Natürliche und künstliche Süßungsmittel im Vergleich und was Zucker, Honig, Stevia, Aspartam und Co. für deine Gesundheit bedeuten

Natürliche und künstliche Süßungsmittel im Vergleich und was Zucker, Honig, Stevia, Aspartam und Co. für deine Gesundheit bedeuten

Süße begleitet uns vom ersten Lebenstag an. Schon Muttermilch schmeckt leicht süß und unser Gehirn verbindet diesen Geschmack seit jeher mit Energie, Sicherheit und Geborgenheit. Kein Wunder also, dass ein Stück Kuchen, ein Löffel Honig oder ein süßes Getränk so viel Trost und Freude schenkt. Gleichzeitig wissen viele Menschen, dass zu viel Zucker dem Körper auf Dauer nicht gut tut. Zwischen Genuss und Gesundheit entsteht so oft ein inneres Hin und Her.

Im Supermarkt wird die Auswahl immer größer. Neben Haushaltszucker stehen Honig, Ahornsirup, Kokosblütenzucker, Stevia, Erythrit, Xylit und Süßstoffe wie Aspartam oder
Sucralose in den Regalen. Jedes dieser Produkte verspricht etwas anderes, z.B. weniger Kalorien, mehr Natürlichkeit oder einen stabileren Blutzucker. Dazu kommen Schlagzeilen, die manche Süßungsmittel feiern und andere verteufeln. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

In diesem Artikel erfährst du, wie sich verschiedene Süßungsmittel auf deine Gesundheit auswirken können und welche Erkenntnisse Studien dazu liefern. Du lernst, wie Zucker in deinem Körper wirkt und wie viel davon unbedenklich ist. Danach schauen wir uns Honig und andere natürliche Alternativen an, anschließend Stevia und Zuckeralkohole wie Erythrit und Xylit sowie künstliche Süßstoffe wie Aspartam. Zum Schluss bekommst du alltagsnahe Wege an die Hand, wie du Süße bewusst und entspannt genießt. So triffst du deine Wahl in Zukunft gelassen und gut informiert.

Zucker und was er in deinem Körper bewirkt

Warum gesüßte Getränke besonders ins Gewicht fallen

Zucker liefert schnelle Energie und in kleinen Mengen kommt dein Körper gut damit zurecht. Besonders aufmerksam darfst du bei gezuckerten Getränken wie Limonade, Eistee oder Energydrinks sein. Malik und Kollegen werteten elf Kohortenstudien mit fast 350.000 Menschen aus und fanden heraus, dass Menschen mit dem höchsten Konsum ein um 26% höheres Risiko für Typ-2-Diabetes hatten als Menschen, die solche Getränke kaum tranken. Schon ein bis zwei Getränke pro Tag gingen mit einem um 20% höheren Risiko für das metabolische Syndrom einher. Flüssiger Zucker sättigt kaum und gelangt sehr schnell ins Blut, deshalb lohnt es sich hier besonders genauer hinzuschauen.[1]

Auch beim Körpergewicht spielt Zucker eine Rolle und zwar über die Kalorien, die er mitbringt. Te Morenga und Kollegen fassten im British Medical Journal randomisierte Studien und Kohortenstudien zusammen. Erwachsene, die weniger Zucker aßen, verloren im Mittel ca. 0,8 kg, während Erwachsene mit mehr Zucker ca. 0,75 kg zunahmen. Wurde Zucker dagegen durch die gleiche Kalorienmenge aus anderen Kohlenhydraten ersetzt, blieb das Körpergewicht stabil. Entscheidend ist also v.a., wie viele zusätzliche Kalorien du durch Zucker aufnimmst. Genau hier kannst du ansetzen, wenn du dein Gewicht langfristig beeinflussen möchtest.[2]

Wie viel Zucker dir gut tut

Für Deutschland haben die Deutsche Adipositas-Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine gemeinsame Empfehlung veröffentlicht. Demnach sollten freie Zucker höchstens 10% der täglichen Energie ausmachen, bei 2.000 kcal sind das max. 50 g am Tag. Zu den freien Zuckern zählen zugesetzter Zucker sowie Zucker aus Honig, Sirupen und Fruchtsäften. Erwachsene in Deutschland liegen mit ca. 13% bis 14% der Energie darüber, Jugendliche und junge Erwachsene sogar bei ca. 16% bis 18%. Um den Richtwert zu erreichen, reicht es für viele Menschen schon aus, ihren Zuckerkonsum um ein Viertel zu senken.[4]

Wie breit die Wirkung von Zucker auf die Gesundheit ist, zeigt eine große Umbrella Übersicht im British Medical Journal. Huang und Kollegen werteten 73 Metaanalysen zu 83 Gesundheitsthemen aus und fanden bei 45 davon Zusammenhänge mit einem hohen Zuckerkonsum, z.B. Diabetes, Gicht, Bluthochdruck, Karies und Depression. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, zugesetzten Zucker auf weniger als 25 g pro Tag zu begrenzen, das entspricht ca. sechs Teelöffeln. Gezuckerte Getränke sollten demnach höchstens einmal pro Woche auf dem Tisch stehen. Viele dieser Zusammenhänge stammen aus Beobachtungsstudien, die Richtung ist aber bemerkenswert einheitlich.[5]

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Honig, Sirupe und andere natürliche Süßungsmittel

Was Honig besonders macht

Honig gilt seit Jahrtausenden als Heil- und Genussmittel und die Forschung bestätigt einige seiner Vorzüge. Ahmed und Kollegen werteten 18 kontrollierte Studien mit über 1.100 Teilnehmenden aus, die im Mittel ca. 40 g Honig pro Tag über acht Wochen zu sich nahmen. Honig senkte dabei den Nüchternblutzucker, das Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie die Triglyceride. Besonders deutlich waren die Effekte bei Rohhonig sowie bei Robinien- und Kleehonig. Die Teilnehmenden ersetzten dabei andere Süßungsmittel durch Honig und hielten den Zuckeranteil ihrer Ernährung insgesamt niedrig.[6]

Auch bei Erkältungen hat Honig einen festen Platz in der Hausapotheke. Abuelgasim und Kollegen fassten 14 Studien zu Infekten der oberen Atemwege zusammen. Im Vergleich zur üblichen Behandlung linderte Honig v.a. die Häufigkeit und Stärke von Husten spürbar. Die Forschenden sehen in Honig deshalb eine günstige und gut verträgliche Hilfe bei Erkältungsbeschwerden. Ein Löffel Honig in warmem, nicht kochendem Tee ist also eine wohltuende Wahl, wenn dich dein Husten plagt.[7]

Bei Babys im ersten Lebensjahr ist besondere Vorsicht geboten. Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten, die über Boden, Wasser oder Pflanzen in den Honig gelangen. Im Darm von Säuglingen können sie aktiv werden und ein Nervengift bilden, weil ihr Magen noch weniger Säure bildet als bei älteren Kindern. Das Bieneninstitut Celle empfiehlt daher, Säuglingen unter zwölf Monaten keinen Honig zu geben. Für Kinder ab einem Jahr und Erwachsene ist Honig dagegen ein wertvolles Lebensmittel.[8]

Ahornsirup, Agavendicksaft und Kokosblütenzucker

Viele Alternativen zum Haushaltszucker werden als besonders natürlich und gesund beworben. Die Verbraucherzentrale NRW hat sich die beliebtesten Produkte genauer angesehen. Kokosblütenzucker besteht überwiegend aus Saccharose, hat ca. 400 kcal pro 100 g und lässt den Blutzucker ähnlich ansteigen wie normaler Zucker. Agavendicksaft enthält viel Fruchtzucker und kann bei empfindlichen Menschen in größeren Mengen Bauchbeschwerden auslösen. Ahornsirup ist mild verarbeitet und etwas weniger süß, die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe fallen bei allen diesen Produkten aber kaum ins Gewicht.[9]

Honig, Sirupe und Dicksäfte enthalten zwar ebenso Zucker wie raffinierter Haushaltszucker, können sich aber durch ihre zusätzlichen Inhaltsstoffe unterscheiden. Besonders Honig liefert verschiedene Pflanzenstoffe und Studien zeigen Hinweise auf günstige Effekte bestimmter Honigsorten auf Blutzucker- und Blutfettwerte. Die wissenschaftliche Beweislage ist allerdings noch begrenzt. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit zählt den Zucker aus Honig und Sirupen zu den freien Zuckern und empfiehlt, deren Aufnahme möglichst gering zu halten. Wenn du bewusst süßen möchtest, lohnt es sich deshalb, sowohl auf die Qualität als auch auf die Menge zu achten.[3] Du darfst sie also mit Genuss verwenden, solange die Gesamtmenge im Rahmen bleibt. Ihr Vorteil liegt v.a. im Geschmack, denn ein kräftiger Ahornsirup oder ein aromatischer Waldhonig süßt mit einer kleineren Menge intensiver. So gewinnst du Aroma und sparst gleichzeitig Zucker.[4]

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Stevia, Erythrit und Xylit

Stevia als pflanzliche Süße

Stevia stammt aus den Blättern einer südamerikanischen Pflanze, deren Süßkraft in den sogenannten Steviolglykosiden steckt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diese Stoffe umfassend geprüft und kam zu dem Ergebnis, dass sie weder krebserregend noch erbgutschädigend sind. Sie legte eine erlaubte Tagesdosis von 4 mg pro Kg Körpergewicht fest, gerechnet als Steviol. Für einen Menschen mit 70 kg sind das ca. 280 mg Steviol am Tag, eine Menge, die du mit üblichem Süßen kaum erreichst. Die Bewertung stützt sich auf Langzeitstudien an Tieren sowie auf Verträglichkeitsstudien am Menschen.[10]

Spannend ist, wie Stevia auf Hunger und Blutzucker wirkt. Anton und Kollegen gaben 31 normalgewichtigen und übergewichtigen Erwachsenen vor dem Mittag- und Abendessen eine Vorspeise, die mit Stevia, Aspartam oder Zucker gesüßt war. Nach den kalorienärmeren Varianten aßen die Teilnehmenden später nicht mehr und fühlten sich genauso satt. Nach der Stevia-Vorspeise lagen Blutzucker und Insulin nach dem Essen niedriger als nach der Zucker-Variante. Stevia ist damit eine gute Wahl, wenn du Süße genießen und deinen Blutzucker ruhig halten möchtest.[11]

Erythrit und Xylit unter der Lupe

Erythrit und Xylit, oft als Birkenzucker verkauft, sind Zuckeralkohole mit wenig oder kaum Kalorien. Witkowski und Kollegen fanden in Großstudien aus den USA und Europa, dass Menschen mit den höchsten Erythrit-Spiegeln im Blut ein ca. doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod innerhalb von drei Jahren hatten. Die Teilnehmenden waren v.a. ältere Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko. In einem Versuch mit acht gesunden Menschen stieg der Erythrit-Spiegel nach einem Getränk mit 30 g Erythrit um mehr als das Tausendfache und blieb über zwei Tage erhöht. In Laborversuchen machte Erythrit die Blutplättchen zudem reaktionsfreudiger, sodass sich Gerinnsel leichter bildeten.[12]

Ein ähnliches Bild zeigte dieselbe Forschungsgruppe für Xylit. Bei über 3.000 untersuchten Menschen hatte das Drittel mit den höchsten Xylit-Werten ein um ca. 50% höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse in den folgenden drei Jahren. Nach einem Getränk mit Xylit stieg der Spiegel bei zehn Gesunden um etwa das Tausendfache und normalisierte sich nach vier bis sechs Stunden. Auch Xylit machte die Blutplättchen in Versuchen empfindlicher für Gerinnungssignale. Da es sich bei den Risikodaten um Beobachtungsstudien handelt, zeigen sie einen Zusammenhang, den weitere Studien noch bestätigen müssen.[13]

Die EFSA hat Erythrit 2023 neu bewertet und eine erlaubte Tagesdosis von 0,5 g pro Kg Körpergewicht festgelegt. Grundlage war die Menge, ab der Erythrit abführend wirkt, denn größere Portionen können Durchfall und Blähungen auslösen. Einen ursächlichen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sah die Behörde nach aktueller Datenlage nicht belegt, weitere Forschung hält sie aber für wichtig. Für dich bedeutet das, Erythrit und Xylit in Maßen zu verwenden, v.a. wenn du ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hast. Den Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ auf der Verpackung hält die EFSA weiterhin für wichtig.[14]

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Aspartam, Sucralose und andere künstliche Süßstoffe

Wo überall Aspartam steckt

Aspartam gehört zu den am häufigsten verwendeten Süßstoffen und ist in der EU für über
45 Lebensmittelgruppen zugelassen. Besonders oft steckt es in Light- und Zero-Getränken, zuckerfreien Kaugummis und Brotaufstrichen. Auch Süßstofftabletten, flüssige Süßstoffe und sogar manche Medikamente enthalten Aspartam, dort verbessert es den Geschmack. Auf der Zutatenliste erkennst du es an der Bezeichnung Aspartam oder an der Nummer E 951. Ein genauer Blick auf die Verpackung lohnt sich v.a. bei Produkten mit der Aufschrift light, zero oder zuckerfrei.[15]

Einen weiteren Hinweis liefert die Kennzeichnungspflicht. Aspartam wird im Körper u.a. zu Phenylalanin abgebaut, einem Eiweißbaustein, den Menschen mit der angeborenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie streng meiden müssen. Deshalb tragen alle aspartamhaltigen Produkte den Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“. Die EFSA hat 2013 eine erlaubte Tagesdosis von 40 mg pro Kg Körpergewicht festgelegt und Aspartam unterhalb dieser Menge als unbedenklich bewertet. Die folgenden Studien zeigen allerdings Veränderungen in Körper und Gehirn schon bei deutlich geringeren Mengen.[16]

Was Aspartam in Körper und Gehirn bewirkt

Lindseth und Kollegen untersuchten, wie Aspartam auf Stimmung und Denkvermögen gesunder Erwachsener wirkt. Die Teilnehmenden aßen jeweils acht Tage lang eine aspartamreiche Kost mit 25 mg pro Kg Körpergewicht und eine aspartamarme Kost mit 10 mg. Die hohe Menge lag damit noch deutlich unter der erlaubten Tagesdosis. Unter der aspartamreichen Kost waren die Teilnehmenden reizbarer und zeigten mehr depressive Verstimmungen. In Tests zur räumlichen Orientierung schnitten sie schlechter ab. Die Forschenden raten deshalb zu einem achtsamen Umgang mit Lebensmitteln, die Stimmung und Gehirnleistung beeinflussen.[17]

Auch im Tierversuch wirkt Aspartam deutlich auf das Gehirn. Jones und Kollegen gaben Mäusen Aspartam in einer Menge, die etwa dem durchschnittlichen Verzehr des Menschen entspricht. Die Tiere entwickelten ein ausgeprägtes Angstverhalten, das sich bis in die zweite Generation ihrer Nachkommen fortsetzte. Im Mandelkern, der Angstzentrale des Gehirns, verschob sich das Gleichgewicht der Botenstoffe hin zu mehr erregendem Glutamat und weniger beruhigender GABA. Ein angstlösendes Medikament hob das Angstverhalten der Tiere wieder auf.[18]

In einer Folgestudie erhielten Mäuse 16 Wochen lang Aspartam in Mengen von nur 7% bzw. 15% der in den USA zugelassenen Tageshöchstmenge. Schon nach vier Wochen zeigten die Tiere Defizite im Arbeitsgedächtnis, die bis zum Ende der Studie anhielten. In einem weiteren Labyrinthtest brauchten sie deutlich länger, um eine Aufgabe zu lernen. Die Lern- und Gedächtnisstörungen gaben die männlichen Tiere sogar an ihre Nachkommen weiter. Die Forschenden führen das auf epigenetische Veränderungen in den Spermien zurück.[19]

Beim Menschen zeigt sich zudem ein Zusammenhang mit den Blutgefäßen des Gehirns. Debras und Kollegen begleiteten in der französischen NutriNet-Santé-Studie über 103.000 Erwachsene von 2009 bis 2021. Menschen, die mehr Aspartam aufnahmen, hatten ein um 17% höheres Risiko für Erkrankungen der Hirngefäße wie Schlaganfälle. Künstliche Süßstoffe insgesamt waren außerdem mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen verbunden. Unter allen untersuchten Süßstoffen stach Aspartam bei den Hirngefäßen besonders hervor.[20]

In derselben Kohorte untersuchte die Forschungsgruppe auch das Krebsrisiko von 102.865 Erwachsenen. Menschen mit dem höchsten Konsum künstlicher Süßstoffe hatten ein um 13% höheres Krebsrisiko als Menschen, die keine Süßstoffe aufnahmen. Besonders auffällig waren dabei Aspartam und Acesulfam-K sowie Brustkrebs und übergewichtsbedingte Krebsarten. Für dich heißt das, Light-Getränke, zuckerfreie Kaugummis und andere aspartamhaltige Produkte möglichst zu meiden. Wasser, ungesüßter Tee oder Wasser mit frischen Früchten sind dabei wunderbare Alternativen.[21]

Süßstoffe, Gewicht und Darmflora

Viele Menschen greifen zu Süßstoffen, um Kalorien zu sparen und Gewicht zu verlieren. Rogers und Kollegen werteten dazu zahlreiche Studien am Menschen aus. Wurden zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke durch süßstoffhaltige ersetzt, sank die Energieaufnahme in Kurzzeitstudien im Mittel um ca. 94 kcal. In längeren randomisierten Studien von vier Wochen bis 40 Monaten verloren die Teilnehmenden mit Süßstoffen im Vergleich zu Zucker ca. 1,35 kg mehr Gewicht. Wenn du Süßstoffe als Brücke beim Umstieg von Limonade auf Wasser nutzen möchtest, greif dabei lieber zu Stevia als zu Aspartam.[22]

Einen neuen Blick auf Süßstoffe wirft die Darmforschung. Suez und Kollegen gaben 120 gesunden Erwachsenen zwei Wochen lang Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia, jeweils unterhalb der erlaubten Tagesdosis. Jeder Süßstoff veränderte die Darm- und Mundflora auf eigene Weise und bei Saccharin und Sucralose verschlechterte sich die Blutzuckerreaktion. Die Effekte unterschieden sich stark von Mensch zu Mensch und hingen von der individuellen Darmflora ab. Dein Körper reagiert also ganz persönlich und es lohnt sich, achtsam zu beobachten, was dir gut tut.[23]

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Süße bewusst genießen

Wie sich dein Geschmack umgewöhnt

Dein Geschmackssinn ist wandelbar und das ist eine wunderbare Nachricht. Wise und Kollegen begleiteten Erwachsene, die täglich mehrere gesüßte Softdrinks tranken, über drei Monate. Eine Gruppe ersetzte ca. 40% ihrer Zuckerkalorien durch Fette, Eiweiß und komplexe Kohlenhydrate. Nach drei Monaten empfand diese Gruppe Puddings und Getränke als süßer als die Vergleichsgruppe, die gleiche Süße wirkte also intensiver. Als die Teilnehmenden danach wieder frei wählten, kehrten sie schnell zu ihren alten Gewohnheiten zurück, ein Zeichen dafür, dass Dranbleiben sich lohnt.[24]

Oft greifen wir zu Süßem, wenn wir müde, gestresst oder traurig sind. Mantantzis und Kollegen werteten 31 Studien mit knapp 1.300 Erwachsenen aus und fanden heraus, dass Zucker die Stimmung zu keinem Zeitpunkt verbesserte. Innerhalb der ersten Stunde nach dem Verzehr fühlten sich die Teilnehmenden sogar müder und weniger wach als nach einem Placebo. Den sogenannten Zuckerkick gibt es also so nicht. Wenn dich das nächste Mal die Lust auf Süßes überkommt, lohnt sich ein kurzer Moment des Innehaltens, vielleicht brauchst du gerade eher eine Pause, frische Luft oder ein Glas Wasser.[25]

Früchte als natürliche Süßquelle

Ganze Früchte bringen Süße zusammen mit Ballaststoffen, Vitaminen und Pflanzenstoffen mit. Muraki und Kollegen begleiteten ca. 187.000 Erwachsene über viele Jahre. Wer pro Woche drei zusätzliche Portionen Heidelbeeren aß, hatte ein um 26% niedrigeres Risiko für Typ-2-Diabetes. Drei zusätzliche Gläser Fruchtsaft pro Woche gingen dagegen mit einem um 8% höheren Risiko einher. Ersetzt du also Saft durch ganzes Obst, tust du deinem Stoffwechsel etwas Gutes, und Datteln, Bananen oder Beeren süßen nebenbei Müsli, Joghurt und Kuchen.[26]

Für den Alltag hilft dir eine klare Orientierung. Die Forschenden der großen BMJ Übersicht empfehlen, zugesetzten Zucker unter 25 g am Tag zu halten und gesüßte Getränke auf höchstens eine Portion pro Woche zu begrenzen. In kleinen Schritten lässt sich das gut umsetzen. Du kannst z.B. mit dem Getränk beginnen, das du am häufigsten trinkst, und es Schritt für Schritt durch Wasser, Tee oder Saftschorle mit viel Wasser ersetzen. Jede Tasse und jedes Glas mit weniger Zucker ist ein Gewinn für deine Gesundheit.[5]

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Fazit

Das perfekte Süßungsmittel gibt es nicht, jedes hat seine eigenen Stärken und Grenzen. Zucker, Honig und Sirupe liefern Energie und Genuss, entfalten ihre Wirkung aber v.a. über die Menge, besonders in Getränken. Honig bringt in unerhitzter Form zusätzliche Vorzüge mit, z.B. bei Husten und für die Blutfette, wenn er andere Süßungsmittel ersetzt. Stevia gilt als gut untersucht und lässt den Blutzucker ruhig, während bei Erythrit und Xylit neue Studien zu einem maßvollen Umgang raten. Bei Aspartam zeigen Studien Veränderungen von Stimmung, Gedächtnis und Angstverhalten sowie ein höheres Risiko für Erkrankungen der Hirngefäße, deshalb lässt du aspartamhaltige Produkte am besten im Regal stehen. Süßstoffe helfen zwar beim Kaloriensparen, gleichzeitig zeigt die Darmforschung, dass jeder Mensch ganz eigen auf sie reagiert.

Die größte Freiheit gewinnst du, wenn du deine Lust auf Süßes Schritt für Schritt sanfter werden lässt. Dein Geschmack passt sich an und schon nach einigen Wochen schmecken Obst, Joghurt oder Tee mit weniger Süße wieder voll und rund. Ganze Früchte, Wasser mit frischen Aromen und ein bewusster Umgang mit Honig oder Stevia sind dabei wunderbare Begleiter. Genieße dein Stück Kuchen ohne schlechtes Gewissen und lass Süße wieder zu etwas Besonderem werden. So wird jede kleine Veränderung zu einem Geschenk an deine Gesundheit.

Quellen

[1] Malik VS, Popkin BM, Bray GA, Després JP, Willett WC, Hu FB. Sugar-sweetened beverages and risk of metabolic syndrome and type 2 diabetes – a meta-analysis. Diabetes Care 2010, 33(11), 2477–2483.

[2] Te Morenga L, Mallard S, Mann J. Dietary sugars and body weight – systematic review and meta-analyses of randomised controlled trials and cohort studies. BMJ 2013, 346, e7492.

[3] Ahmed et al., 2023. Effect of honey on cardiometabolic risk factors: A systematic review and meta-analysis. Nutrition Reviews, 81(7), 758–774.

[4] Ernst JB, Arens-Azêvedo U, Bitzer B et al. Quantitative recommendation on sugar intake in Germany – short version of the consensus paper by DAG, DDG and DGE. Ernährungs Umschau 2019, 66(2), 26–34.

[5] Huang Y, Chen Z, Chen B et al. Dietary sugar consumption and health – umbrella review. BMJ 2023, 381, e071609.

[6] Ahmed A, Tul-Noor Z, Lee D et al. Effect of honey on cardiometabolic risk factors – a systematic review and meta-analysis. Nutrition Reviews 2023, 81(7), 758–774.

[7] Abuelgasim H, Albury C, Lee J. Effectiveness of honey for symptomatic relief in upper re spiratory tract infections – a systematic review and meta-analysis. BMJ Evidence-Based Medicine 2021, 26(2), 57–64.

[8] von der Ohe W. Honig und Botulismus. Das Bieneninstitut Celle informiert, Nr. 14. LAVES – Institut für Bienenkunde Celle 2003.

[9] Verbraucherzentrale NRW. Kokosblüten-, Birkenzucker, Stevia & Co. – Alternative Süßmacher im Trend. Online-Ratgeber, Stand 2026.

[10] EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (ANS). Scientific opinion on the safety of steviol glycosides for the proposed uses as a food additive. EFSA Journal 2010, 8(4), 1537.

[11] Anton SD, Martin CK, Han H et al. Effects of stevia, aspartame, and sucrose on food intake, satiety, and postprandial glucose and insulin levels. Appetite 2010, 55(1), 37–43.

[12] Witkowski M, Nemet I, Alamri H et al. The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nature Medicine 2023, 29(3), 710–718.

[13] Witkowski M, Nemet I, Li XS et al. Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk. European Heart Journal 2024, 45(27), 2439–2452.

[14] EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (FAF). Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. EFSA Journal 2023, 21(12), e8430.

[15] Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB). Aspartam – schädlicher als gedacht? UGBforum 2025, Heft 6, 306–307.

[16] EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (ANS). Scientific opinion on the re-evaluation of aspartame (E 951) as a food additive. EFSA Journal 2013, 11(12), 3496.

[17] Lindseth GN, Coolahan SE, Petros TV, Lindseth PD. Neurobehavioral effects of aspartame consumption. Research in Nursing and Health 2014, 37(3), 185–193.

[18] Jones SK, McCarthy DM, Vied C, Stanwood GD, Schatschneider C, Bhide PG. Transgenerational transmission of aspartame-induced anxiety and changes in glutamate GABA signaling and gene expression in the amygdala. Proceedings of the National Academy of Sciences 2022, 119(49), e2213120119.

[19] Jones SK, McCarthy DM, Stanwood GD, Schatschneider C, Bhide PG. Learning and memory deficits produced by aspartame are heritable via the paternal lineage. Scientific Reports 2023, 13(1), 14326.

[20] Debras C, Chazelas E, Sellem L et al. Artificial sweeteners and risk of cardiovascular diseases – results from the prospective NutriNet-Santé cohort. BMJ 2022, 378, e071204.

[21] Debras C, Chazelas E, Srour B et al. Artificial sweeteners and cancer risk – results from the NutriNet-Santé population-based cohort study. PLoS Medicine 2022, 19(3), e1003950.

[22] Rogers PJ, Hogenkamp PS, de Graaf C et al. Does low-energy sweetener consumption affect energy intake and body weight? A systematic review, including meta-analyses, of the evidence from human and animal studies. International Journal of Obesity 2016, 40(3), 381–394.

[23] Suez J, Cohen Y, Valdés-Mas R et al. Personalized microbiome-driven effects of non nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell 2022, 185(18), 3307–3328.

[24] Wise PM, Nattress L, Flammer LJ, Beauchamp GK. Reduced dietary intake of simple sugars alters perceived sweet taste intensity but not perceived pleasantness. American Journal of Clinical Nutrition 2016, 103(1), 50–60.

[25] Mantantzis K, Schlaghecken F, Sünram-Lea SI, Maylor EA. Sugar rush or sugar crash? A meta-analysis of carbohydrate effects on mood. Neuroscience and Biobehavioral Reviews 2019, 101, 45–67.

[26] Muraki I, Imamura F, Manson JE et al. Fruit consumption and risk of type 2 diabetes results from three prospective longitudinal cohort studies. BMJ 2013, 347, f5001.


Medizinischer Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

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