auf. Gleichzeitig erleben immer mehr Erwachsene, die jahrzehntelang funktioniert haben, irgendwann einen tiefen Zusammenbruch, das Burnout. Beides hat mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick scheint.
In diesem Artikel erfährst du, was ADHS aus wissenschaftlicher Sicht ist und warum die Zahl der Diagnosen so stark gestiegen ist. Du lernst, wie unser Leistungssystem von der Kita bis zum Beruf auf lebendige, bewegungsfreudige Menschen wirkt und warum dieser Weg so oft ins Burnout führt. Danach schauen wir uns an, was Ernährung, Omega-3 Fettsäuren und L-Theanin für Konzentration und innere Ruhe bewirken. Zum Schluss erfährst du, warum Bewegung und Zeit in der Natur zu den kraftvollsten Wegen gehören, deinen Kopf zu klären. So entdeckst du, wie du deine besondere Art zu denken und zu fühlen als Stärke leben kannst.
Was ADHS ist und warum die Diagnosen zunehmen
ADHS besser verstehen und im Alltag damit umgehen
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und beschreibt eine besondere Art, Reize, Aufmerksamkeit und Impulse zu verarbeiten. Faraone und über 80 Fachleute aus 27 Ländern haben das Wissen dazu in einem internationalen Konsenspapier zusammengefasst. Demnach zeigen ca. 5,9% der Kinder und Jugendlichen und ca. 2,5% der Erwachsenen weltweit ausgeprägte ADHS-Merkmale. Die meisten Fälle entstehen durch das Zusammenspiel vieler genetischer Anlagen und Umweltfaktoren, wobei die Gene eine große Rolle spielen. Die Unterschiede im Gehirn sind klein und eignen sich nicht für eine Diagnose, die deshalb immer auf Beobachtung und Gesprächen beruht.[1]
Gerade weil die Diagnose auf der Beurteilung von Verhalten beruht, hängt sie stark davon ab, was als normal gilt. Der Barmer GEK Arztreport zeigte, dass die Zahl der ADHS Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland zwischen 2006 und 2011 um 42% gestiegen ist. Besonders häufig erhielten Jungen rund um den Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule eine Diagnose, mit ca. elf Jahren bekamen etwa 7% der Jungen Methylphenidat verschrieben. Zudem unterschieden sich die Diagnoseraten je nach Region stark, im Raum Würzburg lagen sie bei Jungen zwischen zehn und zwölf Jahren bei 19%, bundesweit bei knapp 12%. Die Häufung beim Schulwechsel und die großen regionalen Unterschiede zeigen, dass neben dem Kind selbst auch Schulsituation und Versorgungsstrukturen die Zahlen prägen.[2]
Wenn das jüngste Kind der Klasse auffällt
Wie sehr das System die Diagnose beeinflusst, zeigt der Einschulungsstichtag. Schwandt und Wuppermann werteten Krankenkassendaten von ca. 7 Mio. Kindern in Deutschland aus. Kinder, die kurz vor dem Stichtag geboren wurden und damit die Jüngsten ihrer Klasse sind, erhielten deutlich häufiger eine ADHS-Diagnose als Kinder, die kurz danach geboren wurden und zu den Ältesten zählen. Die Forschenden erklären das damit, dass Lehrkräfte und Eltern die Kinder mit ihren Mitschülern vergleichen. Die ganz normale Verspieltheit und Unruhe eines jüngeren Kindes wird dann leicht als Störung gedeutet.[3]
Das gleiche Muster fanden Layton und Kollegen in den USA bei ca. 407.000 Kindern. In Bundesstaaten mit dem Stichtag 1. September erhielten im August geborene Kinder, die jüngsten ihrer Klasse, ca. 34% häufiger eine ADHS-Diagnose als im September geborene Kinder. Für Asthma, Diabetes oder Übergewicht zeigte sich dieser Unterschied nicht. Ein paar Monate Entwicklungsunterschied entscheiden also mit darüber, ob ein Kind als auffällig gilt. Das zeigt, wie stark der Maßstab, den Schule an Kinder anlegt, die Wahrnehmung von ADHS prägt.[4]
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Ein Leben im Takt, von der Kita bis zum Beruf
Früh angepasst an Stillsitzen und Reizflut
Der Weg in ein Leben nach Plan beginnt heute oft schon im ersten Lebensjahr. Ahnert und Kollegen begleiteten in Berlin Kleinkinder während ihrer Eingewöhnung in die Krippe und maßen dabei das Stresshormon Cortisol. Die Trennung und die neue Umgebung waren für die Kinder deutlich belastend, selbst wenn die Mutter in den ersten Tagen noch dabei war. Besonders sicher gebundene Kinder zeigten ihren Stress offen und bei vielen Kindern veränderte sich die Bindung zur Mutter während dieser Zeit. Eine behutsame, lange Eingewöhnung mit viel Nähe der Eltern ist deshalb ein wertvolles Geschenk an das Nervensystem eines kleinen Kindes.[5]
Später kommt eine ständige Flut digitaler Reize hinzu. Ra und Kollegen begleiteten 2.587 Jugendliche aus Los Angeles, die zu Beginn keine ADHS-Symptome hatten, über zwei Jahre. Jugendliche, die viele digitale Medien sehr häufig nutzten, z.B. soziale Netzwerke, Streaming und Messenger, entwickelten deutlich häufiger ADHS-Symptome. Bei sieben häufig genutzten Medienaktivitäten berichteten 9,5% von Symptomen, ohne häufige Nutzung waren es 4,6%. Ein Alltag voller Benachrichtigungen trainiert das Gehirn also auf schnelle Reizwechsel, während Ruhe und Vertiefung zu kurz kommen.[6]
Wenn Anderssein in eine andere Welt passt
Eine spannende Studie aus Kenia zeigt, wie sehr die Umgebung darüber entscheidet, ob eine Eigenschaft als Stärke oder Schwäche gilt. Eisenberg und Kollegen untersuchten Männer des Volkes der Ariaal mit einer Genvariante, die mit Unruhe, Neugier und Neuheitssuche sowie mit ADHS in Verbindung gebracht wird. Bei den Nomaden, die mit ihren Herden umherziehen, waren die Träger dieser Variante besser ernährt als andere Männer. Bei den sesshaft gewordenen Ariaal, die in Schule, Ackerbau oder Handel arbeiten, waren sie dagegen schlechter ernährt. Dieselbe Anlage, die in einem bewegten Leben Vorteile bringt, wird in einem festen, sitzenden Alltag zur Herausforderung.[7]
Genau hier liegt ein Schlüssel zum Verständnis von ADHS. Laut dem internationalen Konsenspapier entsteht ADHS aus dem Zusammenspiel vieler Anlagen und Umweltfaktoren. Die Anlage zu einem schnellen, neugierigen und bewegungsfreudigen Geist trägt also jeder Betroffene in sich, und die Umgebung entscheidet mit, wie stark daraus Leid entsteht. In einem Alltag, der von klein auf Stillsitzen, Gleichschritt und Funktionieren belohnt, fällt ein solcher Geist besonders auf. In einem Umfeld mit Bewegung, Freiraum und echter Begeisterung zeigt er dagegen oft seine großen Stärken.[1]
Vom Hamsterrad ins Burnout
Wer als Kind gelernt hat, sich anzupassen und über die eigenen Grenzen zu gehen, nimmt dieses Muster oft mit ins Berufsleben. Turjeman-Levi und Kollegen befragten 171 Berufstätige und fanden heraus, dass Menschen mit ADHS deutlich häufiger unter Burnout litten. Entscheidend waren dabei Schwierigkeiten mit Zeitmanagement, Selbstorganisation und Planung, also genau den Fähigkeiten, die starre Arbeitsabläufe besonders fordern. Diese Schwierigkeiten führten zu körperlicher Erschöpfung, emotionaler Leere und geistiger Müdigkeit. Ein Arbeitsumfeld, das flexibel ist und Raum für eigene Rhythmen lässt, schützt deshalb gerade lebendige Köpfe vor dem Ausbrennen.[8]
Die Erschöpfung betrifft dabei längst nicht nur Menschen mit ADHS. Nach Daten des Bundesarbeitsministeriums haben sich die Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen in Deutschland zwischen 2014 und 2024 mehr als verdoppelt, von ca. 70 Mio. auf ca. 148 Mio. Tage. Ein Leben im Dauertakt aus Kita, Schule, Studium und Beruf fordert also immer mehr Menschen bis an ihre Grenzen. ADHS und Burnout zeigen damit beide, wo ein System nicht mehr zum Menschen passt. Wer seine eigenen Rhythmen, Bedürfnisse und Grenzen kennt, findet Schritt für Schritt zurück zu einem Leben, das wieder zu ihm passt.[9]
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Wie Ernährung Konzentration und innere Ruhe beeinflusst
Was Studien zu Ernährung und Zusatzstoffen zeigen
Die Ernährung hat bei manchen Kindern einen erstaunlich großen Einfluss auf Aufmerksamkeit und Unruhe. In der niederländischen INCA-Studie ernährten sich Kinder zwischen vier und acht Jahren, mit der Diagnose ADHS, fünf Wochen lang nur von wenigen Grundnahrungsmitteln wie Reis, Fleisch, Gemüse, Birnen und Wasser. Bei 78% der Kinder, die die Diät durchhielten, gingen die ADHS-Symptome deutlich zurück, während sich in der Vergleichsgruppe nichts veränderte. Als die Familien danach einzelne Lebensmittel wieder einführten, kehrten die Beschwerden bei 63% der Kinder zurück. Pelsser und Kollegen empfehlen eine solche Diät nur mit fachlicher Begleitung, da sie sehr streng ist und die Auslöser bei jedem Kind anders sind.[10]
Auch künstliche Zusatzstoffe spielen eine Rolle. McCann und Kollegen gaben 153 dreijährigen und 144 acht- bis neunjährigen Kindern ohne ADHS-Diagnose Getränke mit Mischungen aus künstlichen Farbstoffen und dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat oder ein Placebo. Bei den Dreijährigen verstärkte eine der beiden Mischungen hyperaktives Verhalten messbar, bei den Älteren beide Mischungen, sofern die Kinder ihre Getränke fast vollständig tranken. Die Kinder reagierten dabei sehr unterschiedlich stark. Diese Studie zeigt, dass Zusatzstoffe das Verhalten von Kindern ganz allgemein beeinflussen, auch ohne ADHS-Diagnose.[11]
Was du im Alltag umsetzen kannst
Auch Zucker verdient bei ADHS einen genaueren Blick. Wolraich und Kollegen fanden in einer Auswertung von 16 Studien keinen eindeutigen kurzfristigen Einfluss auf das Verhalten und die Konzentration von Kindern. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein hoher Zuckerkonsum, besonders durch gesüßte Getränke, häufiger mit stärkeren ADHS-Symptomen einhergeht. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist damit noch nicht bewiesen. Für deinen Alltag lohnt es sich deshalb, zuckerreiche Getränke und stark verarbeitete Süßigkeiten zu reduzieren und stattdessen auf abwechslungsreiche, möglichst naturbelassene Lebensmittel zu setzen. [12],[13]
Bei Farbstoffen lohnt sich dagegen ein genauer Blick aufs Etikett. Laut Verbraucherzentrale Hamburg müssen Lebensmittel mit den Azofarbstoffen E 102, E 110, E122, E 124 und E 129 den Hinweis „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ tragen. Solche Farbstoffe stecken v.a. in bunten Süßigkeiten, Limonaden, Desserts und manchen Fischprodukten. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Produkte mit diesen Farbstoffen zu meiden. Frisch gekochte Mahlzeiten aus natürlichen Zutaten sind die einfachste Lösung, denn sie kommen ganz ohne solche Zusatzstoffe aus.[14]
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Omega-3 und L-Theanin für Fokus und Gelassenheit
Was Omega-3-Fettsäuren für die Aufmerksamkeit tun
Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA sind wichtige Bausteine der Nervenzellen im Gehirn. Chang und Kollegen werteten randomisierte Studien sowie Untersuchungen zum Omega-3-Spiegel bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS aus. Kinder und Jugendliche mit ADHS hatten im Blut weniger EPA und DHA als Gleichaltrige ohne ADHS. In den Studien verbesserte eine Ergänzung mit Omega-3-Fettsäuren die ADHS-Symptome sowie Aufmerksamkeit und andere geistige Leistungen. Fetter Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele und hochwertige Omega-3-Präparate sind damit wertvolle Bausteine für einen konzentrierten Kopf.[15]
Wie stark dieser Effekt ist, untersuchten Bloch und Qawasmi von der Yale University. Sie fassten zehn Studien mit 699 Kindern zusammen und fanden eine kleine, aber eindeutige Verbesserung der ADHS-Symptome durch Omega-3-Fettsäuren. Die Wirkung war schwächer als die von Medikamenten, dafür sind Omega-3-Fettsäuren gut verträglich und nebenwirkungsarm. Die Forschenden sehen sie deshalb als sanfte Ergänzung, v.a. für Familien, die zunächst auf Medikamente verzichten möchten. Besprich die Einnahme bei Kindern am besten mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.[16]
Wie L-Theanin Ruhe und Konzentration verbindet
L-Theanin ist eine Aminosäure aus dem Teestrauch und steckt v.a. in grünem Tee und Matcha. Lyon und Kollegen gaben 98 Jungen zwischen acht und zwölf Jahren mit ADHS sechs Wochen lang täglich 400 mg L-Theanin oder ein Placebo. Ein Bewegungsmesser am Handgelenk zeigte, dass die Jungen mit L-Theanin nachts ca. 10% weniger unruhige Phasen hatten und einen größeren Teil der Nacht schliefen. Die Einnahme war dabei gut verträglich. Guter Schlaf ist eine wichtige Grundlage für Konzentration und Ausgeglichenheit am nächsten Tag.[17]
Auch für die Aufmerksamkeit gibt es erste Hinweise. Kahathuduwa und Kollegen untersuchten bei fünf Jungen mit ADHS die Wirkung von L-Theanin, Koffein und einer Kombination aus beiden. L-Theanin allein und die Kombination verbesserten die gesamte geistige Leistungsfähigkeit und die Kombination stärkte zusätzlich die Daueraufmerksamkeit. Im Hirnscanner zeigte sich unter der Kombination weniger Aktivität in einem Netzwerk, das mit Gedankenwandern verbunden ist. Die Forschenden bezeichnen ihre Arbeit als erste Machbarkeitsstudie, die eine große Folgestudie verdient.[18]
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Bewegung und Natur für einen klaren Kopf
Warum Bewegung die Aufmerksamkeit stärkt
Für einen lebendigen Geist ist Bewegung wie Nahrung. Cerrillo-Urbina und Kollegen werteten acht randomisierte Studien mit Kindern mit ADHS aus. Ausdauerbewegung wie Laufen, Radfahren oder Ballspiele verbesserte die Aufmerksamkeit mit mittlerer bis großer Wirkung und verringerte Hyperaktivität und Impulsivität spürbar. Gleichzeitig nahmen Ängstlichkeit ab und die sogenannten exekutiven Funktionen zu, also Planung, Selbststeuerung und flexibles Denken. Auch Yoga zeigte positive Effekte auf die Kernsymptome.[19]
Auch Bewegung vor dem Unterricht tut Kindern sichtbar gut. Hoza und Kollegen ließen ca.
200 Kinder vom Kindergarten bis zur zweiten Klasse zwölf Wochen lang jeden Morgen vor dem Unterricht entweder aktiv spielen und toben oder ruhig im Klassenraum beschäftigt sein. Alle Kinder profitierten, doch Kinder mit Anzeichen von ADHS zeigten nach dem Bewegungsprogramm in deutlich mehr Bereichen Verbesserungen. Ein bewegter Start in den Tag unterstützt also das Lernen. Ein Fußweg zur Schule, Hampelmänner vor den Hausaufgaben oder eine Runde Trampolin bringen diese Kraft ganz einfach in euren Alltag.[20]
Die heilsame Kraft der Natur
Die Natur wirkt auf einen unruhigen Geist besonders wohltuend. Kuo und Taylor von der University of Illinois befragten Eltern von über 400 Kindern mit ADHS zwischen fünf und 18 Jahren aus den ganzen USA. Nach Aktivitäten im Grünen, z.B. im Park, im Wald oder im Garten, waren die ADHS-Symptome deutlich schwächer als nach Aktivitäten drinnen oder in bebauter Umgebung. Dieser Effekt zeigte sich auf dem Land ebenso wie in Großstädten und in allen Regionen. Die Forschenden empfehlen z.B. einen grünen Schulweg, Spielzeit im Freien und Hausaufgaben mit Blick ins Grüne.[21]
Die Studie mit den Ariaal-Nomaden erinnert daran, wofür ein bewegungsfreudiger, neugieriger Geist ursprünglich geschaffen ist. Unterwegs zu sein, Neues zu entdecken und schnell auf Veränderungen zu reagieren, war im Leben der Nomaden ein echter Vorteil. Wenn du deinem Körper und deinem Geist regelmäßig Bewegung, Weite und Natur schenkst, gibst du dieser ursprünglichen Kraft wieder Raum. Ein Spaziergang ohne Ziel, eine Radtour am Wochenende oder ein Nachmittag im Wald sind dabei wertvolle Ankerpunkte. So findest du zurück zu deinem eigenen Rhythmus, jenseits von Takt und
Hamsterrad.[7]
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Fazit
ADHS ist eine besondere Art, die Welt wahrzunehmen, mit viel Energie, Neugier und Begeisterungsfähigkeit. Die Anlage dazu trägt ein Mensch in sich, doch ob daraus Leid entsteht, hängt stark von der Umgebung ab. Studien zum Einschulungsalter, zur Reizflut und zu den Ariaal-Nomaden zeigen, wie sehr ein System, das von klein auf Stillsitzen, Gleichschritt und Funktionieren erwartet, die Wahrnehmung von ADHS prägt. Derselbe Takt führt im Erwachsenenleben immer mehr Menschen ins Burnout, ob mit oder ohne Diagnose. Gleichzeitig zeigen Studien, dass frische Ernährung ohne künstliche Farbstoffe, Omega-3-Fettsäuren, L-Theanin, Bewegung und Natur Konzentration und innere Ruhe spürbar stärken.
Du darfst deinen eigenen Rhythmus wieder ernst nehmen. Vielleicht beginnst du mit einem Spaziergang im Grünen vor der Arbeit, einem frisch gekochten Essen statt bunter Fertigprodukte oder einer Tasse grünem Tee in einer ruhigen Pause. Beobachte, wann dein Kopf klar ist und wann du über deine Grenzen gehst und gib deinem Bedürfnis nach Bewegung und Freiraum mehr Platz. So wird deine lebendige Art Schritt für Schritt von einer Herausforderung zu einer Quelle von Kraft und Kreativität. Dein Anderssein ist ein wertvoller Hinweis darauf, wie du am besten leben und wirken kannst.
Quellen
[1] Faraone SV, Banaschewski T, Coghill D et al. The World Federation of ADHD International Consensus Statement – 208 evidence-based conclusions about the disorder. Neuroscience and Biobehavioral Reviews 2021, 128, 789–818.
[2] Grobe TG, Schwartz FW. Barmer GEK Arztreport 2013 – Schwerpunkt ADHS. Barmer GEK, Berlin 2013.
[3] Schwandt H, Wuppermann A. The youngest get the pill – ADHD misdiagnosis in Germany, its regional correlates and international comparison. Labour Economics 2016, 43, 72–86.
[4] Layton TJ, Barnett ML, Hicks TR, Jena AB. Attention deficit–hyperactivity disorder and month of school enrollment. New England Journal of Medicine 2018, 379(22), 2122–2130.
[5] Ahnert L, Gunnar MR, Lamb ME, Barthel M. Transition to child care – associations with infant–mother attachment, infant negative emotion, and cortisol elevations. Child Development 2004, 75(3), 639–650.
[6] Ra CK, Cho J, Stone MD et al. Association of digital media use with subsequent symptoms of attention-deficit/hyperactivity disorder among adolescents. JAMA 2018, 320(3), 255–263.
[7] Eisenberg DTA, Campbell B, Gray PB, Sorenson MD. Dopamine receptor genetic polymorphisms and body composition in undernourished pastoralists – an exploration of nutrition indices among nomadic and recently settled Ariaal men of northern Kenya. BMC Evolutionary Biology 2008, 8, 173.
[8] Turjeman-Levi Y, Itzchakov G, Engel-Yeger B. Executive function deficits mediate the relationship between employees’ ADHD and job burnout. AIMS Public Health 2024, 11(1), 294–314.
[9] ZDFheute. Krankheitstage wegen psychischer Leiden seit 2014 verdoppelt. Bericht auf Grundlage von Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, 31.12.2025.
[10] Pelsser LM, Frankena K, Toorman J et al. Effects of a restricted elimination diet on the behaviour of children with attention-deficit hyperactivity disorder (INCA study) – a randomised controlled trial. Lancet 2011, 377(9764), 494–503.
[11] McCann D, Barrett A, Cooper A et al. Food additives and hyperactive behaviour in 3 year-old and 8/9-year-old children in the community – a randomised, double-blinded, placebo-controlled trial. Lancet 2007, 370(9598), 1560–1567.
[12] Wolraich ML, Wilson DB, White JW. The effect of sugar on behavior or cognition in children – a meta-analysis. JAMA 1995, 274(20), 1617–1621.
[13] Verbraucherzentrale Hamburg. Wie gefährlich sind Azofarbstoffe? Online-Ratgeber, Stand 16.07.2024.
[14] Chang JPC, Su KP, Mondelli V, Pariante CM. Omega-3 polyunsaturated fatty acids in youths with attention deficit hyperactivity disorder – a systematic review and meta analysis of clinical trials and biological studies. Neuropsychopharmacology 2018, 43(3), 534–545.
[15] Bloch MH, Qawasmi A. Omega-3 fatty acid supplementation for the treatment of children with attention-deficit/hyperactivity disorder symptomatology – systematic review and meta-analysis. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 2011, 50(10), 991–1000.
[16] Lyon MR, Kapoor MP, Juneja LR. The effects of L-theanine (Suntheanine) on objective sleep quality in boys with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) – a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Alternative Medicine Review 2011, 16(4), 348–354.
[17] Kahathuduwa CN, Wakefield S, West BD et al. Effects of L-theanine–caffeine combination on sustained attention and inhibitory control among children with ADHD – a proof-of-concept neuroimaging RCT. Scientific Reports 2020, 10, 13072.
[18] Cerrillo-Urbina AJ, García-Hermoso A, Sánchez-López M et al. The effects of physical exercise in children with attention deficit hyperactivity disorder – a systematic review and meta-analysis of randomized control trials. Child Care, Health and Development 2015, 41(6), 779–788.
[19] Hoza B, Smith AL, Shoulberg EK et al. A randomized trial examining the effects of aerobic physical activity on attention-deficit/hyperactivity disorder symptoms in young children. Journal of Abnormal Child Psychology 2015, 43(4), 655–667.
[20] Kuo FE, Taylor AF. A potential natural treatment for attention-deficit/hyperactivity disorder – evidence from a national study. American Journal of Public Health 2004, 94(9), 1580–1586.
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