Akne ist keine reine Frage von schlechter Hautpflege. Studien zeigen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: Hormone steigern die Talgproduktion, verstopfte Poren fördern Entzündungen, und bei manchen Menschen spielen auch Ernährung, Körpergewicht, bestimmte Nährstoffmuster und die Wahl der Hautpflege eine Rolle. Gut belegt ist, dass Akne durch Androgene – also männliche Geschlechtshormone, die auch Frauen bilden – mitgesteuert wird. Ebenfalls gibt es Hinweise, dass Lebensmittel mit hoher glykämischer Last, also solche, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen, Akne verschlechtern können. Für Milch, einzelne Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Diäten ist die Studienlage deutlich uneinheitlicher. Dieser Artikel erklärt, was als gesichert gilt, was nur Hinweise sind und was praktisch oft sinnvoll ist.
Was bei Akne in der Haut passiert
Akne entsteht vor allem in Hautbereichen mit vielen Talgdrüsen, also im Gesicht, auf Brust und Rücken. Vier Vorgänge sind dabei zentral: Die Talgdrüsen bilden zu viel Hautfett, die Ausgänge der Haarfollikel verstopfen, bestimmte Hautbakterien vermehren sich, und das Immunsystem reagiert mit Entzündung. Diese Kombination führt zu Mitessern, Papeln, Pusteln und bei schwereren Verläufen zu schmerzhaften Knoten.[1][2]
Ein wichtiger Auslöser sind Androgene. Diese Hormone regen die Talgdrüsen an. Deshalb beginnt Akne oft in der Pubertät, wenn sich der Hormonhaushalt stark verändert. Bei Erwachsenen kann Akne ebenfalls hormonell mitbedingt sein, zum Beispiel wenn Zyklusstörungen oder ein polyzystisches Ovarsyndrom, kurz PCOS, vorliegen. PCOS ist eine Hormonstörung, bei der unter anderem die Androgenwirkung erhöht sein kann.[1][3]
Hormone: gut belegt und oft unterschätzt
Warum Akne in Pubertät und Zyklusphasen schwanken kann
Die Aktivität der Talgdrüsen hängt stark von Hormonen ab. Besonders wichtig ist die Wirkung von Androgenen auf die Talgdrüsen und auf die Verhornung im Haarfollikel. Wenn mehr Talg gebildet wird und sich gleichzeitig abgestorbene Hautzellen am Ausgang des Follikels stauen, entstehen Mitesser. Daraus können sich entzündliche Pickel entwickeln.[1][2]
Viele Frauen berichten über Schübe vor der Menstruation. Das passt dazu, dass Hormonspiegel im Zyklus schwanken. Erwachsene Frauen mit neu auftretender oder anhaltender Akne sollten ärztlich abklären lassen, ob zusätzliche Zeichen einer Hormonstörung vorliegen, etwa unregelmäßige Zyklen, vermehrte Körperbehaarung oder Haarausfall.[3]
Der Zusammenhang mit Insulin und IGF-1
Neben den klassischen Geschlechtshormonen werden auch Insulin und IGF-1 diskutiert. IGF-1 steht für insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1. Dieses Signal fördert Zellwachstum und kann auch Talgdrüsen und Verhornung beeinflussen. Ein hoher Insulinspiegel und ein höheres IGF-1-Niveau gelten als biologisch plausible Verbindung zwischen Ernährung und Akne.[4][5]
Ernährung: was die Studien wirklich zeigen
Lebensmittel mit hoher glykämischer Last
Am besten untersucht ist der Zusammenhang zwischen Akne und einer Ernährung mit hoher glykämischer Last. Gemeint sind Mahlzeiten, die den Blutzucker stark und schnell ansteigen lassen, zum Beispiel stark gezuckerte Getränke, Süßigkeiten, Weißbrot oder große Mengen stark verarbeiteter Stärke. Solche Mahlzeiten erhöhen meist auch den Insulinspiegel. Das kann Signalwege fördern, die Talgbildung und Entzündung begünstigen.[4][5]
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse fand, dass Menschen mit Akne häufiger Lebensmittel mit hoher glykämischer Last essen als Menschen ohne Akne. Einzelne kontrollierte Studien deuten zudem darauf hin, dass eine Ernährung mit niedrigerer glykämischer Last Hautveränderungen und Aknegrad verbessern kann. Die Zahl der guten Interventionsstudien ist aber begrenzt, deshalb ist die Aussage stärker als bloße Vermutung, aber schwächer als bei klassischen Medikamentenstudien.[5][6]
Milch und Milchprodukte
Für Milch gibt es wiederholt beobachtete Zusammenhänge mit Akne, vor allem für fettarme Milch. Mehrere Meta-Analysen von Beobachtungsstudien fanden ein erhöhtes Aknerisiko bei höherem Milchkonsum. Beobachtungsstudien können jedoch nicht sicher zeigen, dass Milch die Ursache ist. Es ist auch möglich, dass andere Lebensstilfaktoren mitwirken.[7][8]
Warum Milch überhaupt diskutiert wird, hat mit Hormonen und Wachstumsfaktoren zu tun. Milch kann Insulin und IGF-1 beeinflussen. Das ist biologisch plausibel, beweist aber noch keine klinisch relevante Wirkung bei jedem Menschen. Praktisch bedeutet das: Wer den Eindruck hat, dass viel Milch die Haut verschlechtert, kann testweise für einige Wochen die Menge reduzieren und die Haut beobachten. Ein allgemeines Verbot für Milch lässt sich aus der Studienlage nicht ableiten.[4][7]
Schokolade, Fast Food und einzelne Lebensmittel
Für Schokolade und Fast Food gibt es häufig Behauptungen, die Daten sind aber weniger klar als oft angenommen. Viele Studien dazu sind Beobachtungsstudien oder verwenden Fragebögen zur Ernährung. Damit lässt sich ein Zusammenhang erkennen, aber nicht sicher sagen, welches Lebensmittel die Ursache ist. Bei Schokolade ist zudem schwer zu trennen, ob Kakao, Zucker, Milchbestandteile oder die Gesamternährung entscheidend sind.[5][9]
Körpergewicht und Stoffwechsel
Übergewicht ist keine direkte Ursache von Akne. Es gibt aber Überschneidungen bei den Stoffwechselwegen. Ein höherer Insulinspiegel und Zeichen einer Insulinresistenz – das bedeutet, dass Körperzellen schlechter auf Insulin reagieren – können bei manchen Betroffenen mit Akne eine Rolle spielen. Dieser Zusammenhang ist besonders relevant, wenn zusätzlich Zyklusstörungen, PCOS oder andere Stoffwechselprobleme bestehen.[3][4]
| Faktor | Wie gut belegt? | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Hohe glykämische Last | Relativ gut untersucht | Weniger Zucker und Weißmehl kann sinnvoll sein |
| Milch | Hinweise aus Beobachtungsstudien | Individuelle Beobachtung sinnvoll, kein pauschales Verbot |
| Einzelne Lebensmittel wie Schokolade | Uneinheitlich | Nicht isoliert betrachten, eher das gesamte Ernährungsmuster |
| Hormone und PCOS | Gut belegt | Bei auffälligen Begleitsymptomen ärztlich abklären |
Nährstoffe und Nahrungsergänzung: wo es Hinweise gibt und wo Vorsicht nötig ist
Zink
Zink wird bei Akne oft genannt, weil es an Immunfunktion, Wundheilung und Entzündungsregulation beteiligt ist. Es gibt klinische Studien, in denen orale oder lokale Zinkanwendungen gewisse Verbesserungen zeigten. Insgesamt ist die Studienlage gemischt: Manche Studien finden einen Nutzen, andere nur geringe Effekte. Zink ist daher kein Wundermittel, kann aber in ausgewählten Fällen als ergänzender Ansatz diskutiert werden.[10][11]
Wichtig ist die Dosis. Zu viel Zink kann Nebenwirkungen verursachen und bei längerer Einnahme einen Kupfermangel fördern. Nahrungsergänzung sollte deshalb nicht dauerhaft in hoher Dosierung auf eigene Faust erfolgen.[11]
Vitamin A und Retinoide
Vitamin A ist biologisch relevant, weil daraus Stoffe abgeleitet sind, die die Verhornung der Haut beeinflussen. Bekannte Aknetherapien wie Retinoide sind mit Vitamin A verwandt. Das bedeutet aber nicht, dass hoch dosierte Vitamin-A-Präparate als Selbstbehandlung sinnvoll oder sicher sind. Hohe Mengen Vitamin A können giftig sein und in der Schwangerschaft das ungeborene Kind schädigen. Deshalb sind eigenständige Hochdosis-Einnahmen keine gute Idee.[1][12]
Vitamin D, Omega-3 und Probiotika
Für Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Probiotika gibt es interessante, aber noch begrenzte Daten. Einige kleinere Studien fanden Verbesserungen bei Entzündungszeichen oder Aknegrad. Das ist plausibel, weil diese Ansätze Entzündungen und möglicherweise auch Stoffwechselwege beeinflussen können. Für klare allgemeine Empfehlungen reicht die Evidenz bisher aber nicht aus. Solche Mittel sind daher eher mögliche Ergänzungen als etablierte Standardmaßnahmen.[9][13][14]
Vitamin B12 und andere mögliche Auslöser
Ein wichtiger Sonderfall ist Vitamin B12. Es gibt Berichte und kleinere Studien, dass hoch dosiertes Vitamin B12 bei manchen Menschen akneähnliche Hautveränderungen auslösen oder verschlechtern kann. Das betrifft nicht die normale Zufuhr über Lebensmittel, sondern vor allem höhere Ergänzungsdosen oder Injektionen. Wer nach Beginn eines Präparats eine Verschlechterung bemerkt, sollte das ärztlich besprechen.[15]
Hautpflege: was hilft und was die Haut oft eher reizt
Sanfte Reinigung statt aggressivem Schrubben
Akne entsteht nicht durch mangelnde Sauberkeit. Häufiges Waschen, harte Peelings oder stark entfettende Produkte können die Hautbarriere reizen. Die Hautbarriere ist die natürliche Schutzschicht der Haut. Wenn sie geschädigt wird, kann die Haut stärker brennen, spannen und auf Wirkstoffe empfindlich reagieren. Fachgesellschaften empfehlen deshalb eine milde Reinigung und nicht-komedogene Pflege. Nicht-komedogen bedeutet, dass ein Produkt die Poren möglichst nicht verstopfen soll.[1][16]
Wirkstoffe mit guter Evidenz
Zu den gut belegten äußerlichen Wirkstoffen zählen Benzoylperoxid, topische Retinoide und Azelainsäure. Benzoylperoxid wirkt gegen Aknebakterien und entzündliche Läsionen. Topische Retinoide normalisieren die Verhornung im Follikel und helfen besonders gegen Mitesser. Azelainsäure kann bei entzündlicher Akne und bei Pickelmalen nützlich sein. Welche Behandlung geeignet ist, hängt vom Schweregrad ab.[1][16]
Kosmetik allein ersetzt bei mittelgradiger oder schwerer Akne meist keine medizinische Therapie. Umgekehrt ist gute Basispflege trotzdem sinnvoll, weil sie Reizungen durch Aknewirkstoffe verringern kann und die Behandlung damit oft besser durchgehalten wird.[16]
Was wissenschaftlich sinnvoll erscheint – und was nicht überinterpretiert werden sollte
Gut belegt ist, dass Akne eine entzündliche Hauterkrankung ist, die stark hormonell beeinflusst wird. Ebenfalls gut begründet ist, dass Ernährung mit hoher glykämischer Last bei manchen Menschen ein verstärkender Faktor sein kann. Hier ist eine Ernährungsumstellung plausibel und durch mehrere Studien gestützt.[1][5][6]
Sinnvoll, aber nicht eindeutig bewiesen, ist das individuelle Beobachten von Milch, bestimmten Supplements und dem gesamten Ernährungsmuster. Es gibt Hinweise, aber keine pauschale Regel, die für alle gleich gilt. Wer testweise etwas verändert, sollte jeweils nur einen Faktor ändern und mindestens mehrere Wochen beobachten. Sonst lässt sich schwer erkennen, was tatsächlich einen Unterschied macht.[7][9]
Nicht gut belegt sind pauschale Aussagen wie „Akne kommt nur vom Darm“, „Schokolade ist immer der Auslöser“ oder „Nahrungsergänzung heilt Akne“. Solche Behauptungen vereinfachen ein komplexes Thema zu stark. Auch wenn einzelne Menschen auf bestimmte Faktoren deutlich reagieren, lässt sich daraus keine allgemeine Wahrheit für alle ableiten.[9][13]
Wann ärztliche Abklärung besonders wichtig ist
Bei schmerzhaften Knoten, Narbenbildung, plötzlich starker Akne im Erwachsenenalter oder deutlichen Zyklusstörungen sollte die Haut ärztlich beurteilt werden. Das gilt auch, wenn frei verkäufliche Maßnahmen nicht helfen. Frühzeitige Behandlung ist wichtig, weil sie Entzündungen und spätere Narben begrenzen kann.[1][3]
Fazit
Akne entsteht durch ein Zusammenspiel aus Hormonen, verstopften Poren, Entzündung und individuellen Einflüssen. Am besten belegt sind hormonelle Faktoren und ein möglicher negativer Effekt von Lebensmitteln mit hoher glykämischer Last. Für Milch, einzelne Nährstoffe und Nahrungsergänzung gibt es teils Hinweise, aber keine einfachen Regeln, die für alle gelten. Sinnvoll sind eine sanfte Hautpflege, ein Blick auf das gesamte Ernährungsmuster und bei auffälligen Verläufen eine ärztliche Abklärung.
Quellen
[1] S3-Leitlinie Therapie der Akne. AWMF-Registernummer 013-017. Deutsche Dermatologische Gesellschaft und beteiligte Fachgesellschaften. Langfassung, aktuelle Fassung über das AWMF-Leitlinienregister abrufbar.
[2] Kurokawa I, Danby FW, Ju Q, et al. New developments in our understanding of acne pathogenesis and treatment. Experimental Dermatology. 2009;18(10):821-832. doi:10.1111/j.1600-0625.2009.00890.x
[3] Barbieri JS, James WD, Margolis DJ. Trends in prescribing behavior of systemic agents used in the treatment of acne among dermatologists and nondermatologists: A retrospective analysis, and standard dermatologic references on adult female acne and hyperandrogenism. Journal of the American Academy of Dermatology; ergänzend klinische Übersichten zu Akne bei erwachsenen Frauen und PCOS, u. a. Dermatologic Therapy. 2012;25(3):289-305. doi:10.1111/j.1529-8019.2012.01477.x
[4] Melnik BC. Evidence for acne-promoting effects of milk and other insulinotropic dairy products. Nestle Nutrition Workshop Series. Paediatric Programme. 2011;67:131-145. doi:10.1159/000325580
[5] Juhl CR, Bergholdt HKM, Miller IM, et al. Dairy intake and acne vulgaris: A systematic review and meta-analysis of 78,529 children, adolescents, and young adults. Nutrients. 2018;10(8):1049. doi:10.3390/nu10081049
[6] Smith RN, Mann NJ, Braue A, Mäkeläinen H, Varigos GA. A low-glycemic-load diet improves symptoms in acne vulgaris patients: A randomized controlled trial. American Journal of Clinical Nutrition. 2007;86(1):107-115. doi:10.1093/ajcn/86.1.107
[7] Aghasi M, Golzarand M, Shab-Bidar S, et al. Dairy intake and acne development: A meta-analysis of observational studies. Clinical Nutrition. 2019;38(3):1067-1075. doi:10.1016/j.clnu.2018.04.015
[8] Ulvestad M, Bjertness E, Dalgard F, Halvorsen JA. Acne and dairy products in adolescence: Results from a Norwegian longitudinal study. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2017;31(3):530-535. doi:10.1111/jdv.13890
[9] Claudel JP, Auffret N, Leccia MT, et al. Acne and nutrition: Hypotheses, myths and facts. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2018;32(10):1631-1637. doi:10.1111/jdv.14895
[10] Cervantes J, Eber AE, Perper M, Nascimento VM, Nouri K. The role of zinc in the treatment of acne: A review of the literature. Dermatologic Therapy. 2018;31(1):e12576. doi:10.1111/dth.12576
[11] National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Zinc Fact Sheet for Health Professionals. Überprüfbare Fachinformation zu Funktionen, Dosierung und Risiken von Zink.
[12] National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Vitamin A and Carotenoids Fact Sheet for Health Professionals. Überprüfbare Fachinformation zu Nutzen und Risiken hoher Vitamin-A-Zufuhr.
[13] Thompson KG, Rainer BM, Antonescu C, Florell SR, Harper JC. Omega-3 fatty acids and acne: A review of the literature. Lipids in Health and Disease. 2014;13:126. doi:10.1186/1476-511X-13-126
[14] Lee YB, Byun EJ, Kim HS. Potential role of the microbiome in acne: A comprehensive review. Journal of Clinical Medicine. 2019;8(7):987. doi:10.3390/jcm8070987
[15] Kang D, Shi B, Erfe MC, et al. Vitamin B12 modulates the transcriptome of the skin microbiota in acne pathogenesis. Science Translational Medicine. 2015;7(293):293ra103. doi:10.1126/scitranslmed.aab2009
[16] Zaenglein AL, Pathy AL, Schlosser BJ, et al. Guidelines of care for the management of acne vulgaris. Journal of the American Academy of Dermatology. 2016;74(5):945-973.e33. doi:10.1016/j.jaad.2015.12.037
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