Die Antibabypille: Wirkung, Risiken und Wege zurück zum natürlichen Zyklus

Die Antibabypille: Wirkung, Risiken und Wege zurück zum natürlichen Zyklus

Seit über 60 Jahren gehört die Pille für viele Frauen in Deutschland zum Alltag. Manche nehmen sie bereits ab 14 oder 15 Jahren, z.B. gegen Regelschmerzen oder unreine Haut, und bleiben ihr über Jahrzehnte treu. Doch die Skepsis wächst. Immer mehr Frauen fragen sich, wie die künstlichen Hormone ihren Körper beeinflussen. Einige berichten von gedrückter Stimmung, weniger Lust auf Sex oder dem Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Andere möchten v.a. wissen, was nach dem Absetzen der Pille auf sie zukommt.

Die Forschung hat in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse dazu geliefert. Große Registerstudien aus Dänemark mit über 1 Mio. Frauen, Leitlinien deutscher Fachgesellschaften und Untersuchungen zur Partnerwahl zeigen, wie vielfältig die Pille wirken kann. Sie verhütet sehr zuverlässig und bietet weitere Vorteile, beeinflusst aber auch den Stoffwechsel, das Gehirn und möglicherweise das Gefühlsleben. Wenn du diese Zusammenhänge kennst, kannst du besser abwägen, was für dich richtig ist, und gezielte Fragen beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin stellen. Hier erfährst du, was die Forschung zeigt, welche Zahlen wichtig sind und worauf du im Alltag achten kannst.

Zuerst erfährst du, wie die Pille entstanden ist und wie ihre Hormone im Körper wirken. Anschließend schauen wir uns mögliche Risiken für die Blutgefäße, Nährstoffmängel und Veränderungen der Schilddrüsenwerte an. Auch die Auswirkungen auf Stimmung, Psyche, Anziehung und Partnerwahl kommen zur Sprache. Du lernst außerdem hormonfreie Verhütungsmethoden kennen, erfährst, wie sicher sie tatsächlich sind und welche Möglichkeiten es gibt, Akne ohne Pille zu behandeln. Zum Schluss geht es um die Veränderungen nach dem Absetzen, den Einfluss deiner Ernährung auf den Hormonhaushalt und die Frage, welche Rolle Hormone im Trinkwasser spielen.

Die Pille und ihre Wirkung auf deinen Körper

Von der Entwicklung bis heute

Am 18. August 1960 kam in den USA mit Enovid die erste Antibabypille auf den Markt. Entwickelt wurde sie vom Team um den Hormonforscher Gregory Pincus und den Frauenarzt John Rock, auf Grundlage der Vorarbeiten der Chemiker Carl Djerassi und Franc Colton. Bereits 1957 war das Präparat zugelassen worden, zunächst offiziell nur gegen Menstruationsbeschwerden und für verheiratete Frauen mit mehreren Kindern. Erprobt wurde es u.a. an Frauen in Puerto Rico, was Historiker heute aus ethischen Gründen kritisieren. In Westdeutschland folgte am 1. Juni 1961 die Pille Anovlar, in der DDR ab 1965 die sogenannte Wunschkindpille. Der Stern bezeichnete die Markteinführung damals als historischen Tag.[1]

Die Pille verliert zunehmend an Beliebtheit. Laut der BZgA-Studie „Verhütungsverhalten Erwachsener 2023“ mit 1.001 sexuell aktiven Erwachsenen zwischen 18 und 49 Jahren verhüteten 53% mit Kondomen und nur noch 38 % mit der Pille. 2007 lag der Pillenanteil noch bei 55%. Bei den 18- bis 29-Jährigen sank er innerhalb von zwölf Jahren sogar von 72 auf 46%. Gleichzeitig waren 61% der Befragten überzeugt, dass hormonelle Verhütung Körper und Psyche negativ beeinflusst. 2018 waren es noch 48%. Das zeigt, wie stark die Skepsis gewachsen ist und warum sich viele Frauen über hormonfreie Alternativen informieren möchten [2].

So beeinflussen die Hormone deinen Körper

Herbert Kuhl, Hormonforscher an der Universitätsfrauenklinik Frankfurt, erklärte 2005 im Fachjournal Climacteric, wie die Hormone der Pille wirken. Kombinierte Pillen enthalten das künstliche Östrogen Ethinylestradiol und ein künstliches Gelbkörperhormon, ein sogenanntes Gestagen. Gemeinsam hemmen sie in der Hirnanhangdrüse die Ausschüttung der Hormone FSH und LH, die normalerweise die Eizellreifung und den Eisprung steuern. Das Gestagen verdickt außerdem den Schleim am Muttermund, sodass Spermien nur schwer hindurchgelangen, und hält die Gebärmutterschleimhaut dünn. Die Blutung während der Pillenpause ist keine natürliche Menstruation, sondern eine Abbruchblutung durch den Hormonabfall. Ethinylestradiol ist deutlich stabiler als das körpereigene Östradiol und beeinflusst v.a. die Leber, da es nach der Einnahme dort in hoher Konzentration ankommt.[3]

Diese Wirkung auf die Leber hat Folgen, die über die Verhütung hinausgehen. Unter Ethinylestradiol produziert sie mehr Transporteiweiße, v.a. das sexualhormonbindende Globulin (SHBG), das Testosteron im Blut bindet. Yvonne Zimmerman und Bart Fauser vom Universitätsklinikum Utrecht werteten 2014 in Human Reproduction Update Studien zu kombinierten Pillen aus. Dabei zeigte sich, dass der Anteil des freien, biologisch wirksamen Testosterons im Durchschnitt um rund 60% sinkt. Das kann Akne und unerwünschten Haarwuchs verbessern. Testosteron spielt bei Frauen aber auch eine Rolle für die sexuelle Lust, den Antrieb und den Muskelaufbau. Der Rückgang könnte deshalb mit erklären, warum manche Frauen unter der Pille weniger sexuelles Verlangen verspüren.[4]

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Risiken und Nebenwirkungen der Pille

Thrombose, Schlaganfall und Herzinfarkt

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft veröffentlichte 2014 gemeinsam mit dem BfArM die Ergebnisse einer europäischen Risikobewertung kombinierter Pillen. Demnach erleiden ohne Pille jährlich ca. 2 von 10.000 Frauen eine venöse Thromboembolie. Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel in einer Vene, das bis in die Lunge gelangen kann. Bei Pillen mit Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron sind 5–7 von 10.000 Frauen betroffen, bei Präparaten mit Gestoden, Desogestrel oder Drospirenon 9–12. Besonders hoch ist das Risiko im ersten Einnahmejahr und beim erneuten Beginn nach einer Pause von mehr als 4 Wochen. Frag deshalb bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt gezielt nach dem enthaltenen Gestagen. Je nach Präparat kann sich das Thromboserisiko nahezu verdoppeln.[5]

Eine große dänische Studie aus dem Jahr 2012 untersuchte über 15 Jahre die Daten von mehr als 1,6 Mio. Frauen. Dabei zeigte sich, dass Pillen mit 30–40 µg Ethinylestradiol das Risiko für einen durch Blutgerinnsel verursachten Schlaganfall und für einen Herzinfarkt je nach Gestagen um das 1,3- bis 2,3-Fache erhöhten. Präparate mit 20 µg Ethinylestradiol schnitten tendenziell besser ab. Für eine Pille mit Desogestrel und 20 µg Ethinylestradiol schätzten die Forschenden das Risiko auf ca. 2 arterielle Gefäßverschlüsse pro 10.000 Anwenderinnen jährlich. Bei jungen, gesunden Frauen bleibt das absolute Risiko somit gering, steigt mit zunehmendem Alter jedoch deutlich an.[6]

Die S3-Leitlinie „Hormonelle Empfängnisverhütung“ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe von 2020 nennt wichtige Gründe, die gegen eine kombinierte Pille sprechen. Dazu zählen Rauchen ab 35 Jahren, Migräne mit Aura, eine frühere Thrombose, bekannte Gerinnungsstörungen und stark erhöhter Blutdruck. Rauchen erhöht das Risiko zusätzlich, da es die Blutgefäße verengt und die Blutgerinnung fördert. Achte besonders auf Warnzeichen wie einseitige Beinschmerzen oder Schwellungen, plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, ungewöhnlich starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen. Bei solchen Beschwerden solltest du sofort medizinische Hilfe holen und den Notruf 112 wählen.[7]

Nährstoffversorgung und Schilddrüsenfunktion

Eine italienische Forschungsgruppe fasste 2013 die Studienlage zum Einfluss der Pille auf die Nährstoffversorgung zusammen. Demnach wurden bei Frauen, die die Pille einnahmen, häufig niedrigere Werte für Folsäure, die Vitamine B2, B6, B12, C und E sowie Magnesium, Selen und Zink festgestellt. Ein möglicher Grund ist, dass Ethinylestradiol den Stoffwechsel in der Leber beeinflusst und damit auch die Verteilung und den Bedarf bestimmter Nährstoffe verändert. Besonders wichtig ist Folsäure, da sie zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft beiträgt. Das spielt v.a. eine Rolle, wenn du nach dem Absetzen schwanger werden möchtest. Achte deshalb auf eine ausgewogene Ernährung mit Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkorn und Eiern. Ob eine Blutuntersuchung oder Nahrungsergänzung sinnvoll ist, klärst du am besten ärztlich ab.[8]

Auch die Schilddrüse kann auf die Östrogene in der Pille reagieren. Eine Studie aus dem Jahr 2001 zeigte, dass eine Östrogentherapie das Transporteiweiß TBG für Schilddrüsenhormone erhöht. Bei gesunden Frauen stieg der Wert innerhalb von 12 Wochen von ca. 20 auf 31 mg/l. Eine gesunde Schilddrüse gleicht das aus, indem sie mehr Hormone produziert. Bei Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion, die L-Thyroxin einnahmen, sank dagegen der freie Hormonspiegel, während der TSH-Wert teilweise auf über 7 µU/ml anstieg. Wenn du L-Thyroxin einnimmst, solltest du deine Schilddrüsenwerte deshalb 6–12 Wochen nach Beginn oder Absetzen der Pille kontrollieren lassen. Selen unterstützt eine normale Schilddrüsenfunktion und steckt z.B. in Paranüssen, Fisch und Eiern.[9]

Wusstest du, dass manche Medikamente deinen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen beeinflussen können? In Arzneimittel und Mikronährstoffe von Uwe Gröber* erklärt der Apotheker, welche Wechselwirkungen auftreten können, auch bei hormonellen Verhütungsmitteln. Übersichtliche Tabellen helfen dir, mögliche Nährstoffmängel zu verstehen und geeignete Lebensmittel kennenzulernen. Ich empfehle dir dieses Nachschlagewerk, wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst und dich gezielt über deine Nährstoffversorgung informieren möchtest. So kannst du auch besser vorbereitet mit deiner Ärztin oder deinem Apotheker sprechen.

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Wie die Pille Psyche und Beziehungen beeinflussen kann

Stimmung und seelisches Wohlbefinden

Eine große dänische Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte den Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und Depressionen. Dafür wurden über 1 Mio. Frauen zwischen 15 und 34 Jahren durchschnittlich 6,4 Jahre lang beobachtet. Frauen, die eine kombinierte Pille einnahmen, bekamen 23% häufiger erstmals ein Antidepressivum verschrieben als Frauen ohne hormonelle Verhütung. Bei der Minipille waren es 34%. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Hier lag die Rate bei der kombinierten Pille 1,8-mal und bei der Minipille 2,2-mal so hoch. Am stärksten war der Zusammenhang ca. 6 Monate nach Einnahmebeginn. Gerade in dieser Zeit kann es sinnvoll sein, deine Stimmung bewusst zu beobachten, z.B. mit kurzen Notizen im Zykluskalender. Die Studie zeigt allerdings einen statistischen Zusammenhang, keinen eindeutigen Ursache-Wirkungs-Nachweis.[10]

Eine weitere Auswertung desselben Forschungsteams aus dem Jahr 2018 untersuchte knapp 500.000 Frauen, die zu Beginn durchschnittlich 21 Jahre alt waren und 8,3 Jahre lang begleitet wurden. Frauen mit hormoneller Verhütung unternahmen fast doppelt so häufig einen ersten Suizidversuch, das Suizidrisiko lag etwa 3-mal so hoch. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Jugendlichen und in den ersten 2 Monaten nach Einnahmebeginn. Die Studie zeigt allerdings einen statistischen Zusammenhang und beweist nicht, dass die Pille die Ursache war. Trotzdem solltest du anhaltende Stimmungstiefs ernst nehmen. Wenn du dich nach Beginn der Einnahme dauerhaft niedergeschlagen fühlst, sprich zeitnah mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.[11]

Wie die Pille Anziehung und Partnerwahl beeinflussen kann

Kann die Pille beeinflussen, welche Männer du anziehend findest? Dieser Frage ging Craig Roberts von der Universität Liverpool 2008 in einem Experiment mit 100 Frauen nach. Die Teilnehmerinnen bewerteten Körpergeruchsproben von Männern, einmal vor und einmal nach Beginn der Pilleneinnahme. Unter der Pille bevorzugten sie eher Männer, deren Immungene (MHC-Gene) den eigenen ähnelten. Ohne Pille tendierten Frauen dagegen zu Männern mit unterschiedlichen MHC-Genen, was für die genetische Vielfalt des Immunsystems beim Nachwuchs von Vorteil sein könnte. Da der Körpergeruch Hinweise auf diese Gene liefert, kann er unsere Partnerwahl unbewusst beeinflussen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Pille auch solche Vorlieben verändern kann.[12]

In einer weiteren Studie von 2012 befragten Roberts und sein Team rund 2.500 Mütter, die ihren Partner während oder ohne Pilleneinnahme kennengelernt hatten. Frauen, die bei der Partnerwahl die Pille nahmen, waren mit ihrem Sexualleben etwas weniger zufrieden und fühlten sich sexuell weniger zu ihrem Partner hingezogen. Dafür bewerteten sie andere Aspekte ihrer Beziehung positiver. Ihre Partnerschaften hielten im Durchschnitt 2 Jahre länger, und Trennungen kamen seltener vor. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Pille die Partnerwahl beeinflussen könnte. Allerdings handelt es sich um statistische Zusammenhänge, die keine eindeutige Ursache belegen.[13]

Entscheidend könnte sein, ob du die Pille beim Kennenlernen deines Partners genommen hast und ob sich das inzwischen geändert hat. Roberts, Anthony Little und Jan Havlíček untersuchten 2014 in Psychological Science 365 Paare aus Großbritannien und Tschechien. Frauen waren mit ihrem Sexualleben weniger zufrieden, wenn sie die Pille inzwischen begonnen oder abgesetzt hatten. Die allgemeine Beziehungszufriedenheit und die Zufriedenheit der Männer blieben dagegen unverändert. Wenn du die Pille in einer festen Beziehung absetzt, könnte sich also auch deine sexuelle Anziehung zum Partner verändern. Offene Gespräche können euch helfen, gemeinsam mit solchen Veränderungen umzugehen.[14]

Kann die Pille beeinflussen, wie du fühlst, denkst und wen du attraktiv findest? In Wie uns die Pille verändert von Sarah E. Hill* erklärt die Psychologin, welchen Einfluss hormonelle Verhütung auf das Gehirn, die Stressreaktion, Gefühle und Partnerwahl haben kann. Auf 336 Seiten macht sie wissenschaftliche Erkenntnisse anhand vieler Alltagsbeispiele verständlich. Ich empfehle dir das Buch, wenn du die möglichen Auswirkungen der Pille besser verstehen und auf dieser Grundlage selbstbestimmt über deine Verhütung entscheiden möchtest.

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Hormonfrei verhüten und Akne behandeln

Deinen Zyklus verstehen und sicher verhüten

Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 1995 untersuchte anhand von 221 Frauen mit Kinderwunsch und insgesamt 625 Zyklen, wann eine Schwangerschaft möglich ist. Die Forschenden ermittelten ein fruchtbares Fenster von 6 Tagen, das die 5 Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag selbst umfasst. Spermien können im fruchtbaren Zervixschleim mehrere Tage überleben, während die Eizelle nur ca. 12–24 Stunden befruchtungsfähig bleibt. Am höchsten war die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bei Geschlechtsverkehr am Tag des Eisprungs oder 1–2 Tage davor. Wenn du deinen Zyklus beobachtest, kannst du deine fruchtbaren Tage besser einschätzen. Zur sicheren Verhütung reicht es allerdings nicht, nur den vermuteten Eisprung zu kennen, da sich dieser von Zyklus zu Zyklus verschieben kann.[15]Wie zuverlässig die symptothermale Methode ist, untersuchte Petra Frank-Herrmann von der Universitätsfrauenklinik Heidelberg 2007 anhand von 900 Frauen. Die Teilnehmerinnen nutzten die heute als Sensiplan bekannte Methode, bei der Aufwachtemperatur und Zervixschleim gemeinsam ausgewertet werden. Bei korrekter Anwendung und Verzicht auf Geschlechtsverkehr an fruchtbaren Tagen wurden innerhalb eines Jahres nur 0,4 von 100 Frauen schwanger. Das entspricht etwa der Sicherheit der Pille. Unter Berücksichtigung von Anwendungsfehlern waren es 1,8 von 100 Frauen innerhalb von 13 Zyklen. Wichtig sind eine gründliche Schulung, z.B. durch die Arbeitsgruppe NFP, und einige Übungszyklen, bevor du dich zur Verhütung auf die Methode verlässt.[16]Wie sicher verschiedene Verhütungsmethoden im Alltag sind, untersuchte James Trussell von der Princeton University 2011. Bei typischer Anwendung wurden im ersten Jahr 9 von 100 Frauen trotz Pille schwanger, beim Kondom waren es 18 und beim Rückzug vor dem Samenerguss 22. Deutlich zuverlässiger war die hormonfreie Kupferspirale mit nur 0,8 Schwangerschaften pro 100 Frauen. Sie schützt langfristig, ohne dass du täglich daran denken musst. Der Rückzug zählt dagegen zu den unsichersten Methoden. Wenn du hormonfrei verhüten möchtest, kommen v.a. Sensiplan, die Kupferspirale oder Kondome infrage. Bei Sensiplan ist an fruchtbaren Tagen zusätzliche Verhütung oder der Verzicht auf Geschlechtsverkehr nötig.[17]

Akne hormonfrei behandeln

Akne lässt sich häufig auch ohne Pille wirksam behandeln. Die europäische S3-Leitlinie zur Aknetherapie unter Leitung von Alexander Nast von der Charité Berlin wurde 2016 aktualisiert und empfiehlt bei leichter bis mittelschwerer Akne v.a. Cremes oder Gele mit Benzoylperoxid, Adapalen oder einer Kombination aus beiden Wirkstoffen. Benzoylperoxid bekämpft Aknebakterien und hilft, verstopfte Poren zu befreien. Adapalen reguliert die Verhornung der Haut und beugt so neuen Unreinheiten vor. Hormonelle Präparate kommen laut Leitlinie bei Frauen mit mittelschwerer Akne ebenfalls infrage, meist ergänzend zu einer äußerlichen Behandlung. Eine gezielte dermatologische Therapie kann deshalb eine gute Alternative zur Pille sein.[18]

Auch deine Ernährung kann das Hautbild beeinflussen. Robyn Smith und Neil Mann vom RMIT in Melbourne untersuchten 2007, wie sich eine Ernährung mit niedriger glykämischer Last auf Akne auswirkt. Dafür begleiteten sie 43 junge Männer über 12 Wochen. Die Gruppe, die mehr Eiweiß sowie Kohlenhydrate aus Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten aß, hatte anschließend deutlich weniger Akne als die Vergleichsgruppe. Gleichzeitig verbesserte sich ihre Insulinempfindlichkeit, und sie verlor an Gewicht. Der mögliche Grund liegt im Hormonhaushalt. Hohe Insulinspiegel fördern über den Wachstumsfaktor IGF-1 die Talgproduktion und die Wirkung männlicher Hormone, wodurch Poren leichter verstopfen. Da dieser Mechanismus auch bei Frauen eine Rolle spielt, kann eine solche Ernährungsumstellung für beide Geschlechter sinnvoll sein.[19]

Auch Milchprodukte könnten bei Akne eine Rolle spielen. Christian Juhl und Kollegen von der Universität Kopenhagen werteten 2018 insgesamt 14 Studien mit 78.529 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Wer Milchprodukte konsumierte, hatte ein um 25% höheres Aknerisiko. Bei Milch lag es um 28 % höher, bei fettarmer Milch sogar um 32% und bei Joghurt um 36%. Für Käse zeigte sich nur ein schwacher Zusammenhang. Als mögliche Erklärung gelten Wachstumsfaktoren und Molkenproteine, die den Insulinspiegel und den Wachstumsfaktor IGF-1 beeinflussen können. Die Studien belegen allerdings keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Wenn du testen möchtest, ob deine Haut auf Milchprodukte reagiert, kannst du sie für 8–12 Wochen weglassen. Achte dabei auf ausreichend Calcium, z.B. aus calciumreichem Mineralwasser, Grünkohl oder Mandeln.[20]

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Was nach dem Absetzen der Pille passiert

So stellt sich dein Körper wieder um

Nach dem Absetzen der Pille kehrt die Fruchtbarkeit meist schnell zurück. Das zeigt eine Auswertung von 22 Studien mit insgesamt 14.884 Frauen aus dem Jahr 2018. Innerhalb von 12 Monaten wurden 83,1% der Frauen schwanger, was der üblichen Schwangerschaftsrate entspricht. Auch die Dauer der vorherigen Pilleneinnahme hatte kaum Einfluss darauf, wie schnell die Fruchtbarkeit zurückkehrte. Viele Frauen haben bereits im ersten Zyklus nach dem Absetzen wieder einen Eisprung. Wenn du nicht schwanger werden möchtest, solltest du deshalb direkt nach dem Absetzen eine andere Verhütungsmethode nutzen.[21]

Die Wirkstoffe der Pille verschwinden nach dem Absetzen relativ schnell aus deinem Körper. Ethinylestradiol und die Gestagene werden in der Leber abgebaut und haben laut Hormonforscher Herbert Kuhl eine Halbwertszeit von etwa einem Tag. Nach wenigen Tagen sind sie weitgehend aus dem Blut verschwunden. Länger dauert es, bis sich die körpereigene Hormonsteuerung zwischen Gehirn und Eierstöcken wieder eingespielt hat. In den ersten Monaten können deshalb unregelmäßige Zyklen, Hautunreinheiten oder verstärkter Haarausfall auftreten. Auch eine Akne, die durch die Pille unterdrückt wurde, kann zurückkehren. Bleibt deine Periode länger als 3 Monate aus, solltest du die Ursache ärztlich abklären lassen.[3]

Ernährung, die deine Hormone unterstützt

Auch deine Ernährung kann beeinflussen, wie viel Östrogen dein Körper ausscheidet. Barry Goldin und Sherwood Gorbach von der Tufts University in Boston verglichen 1982 vegetarisch und gemischt essende Frauen. Die Vegetarierinnen schieden deutlich mehr Östrogen über den Stuhl aus und hatten niedrigere Östrogenspiegel im Blut. Je mehr Ballaststoffe sie aßen, desto höher war die Ausscheidung. Dahinter steckt der sogenannte enterohepatische Kreislauf: Die Leber gibt Östrogene über die Galle in den Darm ab, wo Darmbakterien einen Teil wieder freisetzen, sodass er ins Blut zurückgelangen kann. Ballaststoffe können die Ausscheidung unterstützen. Karotten, Leinsamen, Flohsamenschalen, Hülsenfrüchte und Haferflocken sind deshalb eine sinnvolle Ergänzung für eine ballaststoffreiche Ernährung.[22]

Auch Cholin spielt eine wichtige Rolle für deinen Stoffwechsel. Steven Zeisel und Kerry-Ann da Costa von der University of North Carolina beschrieben 2009, dass Cholin zu einer normalen Leberfunktion und einem normalen Fettstoffwechsel beiträgt. Bei einem Mangel können eine Fettleber und Muskelschäden entstehen. Frauen vor den Wechseljahren sind davon seltener betroffen, da Östrogen die körpereigene Cholinbildung fördert. Ein Ei liefert ca. 150 mg Cholin, während für Erwachsene etwa 400 mg täglich als angemessene Zufuhr gelten. Eier mit Karottensalat und etwas Öl sind deshalb eine gute Frühstücksidee, um deinen Körper auch nach dem Absetzen der Pille mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.[23]

Nach dem Absetzen der Pille lohnt es sich, auf eine gute Nährstoffversorgung zu achten. Laut Mariangela Palmery und ihrem Team kann die Pille v.a. den Haushalt von Folsäure, den Vitaminen B2, B6, B12, C und E sowie Magnesium, Selen und Zink beeinflussen. Mit einer abwechslungsreichen Ernährung kannst du viel davon abdecken. Blattgemüse und Linsen liefern Folat, Kürbiskerne und Haferflocken Magnesium und Zink, Paprika und Beeren Vitamin C sowie Nüsse und Pflanzenöle Vitamin E. Fleisch, Fisch und Eier enthalten Vitamin B12 und B6. Wenn du eine Schwangerschaft planst, solltest du zusätzlich Folsäure einnehmen und die passende Dosierung ärztlich besprechen.[8]

Hormone in unserem Trinkwasser

Schon winzige Mengen künstlicher Hormone können das Leben im Wasser erheblich beeinträchtigen. Das zeigte die kanadische Forscherin Karen Kidd in einem 2007 veröffentlichten Experiment. Sie setzte einem See in Ontario 3 Jahre lang 5–6 Nanogramm Ethinylestradiol pro Liter Wasser zu. Daraufhin produzierten männliche Dickkopfelritzen ein normalerweise bei Weibchen vorkommendes Eidotterprotein. Bei einigen bildeten sich sogar Eizellen in den Hoden. Im zweiten Jahr brach die Fischpopulation zusammen, weil kaum noch Nachwuchs überlebte. Auch 2 Jahre nach Ende des Experiments hatte sie sich nicht erholt. Das zeigt, wie empfindlich Fische auf Hormonrückstände reagieren. Entsorge Pillenreste und andere Medikamente deshalb niemals über die Toilette, sondern über den Restmüll oder eine entsprechende Rückgabestelle, etwa in einer Apotheke.[24]

Für Menschen ist die Situation deutlich weniger bedenklich. Wie Bülent Erdogan 2020 im Rheinischen Ärzteblatt berichtete, wurden in deutschen Gewässern 269 Arzneistoffe und ihre Abbauprodukte nachgewiesen, meist in Konzentrationen von 0,1–1 µg/l. Laut Umweltmediziner Gerhard Wiesmüller vom Kölner Gesundheitsamt liegen die Rückstände im Trinkwasser weit unterhalb bekannter Wirkungsschwellen. Zum Vergleich enthält eine einzige Pille 20–30 µg Ethinylestradiol, also ein Vielfaches der Konzentrationen, die selbst in stärker belastetem Oberflächenwasser gemessen werden. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Oberflächenwasser und aufbereitetem Trinkwasser. Du kannst Leitungswasser in Deutschland daher grundsätzlich bedenkenlos trinken.[25]

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Fazit

Die Pille verhütet sehr zuverlässig, greift aber auch in andere Körperfunktionen ein. Ethinylestradiol verändert in der Leber Transporteiweiße wie SHBG und TBG, senkt das freie Testosteron und kann dadurch Libido, Haut und Schilddrüsenwerte beeinflussen. Das Thromboserisiko hängt u.a. vom enthaltenen Gestagen ab. Bei Raucherinnen ab 35 Jahren und Migräne mit Aura ist die kombinierte Pille besonders problematisch. Große Beobachtungsstudien zeigen zudem einen Zusammenhang mit Depressionen, v.a. bei Jugendlichen, beweisen aber keine Ursache. Auch Hinweise auf Veränderungen der Partnerpräferenzen gibt es. Wer hormonfrei verhüten möchte, findet mit Sensiplan, Kupferspirale und Kondomen Alternativen. Akne lässt sich häufig auch ohne Pille mit geeigneter Hautbehandlung und angepasster Ernährung verbessern.

Wenn du die Pille absetzen möchtest, bereite dich in Ruhe darauf vor und besprich frühzeitig eine passende Verhütungsalternative mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Denn schon ab dem ersten Tag kannst du wieder schwanger werden. Die Pillenhormone verschwinden innerhalb weniger Tage aus deinem Blut, doch dein eigener Hormonhaushalt braucht oft einige Monate, um sich einzupendeln. Eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, Eiern, Blattgemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten versorgt dich dabei mit wichtigen Nährstoffen. Wenn du L-Thyroxin einnimmst, lass deine Schilddrüsenwerte kontrollieren. Beobachte auch deinen Zyklus, um Veränderungen besser zu verstehen. So kannst du selbstbestimmt entscheiden, was für dich und deinen Körper richtig ist.

Quellen

[1] Bundeszentrale für politische Bildung (2025). 65 Jahre Pille. Bonn, bpb.

[2] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2023). Verhütungsverhalten Erwachsener 2023 – Ergebnisse der Repräsentativbefragung. Köln, BZgA.

[3] Kuhl H (2005). Pharmacology of estrogens and progestogens – influence of different routes of administration. Climacteric, 8(Suppl 1), 3–63.

[4] Zimmerman Y, Eijkemans MJC, Coelingh Bennink HJT, Blankenstein MA, Fauser BCJM (2014). The effect of combined oral contraception on testosterone levels in healthy women – a systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update, 20(1), 76-105.

[5] Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2014). Rote-Hand-Brief zu kombinierten hormonalen Kontrazeptiva – Risiko venöser Thromboembolien. Berlin, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

[6] Lidegaard Ø, Løkkegaard E, Jensen A, Skovlund CW, Keiding N (2012). Thrombotic stroke and myocardial infarction with hormonal contraception. New England Journal of Medicine, 366(24), 2257–2266.

[7] Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2020). S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung – AWMF-Registernummer 015-015. Berlin, AWMF.

[8] Palmery M, Saraceno A, Vaiarelli A, Carlomagno G (2013). Oral contraceptives and changes in nutritional requirements. European Review for Medical and Pharmacological Sciences, 17(13), 1804–1813.

[9] Arafah BM (2001). Increased need for thyroxine in women with hypothyroidism during estrogen therapy. New England Journal of Medicine, 344(23), 1743–1749.

[10] Skovlund CW, Mørch LS, Kessing LV, Lidegaard Ø (2016). Association of hormonal contraception with depression. JAMA Psychiatry, 73(11), 1154–1162.

[11] Skovlund CW, Mørch LS, Kessing LV, Lange T, Lidegaard Ø (2018). Association of hormonal contraception with suicide attempts and suicides. American Journal of Psychiatry, 175(4), 336–342.

[12] Roberts SC, Gosling LM, Carter V, Petrie M (2008). MHC-correlated odour preferences in humans and the use of oral contraceptives. Proceedings of the Royal Society B, 275(1652), 2715–2722.

[13] Roberts SC, Klapilová K, Little AC et al. (2012). Relationship satisfaction and outcome in women who meet their partner while using oral contraception. Proceedings of the Royal Society B, 279(1732), 1430–1436.

[14] Roberts SC, Little AC, Burriss RP et al. (2014). Partner choice, relationship satisfaction, and oral contraception – the congruency hypothesis. Psychological Science, 25(7), 1497–1503.

[15] Wilcox AJ, Weinberg CR, Baird DD (1995). Timing of sexual intercourse in relation to ovulation – effects on the probability of conception, survival of the pregnancy, and sex of the baby. New England Journal of Medicine, 333(23), 1517–1521.

[16] Frank-Herrmann P, Heil J, Gnoth C et al. (2007). The effectiveness of a fertility awareness based method to avoid pregnancy in relation to a couple’s sexual behaviour during the fertile time – a prospective longitudinal study. Human Reproduction, 22(5), 1310–1319.

[17] Trussell J (2011). Contraceptive failure in the United States. Contraception, 83(5), 397-404.

[18] Nast A, Dréno B, Bettoli V et al. (2016). European evidence-based (S3) guideline for the treatment of acne – update 2016 – short version. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 30(8), 1261–1268.

[19] Smith RN, Mann NJ, Braue A, Mäkeläinen H, Varigos GA (2007). A low-glycemic-load diet improves symptoms in acne vulgaris patients – a randomized controlled trial. American Journal of Clinical Nutrition, 86(1), 107–115.

[20] Juhl CR, Bergholdt HKM, Miller IM, Jemec GBE, Kanters JK, Ellervik C (2018). Dairy intake and acne vulgaris – a systematic review and meta-analysis of 78,529 children, adolescents, and young adults. Nutrients, 10(8), 1049.

[21] Girum T, Wasie A (2018). Return of fertility after discontinuation of contraception – a systematic review and meta-analysis. Contraception and Reproductive Medicine, 3, 9.

[22] Goldin BR, Adlercreutz H, Gorbach SL et al. (1982). Estrogen excretion patterns and plasma levels in vegetarian and omnivorous women. New England Journal of Medicine, 307(25), 1542–1547.

[23] Zeisel SH, da Costa KA (2009). Choline – an essential nutrient for public health. Nutrition Reviews, 67(11), 615–623.

[24] Kidd KA, Blanchfield PJ, Mills KH et al. (2007). Collapse of a fish population after exposure to a synthetic estrogen. Proceedings of the National Academy of Sciences, 104(21), 8897–8901.

[25] Erdogan B (2020). Ein Beipackzettel fürs Trinkwasser? Rheinisches Ärzteblatt, 2/2020, 20–21.


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Ich bin Anja Persyn, Gründerin von MindBodyWell. Hier verbinde ich wissenschaftlich fundiertes Wissen mit alltagstauglichen Tipps zu Ernährung, mentaler Balance und körperlicher Gesundheit. Mein Ziel ist es, dich zu einem ganzheitlichen Blick auf dein Wohlbefinden zu inspirieren und dir bewusste Entscheidungen für ein gesundes, ausgeglichenes Leben zu erleichtern.


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