Die Schilddrüse ist klein, beeinflusst aber zahlreiche Prozesse in deinem Körper. Ihre Hormone steuern u.a. den Energieverbrauch, die Wärmeproduktion sowie den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Damit die Schilddrüse diese Hormone bilden und regulieren kann, benötigt dein Körper verschiedene Nährstoffe. Besonders Jod und Selen spielen dabei eine zentrale Rolle, aber auch Eisen, Zink und weitere Mikronährstoffe sind an wichtigen Schritten des Schilddrüsenstoffwechsels beteiligt.
Wie gut du mit diesen Nährstoffen versorgt bist, hängt von deiner Lebensmittelauswahl, deinem individuellen Bedarf und in manchen Fällen auch von bestehenden Schilddrüsenerkrankungen ab. Gleichzeitig erfüllt jeder Nährstoff eine andere Aufgabe. Jod dient als Bestandteil der Schilddrüsenhormone, während Selen u.a. an ihrer Umwandlung und am Schutz der Schilddrüsenzellen beteiligt ist.
In diesem Artikel erfährst du, welche Nährstoffe deine Schilddrüse benötigt, welche Lebensmittel sie liefern und worauf du bei der Versorgung besonders achten solltest. So verstehst du die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Schilddrüsenfunktion und kannst deine Ernährung gezielt darauf abstimmen.
Wie Nährstoffe die Schilddrüsenfunktion unterstützen
Deine Schilddrüse stellt v.a. die Hormone T4 und T3 her, die zahlreiche Stoffwechselprozesse in deinem Körper steuern. Dafür greifen mehrere Nährstoffe direkt ineinander. Jod wird als Bestandteil in beide Schilddrüsenhormone eingebaut, Selen wird für Enzyme benötigt, die T4 in das biologisch stärker wirksame T3 umwandeln, und Eisen unterstützt über das Enzym Thyreoperoxidase die eigentliche Hormonsynthese. Für deine Ernährung bedeutet das, dass das Zusammenspiel mehrerer Mikronährstoffe entlang verschiedener Schritte der Hormonbildung und -aktivierung entscheidet. Wenn du diese Zusammenhänge kennst, kannst du gezielter darauf achten, welche Lebensmittel deine Schilddrüse mit den benötigten Nährstoffen versorgen.[1][2][3]
Deine Schilddrüse ist eng mit deinem Energiehaushalt, deiner Nährstoffversorgung und anderen körperlichen Prozessen verbunden. Eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr stellt wichtige Grundlagen für den Hormonstoffwechsel bereit, während Aufnahme und Verwertung von Jod, Selen, Eisen und weiteren Nährstoffen darüber entscheiden, wie gut sie dem Körper zur Verfügung stehen. Auch Entzündungen, Darmerkrankungen und bestimmte Medikamente greifen in diese Abläufe ein. Für dich ist deshalb wichtig, Schilddrüsenwerte im Gesamtzusammenhang zu betrachten. Neben der Ernährung prägen Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenknoten, Schwangerschaft, Medikamente und altersbedingte Veränderungen die Schilddrüsenfunktion. Dieses Zusammenspiel zu kennen hilft dir, die Ernährung gezielt als einen Baustein der Schilddrüsengesundheit zu nutzen und gleichzeitig weitere Einflussfaktoren im Blick zu behalten.[4]
Wie Jod die Bildung deiner Schilddrüsenhormone unterstützt
Jod als Baustein der Schilddrüsenhormone
Wenn die Jodzufuhr über längere Zeit sinkt, versucht dein Körper zunächst, die Versorgung auszugleichen. Die Hirnanhangsdrüse erhöht dafür die Ausschüttung von TSH, wodurch die Schilddrüse stärker stimuliert wird und vorhandenes Jod effizienter nutzt. Bleibt diese erhöhte Stimulation bestehen, kann das Schilddrüsengewebe wachsen und sich langfristig ein Kropf entwickeln. Bei einem ausgeprägten Jodmangel reichen diese Anpassungsmechanismen schließlich nicht mehr aus und die Produktion der Schilddrüsenhormone nimmt ab. Dadurch wird verständlich, warum sich ein Jodmangel schrittweise entwickeln und bereits Veränderungen an der Schilddrüse auslösen kann, bevor die Hormonproduktion deutlich eingeschränkt ist.[1][5]
Jodbedarf in verschiedenen Lebensphasen
Wie viel Jod dein Körper täglich benötigt, verändert sich mit deiner Lebensphase. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen 200 Mikrogramm pro Tag. In der Schwangerschaft steigt der Richtwert auf 230 Mikrogramm, in der Stillzeit auf 260 Mikrogramm täglich, da zusätzlich Jod für die Versorgung des Kindes benötigt wird. Diese Werte geben dir eine konkrete Orientierung für deine tägliche Ernährung und zeigen zugleich, in welchen Lebensphasen die Jodversorgung besondere Aufmerksamkeit verdient. Der tatsächliche Bedarf wird zusätzlich von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass die Richtwerte v.a. als Grundlage für eine bedarfsgerechte Versorgung dienen.[5]
Jodversorgung über die Ernährung sichern
Die Jodversorgung in Deutschland hängt im Alltag stark von der Lebensmittelauswahl ab. Besonders jodiertes Speisesalz, Milchprodukte und Seefisch tragen zur regelmäßigen Zufuhr bei. Werden diese Lebensmittel selten oder gar nicht verzehrt, fällt ein wesentlicher Teil der üblichen Jodquellen weg. Für Kinder, Jugendliche und Schwangere verdient die Versorgung besondere Aufmerksamkeit, da Erhebungen in diesen Gruppen häufiger eine niedrige Jodzufuhr zeigen. Wie hoch die Jodzufuhr tatsächlich ausfällt, hängt deshalb zunehmend von den persönlichen Ernährungsgewohnheiten ab, ob regelmäßig jodiertes Salz verwendet wird und welche tierischen oder pflanzlichen Jodquellen auf dem Speiseplan stehen.[6][7]
Jodreiche Lebensmittel für deine Ernährung
Zu den wichtigsten Jodquellen in Deutschland gehören jodiertes Speisesalz, Milch und Milchprodukte, Seefisch sowie mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel. Sie unterscheiden sich v.a. darin, wie konstant ihr Jodgehalt ausfällt. Bei Algen ist die Spannweite besonders groß. Je nach Art, Herkunft und Verarbeitung liefern sie sehr unterschiedliche Mengen, wobei Kombu und einige getrocknete Algen bereits in kleinen Portionen sehr hohe Jodmengen enthalten. Für die Jodversorgung spielt deshalb neben dem Jodgehalt eines Lebensmittels auch dessen Dosierbarkeit eine wichtige Rolle. Lebensmittel mit besser einschätzbaren Jodmengen erleichtern eine gleichmäßige Zufuhr, während bei Algen die Angaben zum Jodgehalt und zur empfohlenen Verzehrmenge entscheidend sind.[5][8]
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Jodzufuhr an die Schilddrüsengesundheit anpassen
Eine dauerhaft sehr hohe Jodzufuhr kann die Schilddrüsenfunktion verändern und ist besonders bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen relevant. Bei einer Schilddrüsenautonomie produzieren einzelne Bereiche der Schilddrüse Hormone zunehmend unabhängig von der normalen Steuerung durch TSH. Gelangen größere Jodmengen in den Körper, steht diesem autonomen Gewebe mehr Jod für die Hormonproduktion zur Verfügung. Dadurch kann die Produktion von Schilddrüsenhormonen stark ansteigen und sich eine Überfunktion entwickeln. Besonders hohe Jodmengen können durch stark jodhaltige Algenprodukte und hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung lässt sich eine zusätzliche Jodzufuhr deshalb gezielt auf die Diagnose, die aktuelle Schilddrüsenfunktion und die bereits über die Ernährung aufgenommene Jodmenge abstimmen. Eine ärztliche Abklärung schafft dafür eine verlässliche Grundlage.[8]
Selen für Aktivierung und Zellschutz
Selen übernimmt in der Schilddrüse zwei eng miteinander verbundene Aufgaben. Selenhaltige Enzyme wandeln das überwiegend als Vorstufe zirkulierende T4 in das biologisch aktivere T3 um und beeinflussen damit, wie viel aktives Schilddrüsenhormon den Geweben zur Verfügung steht. Gleichzeitig entstehen bei der Herstellung der Schilddrüsenhormone reaktive Sauerstoffverbindungen. Selenabhängige antioxidative Enzyme tragen dazu bei, diese Verbindungen abzubauen und die Schilddrüsenzellen vor oxidativer Belastung zu schützen. Die vergleichsw. hohe Selenkonzentration der Schilddrüse spiegelt diese besonderen Aufgaben wider. Eine ausreichende Selenversorgung unterstützt damit sowohl die Aktivierung der Schilddrüsenhormone als auch die körpereigenen Schutzsysteme des Schilddrüsengewebes.[9]
Selen muss regelmäßig über die Ernährung aufgenommen werden, wobei sich der Bedarf zwischen Männern und Frauen unterscheidet. Die DGE nennt für Erwachsene einen Schätzwert von 70 Mikrogramm täglich für Männer und 60 Mikrogramm für Frauen. Fisch, Fleisch, Eier und Milchprodukte liefern Selen in unterschiedlichen Mengen und lassen sich über verschiedene Mahlzeiten in die tägliche Versorgung integrieren. Paranüsse weisen häufig besonders hohe Gehalte auf, allerdings hängt ihre Selenmenge stark von Herkunft und Anbaubedingungen ab. Dadurch können einzelne Nüsse sehr unterschiedliche Mengen liefern. Für eine gleichmäßige Selenzufuhr ist deshalb die gesamte Lebensmittelauswahl aussagekräftiger als die Orientierung an einem einzelnen besonders selenreichen Lebensmittel.[10]
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Bei Hashimoto-Thyreoiditis richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen der Schilddrüse, wodurch u.a. bestimmte Schilddrüsen-Antikörper entstehen. Selen wird in diesem Zusammenhang untersucht, weil das Spurenelement sowohl an antioxidativen Schutzsystemen als auch an Prozessen des Immunsystems beteiligt ist. Studien zeigen, dass eine zusätzliche Selenzufuhr bei einem Teil der Betroffenen die Konzentration bestimmter Schilddrüsen-Antikörper senkt. Für die Bedeutung einer Selenergänzung sind jedoch mehrere Faktoren relevant, darunter die bestehende Selenversorgung, die Schilddrüsenfunktion und der individuelle Krankheitsverlauf. Eine gezielte Ergänzung lässt sich auf dieser Grundlage individuell beurteilen.[9][11]
Eisen für die Bildung der Schilddrüsenhormone
Eisen ist direkt an einem entscheidenden Schritt der Schilddrüsenhormonbildung beteiligt. Das eisenabhängige Enzym Thyreoperoxidase sorgt dafür, dass Jod so verarbeitet wird, dass es in die Schilddrüsenhormone eingebaut werden kann. Bei einem Eisenmangel steht dem Körper zwar genügend Jod zur Verfügung, die Schilddrüse kann es jedoch weniger effizient für die Hormonbildung nutzen. Damit wird deutlich, wie eng verschiedene Nährstoffe im Schilddrüsenstoffwechsel zusammenarbeiten. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Eisenversorgung bei starken Monatsblutungen, in der Schwangerschaft, bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung sowie bei chronischen Darmerkrankungen, da Aufnahme, Bedarf oder Eisenverluste unter diesen Bedingungen verändert sein können.[12]
Ein Eisenmangel betrifft mehrere Prozesse, die sich in ihren Auswirkungen überschneiden können. Neben der Beteiligung an der Schilddrüsenhormonbildung wird Eisen für die Bildung von Hämoglobin und damit für den Sauerstofftransport im Blut benötigt. Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit oder Konzentrationsprobleme können deshalb sowohl bei einem Eisenmangel als auch bei einer eingeschränkten Schilddrüsenfunktion auftreten. Gleichzeitig kann ein Eisenmangel mit veränderten Schilddrüsenwerten einhergehen. Bei einem nachgewiesenen Mangel schafft die medizinische Abklärung Klarheit über Ausmaß und mögliche Ursachen und ermöglicht eine gezielte Behandlung. Eine ausreichende Eisenversorgung unterstützt damit nicht nur den Schilddrüsenstoffwechsel, sondern zugleich Blutbildung, Sauerstoffversorgung und körperliche Leistungsfähigkeit.[12]
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Vitamin D, Zink und Vitamin B12 im individuellen Nährstoffstatus
Vitamin D, Zink und Vitamin B12 erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Stoffwechsel und im Immunsystem und werden deshalb auch im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen untersucht. Bei Menschen mit Hashimoto zeigen Beobachtungsstudien z.B. häufiger niedrigere Vitamin-D-Spiegel. Solche Zusammenhänge geben Informationen auf mögliche Wechselwirkungen, zeigen jedoch nicht, ob der niedrigere Vitamin-D-Status an der Entstehung oder am Verlauf der Erkrankung beteiligt ist. Für Vitamin D, Zink und Vitamin B12 ist daher der tatsächliche Versorgungsstatus entscheidender als die Schilddrüsenerkrankung allein. Wird ein Mangel festgestellt, lässt sich die Versorgung gezielt an den individuellen Bedarf anpassen und zugleich berücksichtigen, wodurch der Mangel entstanden ist.[13]
Zink unterstützt zahlreiche Enzymreaktionen und trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei. Bei einem ausgeprägten Zinkmangel können auch Prozesse des Schilddrüsenhormonstoffwechsels beeinträchtigt werden, während ein solcher Mangel in der deutschen Allgemeinbevölkerung vergleichsw. selten vorkommt. Vitamin B12 erfüllt eine andere Funktion und wird nicht direkt für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Relevant wird die Versorgung v.a. dann, wenn neben einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung weitere Autoimmunerkrankungen wie eine Autoimmungastritis bestehen. Dabei kann die Aufnahme von Vitamin B12 gestört sein und sich langfristig ein Mangel entwickeln. Der Blick auf begleitende Erkrankungen und den tatsächlichen Nährstoffstatus hilft deshalb, einen erhöhten Bedarf gezielt zu erkennen und Zink oder Vitamin B12 dort zu ergänzen, wo die Versorgung tatsächlich Unterstützung benötigt.[4][14]
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Lebensmittel und Ernährungsweisen für eine gute Nährstoffversorgung
Jodsalz als verlässliche Jodquelle im Alltag
Jodiertes Speisesalz gehört zu den verlässlichsten Jodquellen im Alltag, weil es eine festgelegte Menge Jod liefert und unabhängig davon genutzt werden kann, wie häufig Seefisch auf dem Speiseplan steht. Das ist besonders relevant, weil pflanzliche Lebensmittel in Deutschland aufgrund der niedrigen Jodgehalte der Böden meist nur wenig zur Versorgung beitragen. Einen zusätzlichen Unterschied macht die Wahl verarbeiteter Lebensmittel wie Brot und Backwaren, Käse oder Fleischwaren, da deren Jodgehalt davon abhängt, ob bei der Herstellung Jodsalz verwendet wurde. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt deshalb, welche Produkte tatsächlich zur täglichen Jodzufuhr beitragen.[5][6]
Jodversorgung bei veganer Ernährung gezielt gestalten
Bei einer veganen Ernährung verändert sich die Zusammensetzung der üblichen Jodquellen, weil Seefisch und Milchprodukte entfallen. Dadurch gewinnen Jodsalz und gezielt ausgewählte jodhaltige Lebensmittel stärker an Bedeutung. Bei pflanzlichen Drinks und anderen Ersatzprodukten unterscheiden sich die Jodgehalte deutlich, weshalb sich anhand der Nährwertangaben bzw. Produktkennzeichnung prüfen lässt, ob Jod zugesetzt wurde. Algen liefern teilw. große Mengen, weisen jedoch je nach Art und Herkunft erhebliche Schwankungen auf und erschweren dadurch eine gleichmäßige Zufuhr. Entscheidend ist daher die Versorgung so zusammenzustellen, dass über den Alltag hinweg eine möglichst verlässliche Jodmenge erreicht wird.[8]
Lebensmittel gezielt auswählen statt weglassen
Glutenfreie, milchfreie oder andere stark einschränkende Ernährungsformen werden bei Schilddrüsenproblemen häufig diskutiert. Für Menschen ohne Zöliakie oder eine entsprechende Unverträglichkeit zeigen die bisherigen Studien jedoch keinen überzeugenden Nutzen für die Schilddrüsenfunktion. Eine gezielte Anpassung der Ernährung gewinnt v.a. dann an Bedeutung, wenn eine konkrete Diagnose oder individuelle Unverträglichkeit vorliegt. Werden ganze Lebensmittelgruppen weggelassen, verändert sich gleichzeitig die Nährstoffzufuhr. So können z.B mit Milchprodukten wichtige Quellen für Jod, Calcium und Vitamin B12 entfallen. Wer Lebensmittel gezielt ersetzt, kann die Versorgung mit diesen Nährstoffen weiterhin über andere geeignete Quellen sicherstellen.[4][11]
Soja, Kohl und andere goitrogene Lebensmittel in der Ernährung
Als Goitrogene werden natürliche Pflanzenstoffe bezeichnet, die unter bestimmten Bedingungen in den Jodstoffwechsel der Schilddrüse eingreifen. Dazu gehören Verbindungen aus Brokkoli, Rosenkohl und anderen Kohlgewächsen sowie aus Soja. Entscheidend für ihre Wirkung sind jedoch die aufgenommene Menge und die Jodversorgung. Bei ausreichender Jodzufuhr und üblichen Portionsgrößen lassen sich diese Lebensmittel sehr gut in eine ausgewogene Ernährung integrieren. Damit bleiben zugleich ihre ernährungsphysiologischen Vorteile erhalten, denn Kohlgewächse und Sojaprodukte liefern u.a. Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.[4]
Relevant werden goitrogene Pflanzenstoffe v.a. dann, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Bei einer niedrigen Jodversorgung, einer sehr einseitigen Lebensmittelauswahl oder außergewöhnlich hohen Verzehrmengen fällt ihr Einfluss auf den Jodstoffwechsel stärker ins Gewicht. Durch Kochen wird ein Teil dieser Verbindungen zusätzlich reduziert. Bei Soja ist außerdem der Zeitpunkt des Verzehrs relevant, wenn Schilddrüsenhormone als Medikament eingenommen werden. Sojaprodukte können ebenso wie sehr ballaststoff- oder calciumreiche Lebensmittel die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm vermindern, wenn sie zeitnah zur Tablette verzehrt werden. Ein ausreichender zeitlicher Abstand ermöglicht eine zuverlässigere Aufnahme des Medikaments, ohne dass Soja deshalb grundsätzlich aus der Ernährung gestrichen werden muss.[15]
Nahrungsergänzung gezielt nach Bedarf einsetzen
Nahrungsergänzungsmittel erfüllen bei der Schilddrüsengesundheit v.a. dann eine konkrete Funktion, wenn die Ernährung den individuellen Bedarf nicht vollständig deckt oder ein Mangel nachgewiesen wurde. Laborwerte und persönliche Faktoren helfen dabei zu unterscheiden, welcher Nährstoff tatsächlich fehlt und in welcher Menge eine Ergänzung benötigt wird. Das betrifft z.B. Jod, Eisen, Vitamin D, Vitamin B12 oder Selen und gewinnt auch in Lebensphasen mit erhöhtem Bedarf wie der Schwangerschaft an Bedeutung. Bei Kombipräparaten für die Schilddrüse werden dagegen mehrere Nährstoffe gleichzeitig zugeführt, obwohl Bedarf und Versorgungsstatus für jeden einzelnen unterschiedlich ausfallen können. Eine gezielte Auswahl ermöglicht deshalb eine Dosierung, die zur tatsächlichen Versorgung passt, und vermeidet gleichzeitig eine unnötig hohe Zufuhr einzelner Nährstoffe.[5][10]
Bei Jod und Selen liegt der Nutzen einer Ergänzung in einer bedarfsgerechten Dosierung, da die Schilddrüse auf beide Spurenelemente sowohl bei einer Unterversorgung als auch bei einer dauerhaft zu hohen Zufuhr reagiert. Besonders hoch dosierte Präparate können die Gesamtaufnahme deutlich über den täglichen Bedarf hinaus erhöhen. Bei Jod kann dies u.a. bei einer Schilddrüsenautonomie die Hormonproduktion verändern, während eine langfristig überhöhte Selenzufuhr unerwünschte Wirkungen im Körper hervorrufen kann. Eine gezielte Ergänzung berücksichtigt deshalb die bereits über die Ernährung aufgenommene Menge, den individuellen Versorgungsstatus und bestehende Schilddrüsenerkrankungen. So lässt sich genau der Nährstoff ergänzen, für den tatsächlich zusätzlicher Bedarf besteht.[9][10]
Schilddrüsengerechte Ernährung im Alltag
| Thema | Gut belegt | Weniger klar |
|---|---|---|
| Jod | Ausreichende Zufuhr ist nötig | Hohe Zusatzmengen sind nicht pauschal sinnvoll |
| Selen | Biologisch wichtig für Umwandlung und Schutz | Nutzen bei Hashimoto nicht eindeutig für alle |
| Eisen | Mangel kann die Hormonbildung beeinträchtigen | Nicht jede Schilddrüsenstörung ist durch Eisen erklärbar |
| Glutenfrei oder milchfrei | Sinnvoll nur bei klarer medizinischer Indikation | Allgemeiner Nutzen für die Schilddrüse nicht gut belegt |
Im Alltag entsteht eine gute Versorgung v.a. durch das Zusammenspiel verschiedener Nährstoffquellen. Jodsalz und jodhaltige Lebensmittel unterstützen die Jodzufuhr, während eine abwechslungsreiche Auswahl an proteinreichen Lebensmitteln, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen weitere Nährstoffe für den Schilddrüsenstoffwechsel liefert. Wie diese Auswahl zusammengesetzt wird, hängt auch von der persönlichen Lebenssituation ab. Wer wenig tierische Lebensmittel isst, schwanger ist, stärkere Blutverluste hat oder aufgrund einer Darmerkrankung Nährstoffe schlechter aufnimmt, hat bei einzelnen Nährstoffen andere Voraussetzungen. Bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen ergänzen Laborwerte dieses Bild, weil sie konkrete Hinweise auf Versorgungslücken geben und damit eine gezielte Anpassung der Ernährung oder einzelner Nährstoffe ermöglichen.[5][12]
Fazit
Jod, Selen und Eisen übernehmen unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Aufgaben im Schilddrüsenstoffwechsel. Jod liefert den Grundstoff für die Schilddrüsenhormone, Selen unterstützt ihre Aktivierung und den Schutz der Schilddrüsenzellen, während Eisen an ihrer Bildung beteiligt ist. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit geeigneten Nährstoffquellen schafft dafür die Grundlage und lässt sich je nach Lebensphase, Ernährungsweise und persönlicher Versorgung individuell ergänzen. Bestehende Mängel lassen sich gezielt erkennen und ausgleichen, anstatt einzelne Nährstoffe pauschal hoch zu dosieren. Mit diesem Wissen wird Ernährung zu einem langfristigen Baustein, der die natürlichen Abläufe der Schilddrüse begleitet und sich flexibel an veränderte Bedürfnisse anpassen lässt.
Quellen
[1] Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. Informationen und Stellungnahmen zur Jodversorgung und Schilddrüsenerkrankungen; sowie Überblicksdarstellungen zur Schilddrüsenphysiologie in deutschsprachigen endokrinologischen Fachinformationen.
[2] Köhrle J. Selenium and the thyroid. Current Opinion in Endocrinology, Diabetes and Obesity. 2015;22(5):392-401. DOI: 10.1097/MED.0000000000000197.
[3] Zimmermann MB. The influence of iron status on iodine utilization and thyroid function. Annual Review of Nutrition. 2006;26:367-389. DOI: 10.1146/annurev.nutr.26.061505.111236. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16848710/
[4] Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie und deutschsprachige Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen, einschließlich Hashimoto-Thyreoiditis und Hypothyreose.
[5] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Jod. Aktuelle Fassung der D-A-CH-Referenzwerte.
[6] Robert Koch-Institut. Jodversorgung in Deutschland auf Basis bevölkerungsbezogener Erhebungen, darunter KiGGS und DEGS, sowie begleitende Auswertungen zur Jodausscheidung im Urin.
[7] Remer T, et al. Iodine deficiency in pregnancy in Europe and its consequences: an update from national and regional surveys. Fachliteratur und Übersichtsarbeiten zur Jodversorgung in Deutschland und Europa.
[8] Bundesinstitut für Risikobewertung. Hohe Jodgehalte in Algen und Algenprodukten können gesundheitliche Risiken bergen. Stellungnahmen und Verbraucherhinweise des BfR zu Algenprodukten.
[9] Winther KH, Rayman MP, Bonnema SJ, Hegedüs L. Selenium in thyroid disorders – essential knowledge for clinicians. Nature Reviews Endocrinology. 2020;16:165-176. DOI: 10.1038/s41574-019-0311-6.
[10] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Selen. Aktuelle Fassung der D-A-CH-Referenzwerte.
[11] Winther KH, et al. Selenium supplementation for Hashimoto’s thyroiditis. Cochrane Database beziehungsweise systematische Reviews zur Selen-Supplementierung bei Autoimmunthyreoiditis; aktuelle Evidenzlage mit begrenzter Aussagekraft für klinische Endpunkte.
[12] Beard JL, Borel MJ, Derr J. Impaired thermoregulation and thyroid function in iron-deficiency anemia. The American Journal of Clinical Nutrition. 1990;52(5):813-819. DOI: 10.1093/ajcn/52.5.813. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2239794/
[13] Wang J, Lv S, Chen G, Gao C, He J, Zhong H, Xu Y. Meta-analysis of the association between vitamin D and autoimmune thyroid disease. Nutrients. 2015;7(4):2485-2498. DOI: 10.3390/nu7042485. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25835208/
[14] Ernährungsmedizinische Übersichtsarbeiten und Leitlinien zu Mikronährstoffen bei Autoimmunerkrankungen sowie Risikogruppen für Vitamin-B12- und Zinkmangel.
[15] Jonklaas J, Bianco AC, Bauer AJ, et al. Guidelines for the treatment of hypothyroidism. Thyroid. 2014;24(12):1670-1751. DOI: 10.1089/thy.2014.0028. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25266247/
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