Darm und Psyche: Wie die Darm-Hirn-Achse Stimmung und Energie steuert

Darm und Psyche: Wie die Darm-Hirn-Achse Stimmung und Energie steuert

Kennst du das Kribbeln im Bauch vor einem wichtigen Gespräch oder das schwere Gefühl im Magen nach einer stressigen Woche? Unsere Intuition weiß schon lange, dass Bauch und Seele eng zusammengehören. Wir sprechen von Bauchentscheidungen, von etwas, das uns auf den Magen schlägt und von Schmetterlingen im Bauch. Was früher nur eine bildhafte Vorstellung war, wird heute weltweit wissenschaftlich untersucht.

Zwischen deinem Darm und deinem Gehirn verläuft eine ständige Verbindung, die Darm-Hirn-Achse. Billionen von Bakterien, ein eigenes Nervensystem in der Darmwand und der Vagusnerv tauschen rund um die Uhr Informationen mit deinem Kopf aus. Diese Verbindung beeinflusst, wie du dich fühlst, wie du auf Stress reagierst und wie viel Energie du im Alltag hast. Die gute Nachricht ist, dass du diese Achse mit deiner Ernährung und deinem Lebensstil jeden Tag aktiv mitgestaltest.

In diesem Artikel erfährst du, wie Darm und Gehirn miteinander sprechen und welche Rolle der Vagusnerv dabei spielt. Du entdeckst, welche Botenstoffe in deinem Bauch entstehen und was Studien über Darmbakterien im Bezug zur Stimmung zeigen. Du lernst, warum Stress und stille Entzündungen dir Energie rauben können und wie du gegensteuerst. Zum Schluss bekommst du konkrete Ideen für Ernährung, Bewegung und Schlaf sowie einen einfachen Plan für die nächsten vier Wochen.

Die Darm-Hirn-Achse verstehen

Ein Gespräch in beide Richtungen

Lange galt das Gehirn als alleinige Kommandozentrale, die dem Körper sagt, was er zu tun hat. Darm und Gehirn stehen in ständigem Austausch und beeinflussen sich gegenseitig. In deiner Darmwand befindet sich ein eigenes Nervensystem mit mehreren Hundert Millionen Nervenzellen, das deine Verdauung weitgehend selbstständig steuert. Gleichzeitig sendet dein Darm über Nervenbahnen, Hormone und Botenstoffe des Immunsystems laufend Informationen an dein Gehirn. Diese Signale beeinflussen unbewusst mit, wie du dich fühlst und welche Entscheidungen du triffst.[1]

Deine Darmbakterien stehen über mehrere Wege mit deinem Gehirn in Verbindung, u.a. über den Vagusnerv, das Immunsystem, Hormone und Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren. Auf diese Weise beeinflussen sie Stressreaktionen, Stimmung und Verhalten. Viele Erkenntnisse stammen bisher aus Tierversuchen, doch auch die Zahl der Studien am Menschen wächst stetig. Damit wird immer deutlicher, dass deine Darmflora nicht nur für die Verdauung, sondern auch für dein psychisches Wohlbefinden eine wichtige Rolle spielt.[2]

Der Vagusnerv als Datenautobahn

Der Vagusnerv ist die wichtigste direkte Nervenverbindung zwischen Darm und Gehirn. Rund 80% seiner Nervenfasern leiten Informationen aus dem Körper zum Gehirn, während nur ca. 20% Signale in die Gegenrichtung übertragen. Er ist außerdem an der Regulierung von Entzündungsreaktionen im Darm beteiligt und eng mit dem Teil deines Nervensystems verbunden, der für Ruhe und Entspannung sorgt. Ein gut funktionierender Vagusnerv unterstützt somit nicht nur die Kommunikation zwischen Bauch und Kopf, sondern auch deine innere Ruhe.[3]

Wie wichtig der Vagusnerv für die Verbindung zwischen Darm und Gehirn ist, zeigt ein Experiment mit Mäusen. Tiere, die über mehrere Wochen ein bestimmtes Milchsäurebakterium erhielten, verhielten sich weniger ängstlich und schütteten bei Stress weniger Stresshormone aus. Außerdem veränderten sich in ihrem Gehirn die Andockstellen für den beruhigenden Botenstoff GABA. Wurde der Vagusnerv zuvor durchtrennt, blieben diese Veränderungen aus. Das Experiment zeigt, dass die Signale der Darmbakterien in diesem Fall über den Vagusnerv zum Gehirn gelangten.[4]

Das Bauchgefühl im Alltag

Beim Reizdarmsyndrom wird besonders deutlich, wie eng Darm und Psyche zusammenhängen. Die aktuelle deutsche Leitlinie beschreibt es als Störung der Darm-Hirn-Interaktion, bei der Darm, Nervensystem und Psyche zusammenwirken. Stress, Ängste und depressive Verstimmungen treten bei Betroffenen häufig auf und verstärken oft die Darmbeschwerden. Deshalb empfiehlt die Leitlinie neben der Behandlung körperlicher Beschwerden auch psychotherapeutische Verfahren wie die darmgerichtete Hypnose. Das zeigt, wie stark sich seelische Belastungen und Darmbeschwerden gegenseitig beeinflussen.[5]

Auch bei gesunden Menschen beeinflussen Darmbakterien die Verarbeitung von Gefühlen im Gehirn. In einer Studie tranken Frauen vier Wochen lang zweimal täglich ein fermentiertes Milchprodukt mit lebenden Bakterien. Anschließende Hirnscans zeigten, dass bestimmte Gehirnregionen, die Gefühle und Körperempfindungen verarbeiten, weniger stark auf Bilder emotionaler Gesichter reagierten. In den Vergleichsgruppen blieb dieser Effekt aus. Die Studie zeigt damit, dass sich Veränderungen in der Ernährung sogar in der Gehirnaktivität nachweisen lassen.[6]

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Wie dein Mikrobiom deine Stimmung beeinflusst

Botenstoffe zwischen Bauch und Gehirn

Serotonin ist als Glücksbotenstoff bekannt, doch rund 90% des körpereigenen Serotonins entstehen im Darm. Dafür sind spezielle Zellen der Darmschleimhaut verantwortlich, deren Produktion durch Stoffwechselprodukte bestimmter Darmbakterien angeregt wird. Wie wichtig diese Bakterien sind, zeigte eine Studie mit Mäusen ohne Darmflora. Ihr Serotoninspiegel im Darm war deutlich niedriger. Das im Darm gebildete Serotonin wirkt v.a. außerhalb des Gehirns. Es beeinflusst die Darmbewegung, die Nervenenden in der Darmwand und die Blutplättchen.[7]

Auch kurzkettige Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle für die Verbindung zwischen Darm und Gehirn. Sie entstehen, wenn Darmbakterien Ballaststoffe abbauen und dabei Acetat, Propionat und Butyrat bilden. Diese Fettsäuren liefern den Zellen deiner Darmwand Energie und stärken die Darmbarriere. Darüber hinaus beeinflussen sie die Schutzbarriere zwischen Blut und Gehirn, Entzündungsprozesse im Nervensystem und die Bildung von Botenstoffen. Mit ballaststoffreichen Lebensmitteln unterstützt du somit nicht nur deine Darmgesundheit, sondern auch wichtige Prozesse, die dein Gehirn schützen und seine Funktion beeinflussen.[8]

Der Einfluss des Mikrobioms auf die Stimmung

Welche Rolle deine Darmflora für dein seelisches Wohlbefinden spielt, zeigt eine belgische Studie mit über 1.000 Menschen. Personen mit höherer Lebensqualität hatten häufiger Darmbakterien, die Butyrat produzieren. Bei Menschen mit Depressionen waren dagegen zwei bestimmte Bakteriengattungen seltener vertreten, unabhängig von der Einnahme von Antidepressiva. Zudem bestand ein Zusammenhang zwischen dem seelischen Wohlbefinden und der Fähigkeit der Darmflora, ein Abbauprodukt des Botenstoffs Dopamin zu bilden. Die Ergebnisse bestätigten sich auch in einer zweiten Untersuchungsgruppe aus den Niederlanden.[9]Dass Darmbakterien das Verhalten beeinflussen, zeigt ein Experiment mit Ratten. Ihnen wurde die Darmflora von Menschen mit Depressionen übertragen, nachdem ihre eigene Darmflora weitgehend entfernt worden war. Anschließend zeigten die Tiere weniger Interesse an Belohnungen und verhielten sich ängstlicher. Auch ihr Stoffwechsel von Tryptophan, einem wichtigen Baustein für Serotonin, veränderte sich. Das Experiment zeigt, dass die Darmflora Merkmale übertragen kann, die mit depressivem Verhalten zusammenhängen.[10]

Psychobiotika und ihre Wirkung auf die Psyche

Bestimmte Bakterienkulturen, die sich positiv auf die Psyche auswirken sollen, werden als Psychobiotika bezeichnet. In einer Studie nahmen gesunde Erwachsene 30 Tage lang entweder eine Kombination aus zwei Bakterienstämmen oder ein Scheinpräparat ein. Die Teilnehmenden mit den Bakterienkulturen berichteten über weniger seelische Belastung, insbesondere weniger Angst und Niedergeschlagenheit. Außerdem wurde in ihrem Urin weniger Stresshormon nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, welches Potenzial gezielt ausgewählte Bakterienstämme für das psychische Wohlbefinden haben.[11]Probiotika verringerten in einer Auswertung von 34 kontrollierten Studien depressive Beschwerden und Ängste im Durchschnitt leicht, aber messbar. Für Präbiotika, also Ballaststoffe, die Darmbakterien als Nahrung dienen und als Präparate eingenommen werden, zeigte sich dagegen kein eindeutiger Effekt. Probiotika bieten damit eine ergänzende Möglichkeit neben einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung. Die wichtigste Grundlage für deine Darmgesundheit bleibt jedoch deine tägliche Ernährung und dein Lebensstil.[12]
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Stress, Darm und Energie

Wenn Stress auf den Bauch schlägt

Schon früh im Leben beeinflusst die Darmflora, wie stark der Körper auf Stress reagiert. In einer Studie schütteten Mäuse, die ohne Darmbakterien aufgewachsen waren, bei Stress deutlich mehr Stresshormone aus. Erhielten sie frühzeitig ein bestimmtes Bifidobakterium, normalisierte sich ihre übersteigerte Stressreaktion. Wurde das Bakterium erst später verabreicht, war dieser Effekt deutlich schwächer. Die Ergebnisse zeigen, dass Darmbakterien bereits in der frühen Entwicklung an der Regulierung des Stresssystems beteiligt sind.[13]

Anhaltender Stress hemmt die Aktivität des Vagusnervs, der normalerweise zur Entspannung beiträgt und Entzündungsreaktionen reguliert. Eine verminderte Aktivität dieses Nervs, auch niedriger Vagustonus genannt, wurde bei Menschen mit Reizdarmsyndrom, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Depressionen beobachtet. Dadurch ist die natürliche Regulierung von Entzündungen eingeschränkt. So kann ein Kreislauf entstehen, bei dem Stress die Darmbeschwerden verstärkt und diese wiederum die Stimmung belasten.[3]

Entzündungen als Energieräuber

Bei einer Erkältung fühlst du dich oft müde, lustlos und möchtest dich zurückziehen. Dahinter stecken entzündliche Botenstoffe des Immunsystems, die auf dein Gehirn wirken und dieses sogenannte Krankheitsverhalten auslösen. Typische Folgen sind Erschöpfung, Appetitlosigkeit, sozialer Rückzug und weniger Freude an Dingen, die dir sonst Spaß machen. Hält die Entzündung länger an, kann sich daraus eine anhaltende Niedergeschlagenheit entwickeln. Auch unterschwellige, sogenannte stille Entzündungen können deshalb dazu beitragen, dass du dich dauerhaft erschöpft fühlst.[14]

Eine geschwächte Darmbarriere kann Entzündungen begünstigen und damit auch deine Stimmung beeinflussen. In einer Studie wurden bei Menschen mit Depressionen erhöhte Antikörper gegen Bestandteile bestimmter Darmbakterien im Blut nachgewiesen. Das deutet darauf hin, dass mehr bakterielle Bestandteile die Darmwand passiert und das Immunsystem aktiviert hatten. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand mit Entzündungsreaktionen und gedrückter Stimmung zusammenhängt. Eine intakte Darmbarriere ist deshalb auch für dein psychisches Wohlbefinden und deine Energie von Bedeutung.[15]

Ruhe für den Bauch

Dass bestimmte Darmbakterien die Stressreaktion auch beim Menschen beeinflussen, zeigt eine Studie mit gesunden jungen Männern. Sie nahmen vier Wochen lang entweder ein bestimmtes Bifidobakterium oder ein Scheinpräparat ein und absolvierten anschließend einen Stresstest. Die Männer mit dem Bifidobakterium schütteten weniger Stresshormone aus und empfanden weniger Angst. Auch im Alltag fühlten sie sich weniger gestresst und erzielten bei einem Gedächtnistest etwas bessere Ergebnisse. Die Studie war zwar klein, liefert aber erste Hinweise darauf, dass gezielte Bakterienkulturen die Stressreaktion positiv beeinflussen.[16]

Bei Reizdarmbeschwerden helfen neben Ernährung und Medikamenten auch psychotherapeutische Verfahren, die den Umgang mit Stress und Körpersignalen verbessern. Besonders gut untersucht ist die darmgerichtete Hypnose. Dabei werden Entspannung und innere Vorstellungen gezielt eingesetzt, um Darmbeschwerden zu lindern. Die deutsche Reizdarm-Leitlinie empfiehlt solche Verfahren als Teil der Behandlung. Das zeigt, dass nicht nur Stress, sondern auch gezielte Entspannung die Darmfunktion beeinflusst.[5]

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Ernährung für Darm und Psyche

Ballaststoffe als Futter für gute Laune

Deine Darmbakterien ernähren sich v.a. von Ballaststoffen, die im Dünndarm nicht verdaut werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb, Vollkornprodukte zu bevorzugen, täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst zu essen sowie regelmäßig Hülsenfrüchte und Nüsse einzuplanen. Als Richtwert gelten mind. 30 g Ballaststoffe pro Tag, die viele Menschen in Deutschland nicht erreichen. Gute Quellen sind Haferflocken, Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Beeren und Gemüse. Damit versorgst du deine Darmbakterien mit Nahrung, aus der sie u.a. kurzkettige Fettsäuren bilden, die deine Darmbarriere und wichtige Prozesse im Gehirn unterstützen.[17]

Bestimmte Ballaststoffe beeinflussen bereits nach wenigen Wochen die Stressreaktion und die Verarbeitung von Gefühlen. In einer Studie nahmen gesunde Erwachsene drei Wochen lang täglich einen von zwei präbiotischen Ballaststoffen oder ein Scheinpräparat ein. Bei den Teilnehmenden, die Galacto-Oligosaccharide erhielten, sank der morgendliche Cortisolspiegel. Gleichzeitig richteten sie ihre Aufmerksamkeit stärker auf positive als auf negative Reize. Solche Ballaststoffe kommen von Natur aus auch in Hülsenfrüchten wie Linsen und Kichererbsen vor. Damit lieferst du deinen Darmbakterien Nahrung, die auch für dein Stressempfinden eine Rolle spielt.[18]

Fermentiertes für mehr Vielfalt

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi und Kombucha liefern lebende Kulturen und zahlreiche Stoffwechselprodukte. In einer Studie erhöhten Erwachsene ihren Verzehr über zehn Wochen schrittweise auf ca. sechs Portionen täglich. Dadurch stieg die Vielfalt ihrer Darmflora, während 19 Entzündungsmarker im Blut sanken, darunter Interleukin 6. Eine Vergleichsgruppe mit besonders ballaststoffreicher Ernährung zeigte im selben Zeitraum keine vergleichbare Zunahme der Bakterienvielfalt. Fermentierte Lebensmittel bieten damit eine Möglichkeit, die Vielfalt deiner Darmflora innerhalb weniger Wochen zu erhöhen.[19]

Fermentierte Lebensmittel stehen auch mit dem psychischen Wohlbefinden in Verbindung. Eine Befragung von mehreren Hundert Studierenden zeigte, dass Personen, die häufiger fermentierte Lebensmittel aßen, weniger soziale Ängste angaben. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei Menschen, die empfindlicher auf Stress reagieren. Da die Ergebnisse auf einer Befragung beruhen, lässt sich daraus kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten. Sie ergänzen jedoch die bisherigen Studienergebnisse und liefern einen weiteren Grund, regelmäßig Sauerkraut, Kefir oder andere fermentierte Lebensmittel in deine Ernährung einzubauen.[20]

Mediterran essen für die Seele

Wie stark sich die Ernährung auf die Stimmung auswirken kann, zeigt eine Studie mit Erwachsenen, die an mittelschweren bis schweren Depressionen litten. Eine Gruppe erhielt zwölf Wochen lang Beratung zu einer mediterranen Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch, Nüssen und Olivenöl. Die Vergleichsgruppe bekam stattdessen soziale Unterstützung durch Gespräche. Am Ende waren in der Ernährungsgruppe rund 32% der Teilnehmenden frei von depressiven Beschwerden, gegenüber rund 8% in der Vergleichsgruppe. Eine gezielte Ernährungsumstellung kann damit eine bestehende Behandlung wirksam ergänzen.[21]

Ein Grund für die positive Wirkung der mediterranen Ernährung liegt in ihrem hohen Gehalt an Ballaststoffen und Pflanzenstoffen. Sie liefern deinen Darmbakterien reichlich Nahrung für die Bildung kurzkettiger Fettsäuren. Diese stärken die Darmbarriere, helfen bei der Regulierung von Entzündungen und beeinflussen Prozesse im Gehirn, die für Stimmung und Denken wichtig sind. Mit einer abwechslungsreichen Auswahl pflanzlicher Lebensmittel unterstützt du somit gleichzeitig deine Darmgesundheit und dein seelisches Wohlbefinden.[8]

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Dein Alltag für eine starke Darm-Hirn-Achse

Bewegung für dein Mikrobiom

Regelmäßige Bewegung stärkt nicht nur deine Muskeln, sondern verändert auch deine Darmflora. In einer Studie absolvierten zuvor wenig aktive Erwachsene sechs Wochen lang dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten Ausdauertraining. Anschließend hatten sie mehr Butyrat bildende Bakterien und höhere Mengen kurzkettiger Fettsäuren im Darm. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei normalgewichtigen Teilnehmenden. Nach weiteren sechs Wochen ohne Training gingen die Veränderungen wieder zurück. Entscheidend ist deshalb, dass du dauerhaft in Bewegung bleibst.[22]

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, längeres Sitzen regelmäßig zu unterbrechen und Bewegung fest in den Alltag einzubauen. Dafür eignen sich z.B. zügige Spaziergänge, Radfahren, Tanzen oder Gartenarbeit. Achte außerdem darauf, ausreichend Wasser zu trinken, damit Ballaststoffe im Darm gut aufquellen und die Verdauung unterstützen. Wähle am besten eine Bewegungsform, die dir Freude macht und die du langfristig beibehältst.[17]

Schlaf und Ruhe als Nährboden

Auch zwischen deinem Schlaf und deiner Darmflora besteht ein enger Zusammenhang. In einer Studie wurde bei gesunden Männern einen Monat lang der Schlaf mithilfe von Bewegungssensoren erfasst und die Darmflora untersucht. Teilnehmer mit einer größeren Bakterienvielfalt schliefen länger und effizienter. Auch bei Männern, die nachts seltener aufwachten, war die Darmflora vielfältiger. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen Darmflora und Schlafqualität, belegen aber noch nicht, dass ein fester Schlafrhythmus die Bakterienvielfalt erhöht.[23]

Atemübungen, Meditation und Yoga unterstützen die Aktivität des Vagusnervs und helfen dir, abends zur Ruhe zu kommen. Besonders einfach ist langsames Atmen mit einer längeren Ausatmung als Einatmung. Atme z.B. vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus. Schon fünf Minuten vor dem Einschlafen helfen dabei, Herzschlag und Nervensystem zu beruhigen und Anspannung im Bauch zu lösen. So unterstützt du gezielt die Entspannung über deine Darm-Hirn-Achse.[3]

Dein Plan für die nächsten vier Wochen

Mit einem Vier-Wochen-Plan integrierst du die wichtigsten Gewohnheiten Schritt für Schritt in deinen Alltag. Beginne in der ersten Woche mit einer täglichen Portion Naturjoghurt, Kefir oder Sauerkraut. In Woche zwei ergänzt du jeden Tag eine Portion Hülsenfrüchte oder Vollkornprodukte. Ab Woche drei kommt ein täglicher Spaziergang von mind. 30 Minuten hinzu. In der vierten Woche ergänzt du die abendliche Atemübung. Der schrittweise Einstieg orientiert sich an der Studie zu fermentierten Lebensmitteln, in der die Teilnehmenden ihre Portionen ebenfalls langsam steigerten. So gibst du deinem Darm Zeit, sich an die Veränderungen zu gewöhnen.[19]

Bei der Studie zur mediterranen Ernährung unterstützten konkrete Alltagstipps und eine schrittweise Umstellung die Teilnehmenden. Setze dir deshalb für deinen Vier-Wochen-Plan kleine, erreichbare Ziele und notiere am Ende jeder Woche, wie sich deine Stimmung, Energie und Verdauung entwickelt haben. So erkennst du Veränderungen und siehst, welche Gewohnheiten dir guttun. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder starken Bauchbeschwerden solltest du die Ursachen ärztlich abklären lassen. Deine Ernährung ergänzt dabei die professionelle Behandlung.[21]

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Fazit

Dein Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan. Über den Vagusnerv, das Immunsystem und verschiedene Botenstoffe steht er in ständigem Austausch mit deinem Gehirn und beeinflusst deine Stimmung, Stressreaktion und Energie. Billionen Darmbakterien bilden aus Ballaststoffen wertvolle Fettsäuren, die deine Darmbarriere stärken. Stress, unterschwellige Entzündungen und einseitige Ernährung belasten dieses Zusammenspiel. Eine vielfältige Ernährung, regelmäßige Bewegung und gezielte Entspannung unterstützen dagegen eine gesunde Darm-Hirn-Achse.

Du kannst jeden Tag etwas für deine Darmgesundheit und dein seelisches Wohlbefinden tun. Eine Portion Linsen, ein Glas Kefir, ein Spaziergang in der Mittagspause oder ein paar Minuten bewusstes Atmen am Abend lassen sich einfach in deinen Alltag integrieren. Beginne mit einer Veränderung und beobachte, wie sich deine Verdauung, Energie und Stimmung entwickeln. So findest du Schritt für Schritt heraus, welche Gewohnheiten dir besonders guttun.

Quellen

[1] Mayer, E. A. (2011). Gut feelings – The emerging biology of gut–brain communication. Nature Reviews Neuroscience, 12(8), 453–466.

[2] Cryan, J. F., O’Riordan, K. J., Cowan, C. S. M., Sandhu, K. V., Bastiaanssen, T. F. S., Boehme, M. et al. (2019). The microbiota-gut-brain axis. Physiological Reviews, 99(4), 1877–2013.

[3] Breit, S., Kupferberg, A., Rogler, G. & Hasler, G. (2018). Vagus nerve as modulator of the brain–gut axis in psychiatric and inflammatory disorders. Frontiers in Psychiatry, 9, 44.

[4] Bravo, J. A., Forsythe, P., Chew, M. V., Escaravage, E., Savignac, H. M., Dinan, T. G., Bienenstock, J. & Cryan, J. F. (2011). Ingestion of Lactobacillus strain regulates emotional behavior and central GABA receptor expression in a mouse via the vagus nerve. Proceedings of the National Academy of Sciences, 108(38), 16050–16055.

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[18] Schmidt, K., Cowen, P. J., Harmer, C. J., Tzortzis, G., Errington, S. & Burnet, P. W. J. (2015). Prebiotic intake reduces the waking cortisol response and alters emotional bias in healthy volunteers. Psychopharmacology, 232(10), 1793–1801.

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[22] Allen, J. M., Mailing, L. J., Niemiro, G. M. et al. (2018). Exercise alters gut microbiota composition and function in lean and obese humans. Medicine and Science in Sports and Exercise, 50(4), 747–757.

[23] Smith, R. P., Easson, C., Lyle, S. M. et al. (2019). Gut microbiome diversity is associated with sleep physiology in humans. PLoS ONE, 14(10), e0222394.


Medizinischer Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

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